Dallas Cowboys Preview 2015

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    • Dallas Cowboys Preview 2015

      DALLAS COWBOYS 2015
      (c) aikman

      Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. War vor der Saison noch die Skepsis im Cowboys-Lager und bei den Experten vorherschend, so wich diese im Laufe der Spielzeit immer mehr. Am Ende kam die erste Playoff-Teilnahme inklusive NFC-East Titel seit 2009 heraus und ein Run in der Post-Season, der erst durch einen Fang-oder-nicht-Fang in Green Bay sein Ende fand. Der Grund für diese unerwartet positive Leistungssteigerung fand sich in Neu Offensiv-Coordinator Scott Linehan, der zwar als Passing-Game Coordinator verpflichtet wurde, dann aber vornehmlich auf das Laufspiel setzte - endlich, ist man als leidgeprüfter Fan geneigt zu sagen. Hinter einer der besten Offensive Lines der Liga erlief DeMarco Murray 1845 Yards und verbesserte damit die Franchise-Marke der Cowboys, gehalten von Emmitt Smith aus dem Jahre 1995, um satte 72 Yards.

      Ebenfalls verbessert zeigte sich auch die Verteidigung unter Defensive Coordinator Rod Marinelli, die von Experten im Vorraus als eine, wenn nicht die schlechteste Dder NFL gesehen wurde. Doch trotz des Ausfalls von Sean Lee, dem Leader der Truppe, hielt die Unit besser als erwartet und konnte die Cowboys zumeist im Spiel halten und landete so statistisch immerhin im Mittelfeld. Allerdings konnte man vor allem im entscheidenden Playoff-Spiel gegen Green Bay dann doch erkennen, woran es haperte. Der Pass-Rush war so gut wie nicht vorhanden und so konnte ein einbeinig agierender Aaron Rodgers die Defense relativ einfach zerlegen. 28 Sacks erzielte man 2014 in der regular Season und fand sich damit statistisch bei den letzten 5 Teams wieder. Nur San Diego, Oakland, Atlanta und Cincinnati konnten schlechtere Zahlen aufweisen.

      Aus genau diesem Grund lag der Fokus in der Off-Season auch deutlich auf Verbesserung dieser Komponente. Die spektakulärste und gleichzeitig umstrittenste Verpflichtung tätigte man in Defensive End Greg Hardy, der in Carolina aufgrund häuslicher Gewalt gegen Frauen aus dem Team flog. Hardy muss daher zu Beginn der Saison eine 4-wöchige Sperre absitzen und kann erst ab dem fünften Spiel der Cowboys in die Saison eingreifen, dennoch ist man in Dallas der Meinung, dass Hardy entscheidend den Pass-Rush verbessern kann. Im Draft sicherte man sich zudem einen weiteren Pass-Rush-Spezialisten mit Charakter-Problemen: Randy Gregory galt bei vielen als First-Round-Talent, der allerdings mit psychischen Problemen zu kämpfen hat und daher bis in die zweite Runde rutschte. Dort griffen die Cowboys zu, mit der Hoffnung, durch Coaching Gregorys Potential auf den Platz zu bekommen.

      Ein weiterer wichtiger Punkt in der Offseason waren die Verlängerung der beiden wichtigsten Assistenten von Headcoach Jason Garrett: Sowohl Scott Linehan (Offense) als auch Rod Marinelli (Defense) konnten gehalten werden. Dabei sahen viele Marinelli schon bei seinem langjährigen Weggefährten Lovie Smith in Tampa, aber Garrett und Jones konnten ihn überzeugen zu bleiben. So bleibt der Coaching Staff im Vergleich zum Vorjahr zum großen Teil intakt, lediglich O-Line Coach Bill Callahan zog es zum Rivalen nach Washington. Seinen Posten übernimmt nun Frank Pollack, der in den letzten beiden Jahren Assitent von Callahan war.

      Nach der überragenden Vor-Saison war eine weitere Verlängerung dagegen nur Formsache: Coach Jason Garrett und Owner Jerry Jones einigten sich bereits im Januar darauf, die Zusammenarbeit weitere 5 Jahre fortzusetzen, natürlich mit dem Ziel in dieser Zeit zumindest den sechsten Superbowl-Titel nach Dallas zu bringen. Die Unken-Rufe, die Garrett nur als Lame-Duck-Coach sahen, bis Jon Gruden dann die Leitung übernehmen wurde, sind mittlerweile verstummt. Garrett sitzt fest im Sattel.


      OFFENSE

      Der Großteil der Cowboys-Offense bleibt auch 2015 erhalten, allerdings gibt es einen wichtigen Abgang zu vermelden. Mit DeMarco Murray verlässt der Hauptlastträger des Vorjahres Dallas und heuerte in Philadelphia an. Murray wäre gerne in Dallas geblieben, aber die Cowboys-Verantwortlichen sahen sich nicht in der Lage ihn und WR Dez Bryant beide zu deutlich gesteigerten Bezügen zu halten. Und so ließ man Murray ziehen. Die Hoffnung besteht darauf, dass man hinter der starken O-Line auch mit anderen Running Backs ähnliche Zahlen herauslaufen kann und so die Offense Philosophie des letzten Jahres weiter erhalten bleibt. Als Ersatz für Murray sicherte man sich die Dienste von Darren McFadden, der lange Zeit in Oakland auch verletzungsbedingt hinter seiner Best-Form zurückblieb. Und kurzfristig erzielte man noch einen Trade mit den Seattle Seahawks. Dort gelang es den einstigen 2nd Rounder Christin Michael für einen konditionellen Siebt-Runden-Pick zu holen.

      Die zweite Verbesserung erhofft man sich durch einen zusätzlichen Offense-Lineman: La'el Collins galt vor dem Draft als ein kommender First-Rounder, ehe er unbescholten in eine Mord-Sache verwickelt wurde. Seine ehemalige Freundin wurde getötet und Collins wurde plötzlich zum Verdächtigen und das während der Draft lief. So fiel er durch die ersten drei Runden und keiner wollte ihn haben. Nach dem der Verdacht dann endgültig von ihm abfiel, war Collins ein Free Agent und zur Überraschung vieler unterzeichnete er kurz darauf einen Vertrag in Dallas. Obwohl er dort keinen Starting Posten zu Beginn der Saison einnehmen wird, sehen viele Collins in der Zukunft als eine weitere Verbesserung der bereits herausragenden Line. In naher Zukunft soll er dann RT Doug Free beerben.

      Die Positionen im Einzelnen

      QB: Tony Romo (9), Brandon Weeden (3)
      Nicht viele QBs hatten bessere Spielzeiten als Tony Romo im Jahr 2014. Tatsächlich gab es in der Geschichte der NFL erst 5x einen Quarterback, der auf eine gesamte Saison berechnet, 70% oder mehr seiner Pässe an den Mann bringen konnte. Romo verfehlte diese Leistung um genau einen incomplete Pass und beendete die Spielzeit 2014 mit 69,9% - NFL Bestmarke für diese Saison. Und das obwohl nach einer weiteren Rücken-OP viele schon bezweifelten, ob er überhaupt noch einmal seine Form finden könnte. Zu diesem Zwecke führten die Cowboys den "Romo Wednesday" ein. Immer am Mittwoch durfte Romo dem Training fern bleiben, um dafür eine Rückentherapie zu absolvieren. 2015 nun scheint dies nicht mehr nötig. Romo konnte in der Off-Season ohne Beschwerden trainieren und deshalb darf man davon ausgehen, dass es hier kein großes Hindernis mehr geben wird. Sein Back-up Brandon Weeden musste letztes Jahr ein Spiel als Starter machen - es setzte eine deutliche Niederlage. Eventuell kann Kellen Moore (zunächst Practice Squad) ja mittelfristig Weeden ersetzen.

      RB: Joseph Randle (21), Darren McFadden (20), Lance Dunbar (25), Christin Michael (N/A), Tyler Clutts (44 - FB)
      Randle oder McFadden? Bis zum Redaktionsschluss war offen, wer denn nun gegen New York die Starter-Rolle in Dallas übernehmen wird. In der Pre-Season konnte die O-Line nie in Bestbesetzung auflaufen und so sind Schlüsse hier nur sehr schwer zu ziehen. McFadden machte im sogenannten "Dress Rehearsal Game" die bessere Figur. Sein Vorteil: Er hat den schnellsten Antritt und wenn die Lücke vorhanden ist, scheint er diese zielstrebig zu finden. Allerdings hat McFadden so überhaupt gar keine Fähigkeiten einem Tackle auszuweichen, oder diesen zu brechen. Der erste Kontakt führt fast immer zum sofortigen Stop seines Laufes. Hier ist Randle mit besseren Qualitäten ausgestattet, er wirkt nicht so hüftsteif. Bei McFadden hat man den Eindruck, als ob der Ober- und Unterkörper fest miteinander verschweißt wären, Randle hat hier mehr Beweglichkeit und kann auch mal einen Defender ins Leere laufen lassen.

      Ein großes Fragezeichen bei der Suche nach dem RB ist aber auch der Schutz für Romo bei Blitzen. Murray hatte hier große Qualitäten, wußte fast immer, welchen Defender er aufnehmen musste und konnte so seinem QB zusätzliche Zeit verschaffen. Randle fehlt es hier naturgemäß an Erfahrung und auch McFadden schien hier im TrainingProbleme zu haben. Eventuell ein Grund, wieso man für Michael einen möglichen Draft-Pick abgab. Gegen die Chiefs fiel er in der Pre-Season hier postiv auf.

      WR: Dez Bryant (88), Terrance Williams (83), Cole Bealey (11), Devin Street (15), Lucky Whitehead (13)
      Dez Bryant hat einen neuen Vertrag und alle sind glücklich. Zumindest alle Cowboys-Fans und Verantwortlichen, denn Dez ist neben Romo wohl die wichtigste Komponente bei den Skill-Playern in Dallas. Seine Fähigkeit auch schwierige Catches in hautnaher Deckung zu machen, haben sich nicht nur bis nach Houston herumgesprochen. Kein anderer Spieler fand letztes Jahr häufiger die Endzone. 16mal durfte er nach erfolgreichem Score die Arme zum X überkreuzen, seinem Markenzeichen. Mit Terrance Williams fand man zudem einen Spieler, der vor allem durch seine Big Plays in außergewöhnlichen Situationen auszeichnete - sein Toe-Tap Catch gegen Seattle ist hier nur ein Beispiel. Im Laufe der Saison fand Romo zudem immer häufiger den kleinen, wendigen Beasley, der nun hauptsächlich im Slot ebenfalls zu einer wichtigen Waffe in der Offense wurde und am Ende wie Williams 37mal den Ball fangen durfte.

      TE: Jason Witten (88), Gavin Escobar (89), James Hanna (84), Geoff Swain (89)
      Der zukünftige Hall of Famer Witten bleibt auch in seinem 13. Jahr das Non-Plus-Ultra auf der TE-Position. Seine Konstanz in 12 Jahren NFL ist einfach nur atemberaubend. Erst ein einziges Spiel verpasste der einstige Tennessee Volunteer aufgrund einer Verletzung - das war am ersten Spieltag seiner Rookie-Saison. Seit dem sind es nun 191 Spiele, bei dem er immer auf dem Feld stand. Neben ihm soll Gavin Escobar weiter vor allem in der Redzone zum Einsatz kommen. Neu ist nur 7t-Runden Pick Geoff Swaim, der ähnlich wie Escobar spielt - das heißt, vornehmlich Pass-Empfänger und weniger als Blocker.

      Heimlicher Star wurde allerdings TE-Coach Mike Pope durch seine mittlerweile berühmt-berüchtigten Drills. Immer wieder lässt sich der mittlerweile 73jährige die ungewöhnlichsten Drills einfallen, um die Konzentration seiner Spieler zu schärfen. So gehörte dieses Jahr unter anderem dazu, dass seine Schützlinge den Kopf in eine Wassertonne tauchen mussten und dann nach dem Auftauchen sofort den zugeworfenen Ball fangen sollten. Ein anderer Drill sah am Boden liegende Spieler unter Tackling- Pads begraben, die auf Pfiff daraus hervorkommen sollten um dann auch gleich den zugeworfenen Ball wieder zu fangen.

      O-Line: Tyron Smith (77, LT), Ronald Leary (65, LG), Travis Frederick (72, C), Zack Martin (70, RG), Doug Free (68, RT), La'el Collins (71, OT/G), 73 Mackkenzy Bernadeau (73, G/C), Darrion Weems (75, OT), Jordan Mills (N/A, OT), Chaz Green (79, OT - PUP)
      Letztes Jahr war "the Wall" wie sich die Line heute nennt eine der Hauptgründe für den Aufschwung der Cowboys. Drei First-Round-Picks haben diese Unit zu einer der besten der Liga gemacht. Nur Doug Free ist über 30 und sein Nachfolger hofft man mit La'el Collins nun auch gefunden zu haben. Ein Fragezeichen gibt es allerdings: Wer übernimmt die so wichtige Position des Swing-Tackles für den Fall, dass sich Free oder Tyron Smith verletzen? Letztes Jahr konnte sich hier der junge Jermey Parnell so weit empfehlen, dass die Jacksonville Jaguars ihn via Free Agency mit einem nett dotierten Vertrag nach Florida lockten. Aktuell ist Darrion Weems hier vorgesehen, aber es würde nicht überraschen, wenn sich hier nicht noch was im Verlauf der nächsten Wochen tun würde. Weems wirkte zumindest in der Pre-Season alles andere als sicher auf dieser wichtigen Position. Und kurz vor Redaktionsschluss kam die Meldung, dass man OT Jordan Mills via Waiver-Claim verpflichten konnte. Der war zuletzt in den letzten beiden Spielzeiten bei den Bears als RT Starter zu finden und könnte diese Lücke eventuell schließen.
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    • DEFENSE

      In den letzten Jahren war Coach Marinelli gezwungen aus meist anderswo ausgemusterten Spielern eine Line zusammen zu stellen, welche die Cowboys zumindest im Spiel halten konnte. Dieses Jahr bekommt der MacGyver unter den D-Line Coach nun einen eigenen Bastel-Satz an potentiell gefährlichen Spielern. Ganz klar - die Defense wurde in der Off-Season deutlich aufgerüstet und soll nun der nächste Baustein auf dem Weg zu einem Superbowl Titel in der Zukunft sein. Dazu wurde in der ersten Runde des diesjährigen Drafts mit Byron Jones ein Top Athlet auf der CB Position gedraftet, der zudem flexibel auch als Safety eingesetzt werden kann. Und mit Corey White kam ein weiterer Defensive Back, der zuletzt in New Orleans agierte und ebenfalls flexibel in seiner Position scheint.

      Doch wie im Vorjahr gab es auch 2015 in der Pre-Season eine Hiobs-Botschaft zu verkraften: Der wohl beste CB Orlando Scandrick zog sich während des Trainings einen Kreuzbandriss zu und wird für die gesamte Spielzeit ausfallen. Vor allem auf der Position im Slot war Scandrick letztes Jahr einer der Besten Pass-Verteidiger und er wird hier auf alle Fälle fehlen. Viel Last liegt nun auf dem einstigen First Rounder Morris Claiborne, für den nun wirklich die aller-aller-allerletzte Chance gekommen ist, endlich seinen Draft-Status halbwegs gerecht zu werden. Dazu muss man die ersten vier Spiele neben Greg Hardy auch auf MLB Rolando McClain verzichten. War McClain im Vorjahr noch der große Gewinn, als man ihn kurzfristig nach der Lee-Verletzung verpflichten konnte, so machte er seinem Ruf leider in der Off-Season wieder alle Ehre: Nach doppelter Verfehlung gegen das "Substance of Abuse"-Programm der NFL wurde McClain gesperrt und darf erst ab Spieltag 5 eingreifen. Zumindest ist Sean Lee nach schwerer Verletzung wieder an Bord, dieses Mal in einer anderen Position.

      Die Positionen im Einzelnen
      D-Line: Jeremy Mincey (92, DE), Tyrone Crawford (98, UT), Nick Hayden (96, NT), DeMarcus Lawrence (90, DE), Jack Crawford (58, DT), Davon Coleman (60, DT), 97 Terrell McClain (97, DT), Ken Bishop (66, NT), Randy Gregory (94, DE), 99 Ryan Russell (99, DE), Greg Hardy (76, DE - 4 Spiele Sperre)
      Selten hatten die Cowboys eine so tiefe D-Line wie dieses Jahr, wenn alle Mann an Bord sind, sprich Hardy ab Woche 5 wieder mitmachen darf. Dazu ist eine der Storys der letzten Saison die Entdeckung von Tyrone Crawford als 3-Tech oder UT. Für viele gilt er schon jetzt als der beste Cowboy-Defender überhaupt auf dem Roster. Seine Qualitäten zeichnen sich vor allem gegen den Pass aus, wenn er von innen die Pocket zum Kollabieren bringt. Überhaupt soll dieses Jahr eine neue Qualität diesbezüglich erzielt werden - man plant bei Passing Downs Greg Hardy nach innen zu rücken, um dann mit Crawford, Hardy und den beiden Pass-Rushern Lawrence und Gregory von außen eine besondere Drucksituation auf den QB aufzubauen - ein wenig vergleichbar mit den NY Giants bei ihren Titelgewinnen..

      LB: Kyle Wilber (51, SLB), Anthony Hitchens (59, MLB), Sean Lee (50, WLB), Andrew Gachkar (52), Keith Smith (56, OLB), Damien Wilson (57, OLB), Rolando McClain (55, MLB - 4 Spiele Sperre)
      Nach dem Ausfall von McClain wird zunächst voraussichtlich Anthony Hitchens in die Rolle des Mike-Linebackers schlüpfen. Der wiedergenesene Sean Lee wird derweil auf die Weakside wechseln, um ein wenig aus dem Verkehr in der Mitte herausgehalten zu werden. Vergleichbar ist seine neue Position ein wenig mit der von Derrick Brooks, der in Tampa auch unter Marinelli langjährig ein Top-Spieler und Gamechanger genau von diesem Posten war. Hitchens und auch der neu im Draft verpflichtete LB Wilson sind vor allem mit einem Instinkt für den Ball ausgestattet, obwohl es ihnen etwas an der Schnelligkeit mangelt. Hitchens und Lee sind auch als Linebacker für die Nickel-Packages vorgesehen.

      CB: Brandon Carr (39), Morris Claiborne (24), Tyler Patmon (26), Byron Jones (31), Corey White (23)
      Nach dem Ausfall von Scandrick sind nun alle Augen wieder auf das C&C Backfield gerichtet: Claiborne und Carr sind als klare Starter vorgesehen, vor allem für Claiborne die wohl letzte Möglichkeit sich für eine weitere Fortsetzung seiner NFL-Karriere zu empfehlen, läuft sein Rookie-Vertrag nach der Saison 2015 ja aus. Für die wichtige Position im Slot ist der undrafted Free Agent Tyler Patmon vorgesehen. Patmon hat eine Nase für den Ball und vor allem keinerlei Respekt vor irgendwelchen Namen. Das konnte man u.a. in der Pre-Season beobachten, als er im Camp Dez Bryant durch seine Art zur Weißglut reizte und ein kleine Kabbelei verantworten durfte. Mit Jones und White besitzt man zudem etwas Tiefe, vor allem sollen beide Spieler flexibel einsetzbar sein, was sowohl außen als auch die Posten innen anbelangt. Jones könnte so auch Einsatzzeit als Safety sehen.

      S: Barry Church (42, SS), J.J. Wilcox (27, FS), Jeff Heath (38), Danny McCray (40)
      Church und Wilcox waren bereits im Vorjahr das Safety-Tandem. Beide gehören nicht unbedingt zum Besten was die NFL zu bieten hat, sind aber zumindest als solide einzuschätzen. Wilcox ist manchmal noch zu übereifrig, wobei er bereits im Laufe der letzten Saison durchaus sein Potential zeigen konnte. Allerdings fehlt ihm teilweise der Instinkt für den Ball, was einen guten Free Safety (Stichwort Ed Reed) ein wenig auszeichnet. Heath und McCray sind derweil eher für die Special Teams vorgesehen. Sollte es zu einem Ausfall kommen, rechnet man eher damit, Byron Jones auf eine der beiden Safety Positionen zu setzen.


      SPECIAL TEAMS

      Die entscheidende Änderung bei den Special Teams dieses Jahr ist der Abgang von Dwayne Harris, der nicht nur als Returner immer für Gefahr sorgte, sondern vor allem auch in den Coverages regelmäßig für einen schnellen Tackle gut war und damit ein äußerst wichtiger Bestandteil für gute Feldposition auch für die Defense sorgte. Aus diesem Grund wurde Danny McCray zurückgeholt, zwar als Safety sicher nur bedingt NFL-tauglich, aber für die Special Teams ein ganz wichtiger Mann. Der Special-Teams-Coach bleibt auch dieses Jahr wieder Rich Bisaccia, bereits in seinem 3. Jahr. Und wie auch in den Vorjahren hatte man haarsträubende Fehler in den Pre-Season Spielen. Bis jetzt haben sich diese allerdings nie sonderlich bis in die reguläre Saison hinüber gezogen.

      Die Positionen im Einzelnen

      K: Dan Bailey (5)
      Mit der Regeländerung beim Extrapunkt liegt ein deutlich größerer Fokus auf den Kickern. Und da muss man sich bei den Cowboys kaum Sorgen machen - in dieser Distanz war Dan in den letzten Jahren einfach automatisch und auch aus längerer Distanz war bei ihm ein Fehlschuss eher eine Rarität. Letztes Jahr hatte er zwar gegen Ende der Saison ein kurze Phase, bei dem nicht alles so sicher von Statten ging, wie man das bis jetzt von ihm gewohnt war, aber im Training sah man keine echten Anzeichen zur Besorgnis. Die Automatismen bleiben mit Holder und Long-Snapper intakt.

      P: Chris Jones (6)
      In seinem dritten Jahr ist Jones unumstritten als Punter der Cowboys. Sein Schnitt sind solide 45 Yards pro Punt mit solider Hangtime ohne die eigene Coverage zu überkicken. So gab es auch im Vorjahr keinen Punt-Return TD gegen Dallas.

      LS: L.P. Ladouceur (91)
      Und auch dieser Name ist Cowboys Fan mittlerweile ein Begriff. Seit 2005 snapt er die Bälle für Punts und Kicks und das in gewohnter Uhrwerk-Manier.

      KR/PR: Lucky Whitehead (13)
      Nach dem Abgang von Dwayne Harris war lange Zeit fraglich, wer diesen Posten nun übernehmen wird. Whitehead galt zunächst als Favorit, verursachte allerdings gleich im ersten Pre-Season Spiel einen Muff und musste daher lange um seinen Platz im Roster zittern. So wurden alle möglichen Leute getestet: RB Dunbar oder WR Beasley bekamen zum Beispiel Möglichkeiten sich zu empfehlen. Letztendlich scheint man sich aber doch für den explosiven Whitehead zu entscheiden, zumindest so lange er den Ball auch festhält.



      SPIELPLAN

      2015 haben es die Cowboys neben den gewohnten Rivalen aus Philadelphia, Washington und New Jersey mit der AFC East (hier vor allem das Duell mit Titelverteidiger New England am 5. Spieltag zu nennen) und der im letzten Jahr so enttäuschenden NFC South zu tun. Als Sieger der Division trifft man zudem auf die Seattle Seahawks zu Hause und darf zur Revanche des "Bryant-Catch-No-Catch"-Spieles nach Green Bay. Die Bye-Week gibt es bereits in Woche 6, vielleicht ein wenig zu früh. Das traditionelle Thanksgiving Spiel gibt es dieses Jahr gegen die Carolina Panthers. Vielleicht noch bemerkenswert sind die sehr frühen Spiele in der Saison gegen den vermeintlich größten Konkurrenten Philadelphia: Spiel 1 findet bereits in der zweiten Woche in Philly statt, das Rückspiel ist in Woche 9 zu Hause - da kommen die Eagles aus der Bye-Week zurück. Die besten Voraussetzungen sehen sicherlich anders aus.



      AUSSICHT

      Die Cowboys und ihre Fans haben nach dem Vorjahr Blut geleckt. Der Sieg über den späteren Superbowl Teilnehmer Seattle, die knappe Niederlage in Green Bay als Endstation zeigen auf, dass Dallas nach vielen Jahren im NFL-Mittelmaß den Sprung zurück an die Spitze geschafft hat, oder kurz davor steht. Dennoch wäre es verfrüht Dallas dieses Jahr zu einem echten SuperBowl-Favoriten küren zu wollen, zu eng scheint die NFL-Spitze mit Seattle, Green Bay und sicher auch Philadelphia, dem größten Konkurrent in der eigenen Division. Aufgrund der Sperren von Greg Hardy und Rolando McClain liegt vermehrt ein Fragezeichen auf dem Saisonstart. Hier trifft Dallas auf die Giants und die Falcons zu Hause - beide Spiele scheinen machbar. Auswärts reist man nach Philadelphia und New Orleans - zwei äußerst schwere Spiele. Mit 2-2 wäre man wohl im Soll und kann danach die Titelverteidigung der Division und die erneute Playoff-Teilnahme angehen.

      Bekanntlich ist in Texas alles ein wenig größer - es gäbe wohl kaum etwas Größeres, als eine Teilnahme bei SuperBowl L. Damit dieser Traum in Erfüllung geht, braucht man aber auch das nötige Glück, vor allem was die Verletzungen bei Leistungsträgern in Offense (hier vor allem Romo und Bryant zu nennen), als auch in der Defense anbelangt. Realistisch ist eine Bilanz von 10/11 Siegen aber durchaus.
      - where Chip happens!
    • danke für die tolle Übersicht. Auch wenn ich es nicht gern zugebe, aber die Boys sind für mich einer der Top Kandidaten auf den NFC Titel in diesem Jahr.
      “Every year it’s just one goal: Win the Super Bowl. If you don’t win the Super Bowl it’s not a good year,” - Bruce Arians