• Ich beziehe das jetzt gar nicht explizit auf dich, sondern im Allgemeinen und quer über alle Sportarten.

    Es ist schon auffällig, wie wir dazu tendieren uns selber für schlauer zu halten als handelnde Akteure, die sich ihr halbes Leben professionell mit diesem Sport beschäftigt haben. Oder ihnen zumindest zu attestieren, Schwachköpfe zu sein.

    Lass uns die heutige Etappe mal chronologisch durchgehen:

    1. Red Bull schickt Roglic in eine Fluchtgruppe, unter anderem mit Gall. Kann man machen. Wäre nicht meine erste Wahl gewesen, aber Roglic hat nichts zu verlieren und Lipowitz hat mit Vlasov immerhin Unterstützung. Unterm Strich: Die einzige wirklich sinnvolle Entscheidung des Tages.

    2. Als Pogacar und Vingegaard am Madeleine das Tempo anziehen, versucht Lipowitz mitzugehen, kann aber verständlicherweise nicht folgen. Er fährt den restlichen Anstieg allein. Die Topfahrer kommen mit weniger als 30 Sekunden Rückstand für Lipowitz zur Ausreißergruppe, in der Roglic bleibt.
    In dem Moment hätte es zwei sinnvolle Varianten gegeben:

    • Entweder Lipowitz fällt bewusst zurück in die Gruppe um Onley, um Kräfte zu sparen – schließlich ist Roglic für Platz 3 noch vorne.
    • Oder Roglic lässt sich frühzeitig zurückfallen, um mit Lipowitz gemeinsam den Anschluss herzustellen.

    Was man stattdessen tut? Nichts! Lipowitz fährt eine halbe Stunde allein – erst bergauf, dann bergab – ohne erkennbaren taktischen Gewinn. Zwischenzeitlich liegt er zwar zwei Minuten vor Onley, aber das Hauptziel hätte sein müssen, keine Zeit zu verlieren, nicht planlos mit dem Feuer zu spielen.


    3. Kurz vor dem finalen Anstieg bummelt die Spitzengruppe. Für die praktisch „teamlosen“ Leader ergibt es keinen Sinn, dort Tempo zu machen. Lipowitz holt auf. Glück gehabt, obwohl er dafür viel Substanz gelassen hat.
    Dann beginnt das Rennen neu. Vorne kommt die Attacke und keiner der Klassementfahrer geht mit. Man hätte hier Roglic schicken können, wo vielleicht noch Gall mitgefahren wäre.
    Die Helfer von Visma und UAE sowie die direkten Konkurrenten von Red Bull kommen näher. Alles okay, denn das Ziel ist simpel: Onley im Auge behalten.
    Aber was passiert? Stattdessen lässt man den eigenen Fahrer im weißen Trikot, ohne jede Not, viel zu früh alleine losziehen, obwohl er bereits auf dem Madeleine und in der Abfahrt Kraft gelassen hat. Lipowitz attackiert über 30!!! Kilometer vor dem Ziel. Warum? Hat er noch nicht genug Solo-Kilometer gesammelt?
    Er kommt nicht zur Spitze, fährt stattdessen gegen Campenaerts, Yates, Kuss, Narváez und das allein, ohne Hilfe. Die Gruppe hinter ihm kommt langsam näher und es ist offensichtlich, dass sie ihn wieder einholen wird. Während alle anderen Klassementfahrer kontrolliert und im Windschatten den Berg hochfahren, fährt Lipowitz allein in erneut über eine halbe Stunde den Berg hinauf. Als Teamleitung sieht man zu, wie Lipowitz langsam und unaufhaltsam von den Helferzügen von Pogacar und Vingegaard aufgefressen wird, während die Konkurrenz verhältnismäßig entspannt hinterherrollt. Man opfert seinen eigenen Bestplatzierten auf gut Glück und erleidet eine krachende Bruchlandung.

    Und selbst der mit 4,5 Millionen Euro bezahlte Teamkapitän kann am Ende nicht mal das Hinterrad des wichtigsten Rivalen halten.

    Was soll man sagen? Dieser Tag war ein einziges Desaster und es tat den ganzen Anstieg einfach nur weh dabei zuzusehen und die wahrscheinlich schlechteste taktische Leistung eines Teams bei dieser Tour.

    Einmal editiert, zuletzt von Robbes (25. Juli 2025 um 09:41)

  • Die Etappe morgen wird gekürt. Der Col de la Saises wird ausgelassen, statt 130km nur 95km und ein Kat 1 weniger.

    https://x.com/letour/status/1948480348784132240?s=46

  • Du meinst also es ist schade, dass nicht 8 Fahrer realistische Chancen aufs maillot jaune in Woche 3 der TdF haben? So unterschiedlich kann man das sehen. Ich bin einfach nur froh, dass es nicht wie in vielen langen Phasen des Radsports nur einer ist.

    Nein, aber 3 bis 4 Fahrer und Teams, die zumindest noch drum kämpfen könnten wäre toll bzw zumindest in den ersten 2 Wochen UAE und Visma ein paar Aufgaben stellen. Ernsthaft war da nie etwas, die gesamte Tour wird von den beiden Teams bestimmt, früher waren es wenigstens die Sprinterteams, die zu Beginn Tempo machten bzw die Ausreisser, die auch mal ihre 25 Minuten Vorsprung hatten (für mich unvergessen damals Thomas Voeckler mit dem deutlichen Vorsprung und einigen Tagen in gelb)

  • Schön auch nochmal zusammengefasst

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  • Nein, aber 3 bis 4 Fahrer und Teams, die zumindest noch drum kämpfen könnten wäre toll bzw zumindest in den ersten 2 Wochen UAE und Visma ein paar Aufgaben stellen. Ernsthaft war da nie etwas, die gesamte Tour wird von den beiden Teams bestimmt, früher waren es wenigstens die Sprinterteams, die zu Beginn Tempo machten bzw die Ausreisser, die auch mal ihre 25 Minuten Vorsprung hatten (für mich unvergessen damals Thomas Voeckler mit dem deutlichen Vorsprung und einigen Tagen in gelb)

    Mein Gefuehl kann mich truegen, aber ich glaube dass es fruer deutlich mehr Flachetappen und weniger Hochgebirgsetappen gab. Da waren die Sprinterteams natuerlich aktiver.

    Gruss, Gilbert Brown

    Vamos, vamos Chilenos
    esta noche tenemos que ganar

  • https://x.com/lucasaganronald/status/1948411150065959142

    8 punkte strafe aber ...

    image.png

    Einmal Franzose sein in der TdF ...

    "We had a teenage girl break the Eric Decker signing and now we got a fucker in the shrubs at Florham Park stalking the Saleh interview arrival. Imagine thinking this fanbase isn't superior to the others?" -@DrewfromJersey
    "If Hannibal Lecter ran a 4.3, we'd probably diagnose it as an eating disorder." - Steve Keim

  • Mein Gefuehl kann mich truegen, aber ich glaube dass es fruer deutlich mehr Flachetappen und weniger Hochgebirgsetappen gab. Da waren die Sprinterteams natuerlich aktiver.

    Hochgebirge war ähnlich, aber gerade in der ersten Woche gab es mehr Flachetappen und weniger hügelige Etappen mit Klassikerprofil. Und vor allem haben die GC Fahrer früher nicht auch schon die hügeligen Etappen dominiert. Außerdem gab es an Etappe 1 oft das Prologzeitfahren und dann noch zwei lange Zeitfahren mit teils 50km+.

    Keep Pounding

  • Wird den Sprintern jetzt auch nicht gefallen. Klar, sie sparen sich einen Kat 1 Berg, aber bei 95km ist die Karenzzeit natuerlich auch deutlich kuerzer. Bei der kurzen Etappe und der Rampe nach La Plagne koennte das schon ein Problem werden.

    Gruss, Gilbert Brown

    Vamos, vamos Chilenos
    esta noche tenemos que ganar

  • Bester Kommentar übrigens zu gestern:

    Zitat

    „Ich hab versucht, die RBBH Strategie zu analysieren – hab’s dann als modernes Theaterstück interpretiert. Es trägt den Arbeitstitel ‘Warten auf Windschatten’.“

    :jeck:

  • Visma versucht alles um Pogi auszuschalten

    https://x.com/lucasaganronald/status/1948480445290815992

    Jetzt erklärt sich einiges für mich. Saß der Jonas am Steuer? ☺️

  • Jetzt erklärt sich einiges für mich. Saß der Jonas am Steuer? ☺️

    Glaub ich nicht. Der Wagen war ja allein unterwegs und es war noch recht früh am Tag und bis zu den letzten Kilometern eines Etappentages fährt Jonas ja nicht allein im Wind…

  • Bin auf morgen gespannt. Pogacar sah in der Pressekonferenz nach der Etappe nicht wirklich fit aus. Hoffe mal die Erkältung schlägt nicht zu stark durch….

  • Bin auf morgen gespannt. Pogacar sah in der Pressekonferenz nach der Etappe nicht wirklich fit aus. Hoffe mal die Erkältung schlägt nicht zu stark durch….

    So wie Remco sich mit Covid noch tagelang durch den Giro gekämpft hat glaube ich nicht, dass Pogi jetzt auf diesen chilligen 2 Etappen wegen einer Erkältung komplett einbricht.

    Edit: vor allem wenn er heute noch stärkster Fahrer im Feld war.

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  • Glaub ich nicht. Der Wagen war ja allein unterwegs und es war noch recht früh am Tag und bis zu den letzten Kilometern eines Etappentages fährt Jonas ja nicht allein im Wind…

    Bester und witzigster Kommentar des gesamten Threads! 🤣

  • Im März hieße es, dass Roglic seinen Vertrag bei RBBH verlängern hätte.

    Angesichts der kommenden Verpflichtung von Remco Evenepol frage ich mich was das (personelle) Ziel von RBBH sein soll und wer wem (Roglic, Evenepol, Lipowitz) bei was (wer hilft wem am Berg, bei Etappensiegen, bei Gesamtsiegen) bei großen Rundfahrten, insb der TdF 2026 helfen soll.

    Oder ist so eine Personalplanung üblich, um Sturzverletzungen über die Saison hin anderweitig aufzufangen? :paelzer:

  • Was für ein Wahnsinn war das gestern nur auf Montmartre? Allein dafür muss man den Radsport lieben!

    IMG_1264.jpg

  • Super Schnappschuss! Gibt bestimmt noch weitere… Die Montmartre Idee war ne gute!

  • Super Schnappschuss! Gibt bestimmt noch weitere… Die Montmartre Idee war ne gute!

    Wobei die Wahrscheinlichkeit nicht gering ist das es nicht wiederholt wird. Der Aufwand für die Stadt war enorm. Dazu steht auch noch nicht fest ob die Tour in Paris enden wird in den nächsten Jahren.

  • Im März hieße es, dass Roglic seinen Vertrag bei RBBH verlängern hätte.

    Angesichts der kommenden Verpflichtung von Remco Evenepol frage ich mich was das (personelle) Ziel von RBBH sein soll und wer wem (Roglic, Evenepol, Lipowitz) bei was (wer hilft wem am Berg, bei Etappensiegen, bei Gesamtsiegen) bei großen Rundfahrten, insb der TdF 2026 helfen soll.

    Oder ist so eine Personalplanung üblich, um Sturzverletzungen über die Saison hin anderweitig aufzufangen? :paelzer:

    Einer Giro, einer Tour, einer Vuelta und schon hat jeder seine GT als Kapitän

  • Einer Giro, einer Tour, einer Vuelta und schon hat jeder seine GT als Kapitän

    Auf dem Papier klingt das smart, doch in der Realität braucht jeder Führungsanspruch sein eigenes Trainingsprogramm, Vorbereitungsrennen und Betreuerteam. Wer ordnet sich wann unter? Wenn zwei gleichzeitig an den Start gehen wollen, sind persönliche Konflikte vorprogrammiert und die Unterstützung verwässert sich. Alle haben Egos, aktuell dürfte Lipowitz noch das kleinste haben, aber die von Remco und Roglic würden das wohl kaum verkraften. Das hat man ja schon partiell bei Roglic gesehen. Es wirkte speziell in der letzten Woche immer so, als würde er sein eigenes Ding machen und Remco ist halt Remco. Seitdem der gefühlt 12 ist, ist er „the next big thing“ und so denkt er auch selber.

    Und ganz ehrlich: Das Teammanagement von Bora macht nicht den Eindruck, drei Kapitäne gleichzeitig steuern zu können…

    Ich kenne auch kein Team, dass sich 3 etatmäßige Kapitäne für GTs gönnt. Maximal noch UAE, aber da steht Pogi halt so dermaßen über den anderen, dass diese seinen Status nicht angreifen würden und im Zweifel dann eher wechseln, wie es bspw. wohl Ayuso nun tun wird.

  • Auf dem Papier klingt das smart, ...

    Nicht mal da. Remco hat das internationale Ansehen, dass er gerechtfertigt fordern kann bei der Tour als Kapitän zu starten (und wird sich das vermutlich auch vertraglich sichern) und mit Lipowitz hast du besten nicht ausserirdischen Tour Fahrer 2025 im Team, warum soll der zurückstecken?
    Roglic wäre das kleinere Problem, da er bei der Vuelta mit schlechterer Konkurrenz noch 2-3 Jahre eventuell kompetitiv aussehen könnte.

    GO Irish!

  • Nicht mal da. Remco hat das internationale Ansehen, dass er gerechtfertigt fordern kann bei der Tour als Kapitän zu starten (und wird sich das vermutlich auch vertraglich sichern) und mit Lipowitz hast du besten nicht ausserirdischen Tour Fahrer 2025 im Team, warum soll der zurückstecken?
    Roglic wäre das kleinere Problem, da er bei der Vuelta mit schlechterer Konkurrenz noch 2-3 Jahre eventuell kompetitiv aussehen könnte.

    Du darfst nicht vergessen, dass Remco trotz seines Gesamtsiegs bei der Vuelta 2022 und des dritten Platzes bei der Tour 2024 sein Ansehen als Grand-Tour-Kapitän noch nicht abschließend gerechtfertigt hat. Zwei vorzeitige Ausstiege im Giro (2021 und 2023), fehlende Etappensiege bei der Tour und nur eine einzige Gesamtwertung in einer Grand Tour zeigen, dass ihm über drei Wochen noch die Konstanz fehlt. Solange er in Giro und Tour nicht bewiesen hat, dass er härteste Höhenmeter, widriges Wetter und das mentale Tief einer langen Rundfahrt zuverlässig meistert, bleibt sein Status als unumstrittener Leader fragil – und damit unpassend für ein Team, das drei Kapitäne gleichzeitig managen will.

  • Du darfst nicht vergessen, dass Remco trotz seines Gesamtsiegs bei der Vuelta 2022 und des dritten Platzes bei der Tour 2024 sein Ansehen als Grand-Tour-Kapitän noch nicht abschließend gerechtfertigt hat.

    Sehe ich anders, welcher Tour-Captain kann denn Ähnliches von sich behaupten. Wenns um Sieganwärter geht, bin ich bei dir, aber wenns um GC-Teamcaptain geht, gar nicht.
    Dann dürfte doch niemand einen gerechtfertigten Platz als GT-Captain haben der nicht Pogacar oder Vingegaard heißt, kein Gall, kein Rodriguez, kein Carapaz, kein O'Connor usw.

    Ich denke einfach nicht, dass Remco einen Vertrag unterschreibt, bei dem er beim mit Abstand wichtigsten Rennen der Saison, zuschaut oder sogar Helferdienste macht.

    GO Irish!

  • Sehe ich anders, welcher Tour-Captain kann denn Ähnliches von sich behaupten. Wenns um Sieganwärter geht, bin ich bei dir, aber wenns um GC-Teamcaptain geht, gar nicht.
    Dann dürfte doch niemand einen gerechtfertigten Platz als GT-Captain haben der nicht Pogacar oder Vingegaard heißt, kein Gall, kein Rodriguez, kein Carapaz, kein O'Connor usw.

    Der Vuelta Sieg verdient eine differenzierte Einordnung, gerade im Kontext der Frage, ob Remco als Grand-Tour-Kapitän auf höchstem Niveau gesetzt werden sollte. Die Rennkonstellation spielte ihm nicht unwesentlich in die Karten. Mit dem Ausfall von Roglic fiel sein stärkster Konkurrent weg, was die Dynamik des Rennens (entscheidend) veränderte. Das erlaubte Remco, defensiver zu fahren, Risiken zu minimieren und sich auf die Kontrolle des Rennens zu konzentrieren. Durchgesetzt hat er sich dann final gegen einen Enric Mas und einen blutjungen Juan Ayuso auf den weiteren Plätzen. Zudem bleibt offen, wie sich Remco unter dem ganz besonderen Druck und gegen die besonders starke Konkurrenz bei der Tour de France behaupten würde. Ein nachhaltiger Nachweis ergibt sich da für mich noch nicht. Dazu kommt sein mMn schwieriger Charakter, wobei das auch nicht ungewöhnlich ist, bei dem Druck, der in Belgien auf ihm lastet.

  • Remco hat das internationale Ansehen, dass er gerechtfertigt fordern kann bei der Tour als Kapitän zu starten (und wird sich das vermutlich auch vertraglich sichern)

    Habt ihr eigentlich mal in Betracht gezogen, dass Roglic das vielleicht auch vertraglich festgelegt hat? Wenn man seine Vorgeschichte bei Visma bedenkt, könnte das auch erklären, waum Aldag ihn schlecht als Lippe's Helfer einspannen konnte.

    Und das Antwerpes Interview dürfte nicht dazu beigetragen haben ihn für die Idee zu erwärmen.

    "We had a teenage girl break the Eric Decker signing and now we got a fucker in the shrubs at Florham Park stalking the Saleh interview arrival. Imagine thinking this fanbase isn't superior to the others?" -@DrewfromJersey
    "If Hannibal Lecter ran a 4.3, we'd probably diagnose it as an eating disorder." - Steve Keim