Aktien- / Wirtschaftsthread (2)

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    • Gerne!

      1929 gab es ja die größte Wirtschaftskrise der Geschichte (bislang wohl leider). Hier einige weiterführende Infos zu dem Thema:
      zeit.de/wirtschaft/2020-04/ver…-konjunkturprognose-5vor8

      Es ist unter Historikern unstrittig, dass die Weltwirtschaftskrise einen wichtigen und wahrscheinlich sogar entscheidenden Anteil am Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland hatte. Die gutgemeinte aber letztlich "den Teufel mit dem Beelzebub austreibende"-Politik von Reichskanzler Brüning war aber natürlich nicht alternativlos und ich halte es in jedem Fall für sinnvoll, dass es weitreichende staatliche Konkunkturprogramme geben muss (und ja auch wird). Krisen geben leider immer den radikalen Kräften Auftrieb, man muss aktuell nur nach Italien schauen. Dort wird die Lega Nord immer stärker und dass ist rational nicht so richtig erklärbar. Italien verschuldet sich maßlos und beschwert sich am Ende, dass andere das Risiko nicht übernehmen wollen. Das müsste mal unsereiner bei seiner Hausbank versuchen so ala ich will 1 Mio. Kredit und Ihr als Bank steht allein dafür gerade.

      Ich will da aber gar nicht gegen Italien polemisieren, die Ursachen für die Probleme dort sind vielschichtig und wir Deutschen dürfen nicht vergessen, dass wir vom Euro sehr stark profitieren (als exportabhängige Wirtschaftsnation).

      Aktuell haben wir weltpolitisch ja allgemein das Problem, dass Populisten mit einfachen Botschaften aus Stimmenfang gehen und damit sehr erfolgreich sind. Präsident Trump ist da das schlimmste und extremste Beispiel, es gibt aber auch weitere. Jetzt wird die Situation noch deutlich schwieriger in allen Teilen der Welt, da ist die Gefahr leider riesig dass Politiker mit Hetz- und Hassbotschaften Mehrheiten gewinnen und dass wäre dann eine Parallele zu 1929.

      Deswegen bin ich aktuell einer der Verfechter, dass man der Wirtschaft vieles zwangsläufig unterordnen muss, da die Folgen ansonsten viel schlimmer sind als wenn wir etliche Corona-Tote mehr haben. Das klingt natürlich schlimm und die Wahl gefällt mir auch nicht, aber ich persönlich sehe schlichtweg keine Alternative. Irgendwie durchwurschteln und hoffen dass es nicht so schlimm wird ist für mich eben keine Strategie.
      #sayhisname
    • perdokan schrieb:


      Deswegen bin ich aktuell einer der Verfechter, dass man der Wirtschaft vieles zwangsläufig unterordnen muss, da die Folgen ansonsten viel schlimmer sind als wenn wir etliche Corona-Tote mehr haben.
      Kannst du mal Beispiele machen, was du der Wirtschaft alles unterordnen willst? Das würde mich interessieren.
    • Unterordnen ist vielleicht gar nicht der glücklichste Begriff in diesem Zusammenhang, aber gerne gebe ich ein paar Beispiele für meine Position.
      Grundsätzlich sind natürlich überall die Hygieneregeln zwingend einzuhalten und es ist Abstand voneinander zu halten, ich denke aber dass ist logisch.

      - Wiedereröffnung aller Läden, auch von Läden mit über 800 qm Verkaufsfläche
      - Wiedereröffnung von Gastronomie, allerdings wie oben bereits geschrieben mit deutlichen Hygieneauflagen
      - Wiedereröffnung von KITAS und Kindergärten, aber auch hier möglichst in kleineren Gruppen usw.
      - Wiedereröffnung von Parks, Museen, Zoos usw.
      - Wiedereröffnung von Fitnessstudios

      Wo ich persönlich unentschlossen bin:
      - Tourismus im Allgemeinen, da eine größere Reisetätigkeit sicherlich nicht zielführend ist, da müsste man genau prüfen wie das möglich ist. Man könnte aber größeren Hotels erlauben zumindest ein Drittel Ihrer Zimmer zu vermieten und
      beim Frühstück etc. sollte es bei einem Schichtsystem ja auch machbar sein, dass weitreichend Abstand gewährleistet ist.

      In diesem Zusammenhang sehe ich auch die Staatshilfen für Lufthansa, Condor, Tui und Co. skeptisch. Diese Unternehmen sind aus meiner Sicht aktuell schlicht nicht zu retten, da Ihr Geschäftsmodell wohl für lange Zeit keine Zukunft hat. Es ist aber zu prüfen, dass Pleiten in diesem Bereich nicht systemrelevant werden (Bspw. haben viele Fluggesellschaften Ihre Flugzeuge geleast, gehen diese reihenweise pleite haben die Leasinggesellschaften ein Problem, denn erstens kriegen Sie keine Raten mehr und zweitens sind die Flugzeuge als Sicherheit praktisch nichts mehr wert und wenn dann ganze Banken in Schieflage geraten, dann ist auch keinem geholfen).

      Was ich weiterhin nicht erlauben würde:
      - Großveranstaltungen, so schlimm es für die Betreffenden ist. Es muss dann aber unbedingt weitreichende Hilfen für Messebauer, Veranstaltungstechniker, Schausteller usw. geben denn diese Branche erhält unverschuldet ein Berufsverbot.

      Grundsätzlich würde ich staatliche Hilfen eher an viele kleine Unternehmen als an größere Unternehmen vergeben, da die kleineren aus meiner Wahrnehmung letztlich viel wichtiger für das Gesamtsystem sind. Aber da mag ich mich auch irren und eine Ungleichbehandlung ist auch nicht wirklich fair.
      #sayhisname
    • Das wären Maßnahmen, die in meinen Augen vertretbar wären.

      Und ich sehe Großveranstaltungen genauso kritisch. Diese "Superspreader Events" wie Ischgl, Karneval oder einzelne Fußballspiele haben leider dazu beigetragen, dass wir in Mitteleuropa jetzt in diesem Schlamassel stecken. Es sollte auch diskutiert werden, nach Corona Massenveranstaltungen präventiv abzusagen, falls es auf der Welt irgendwo ein signifikantes Infektionsgeschehen ist. Nicht erst dann, wenn der Mist schon direkt vor der eigenen Nase passiert.
    • Takeshi schrieb:

      Das wären Maßnahmen, die in meinen Augen vertretbar wären.

      Und ich sehe Großveranstaltungen genauso kritisch. Diese "Superspreader Events" wie Ischgl, Karneval oder einzelne Fußballspiele haben leider dazu beigetragen, dass wir in Mitteleuropa jetzt in diesem Schlamassel stecken. Es sollte auch diskutiert werden, nach Corona Massenveranstaltungen präventiv abzusagen, falls es auf der Welt irgendwo ein signifikantes Infektionsgeschehen ist. Nicht erst dann, wenn der Mist schon direkt vor der eigenen Nase passiert.
      Ich kann deinen Wunsch danach verstehen. Aber ich denke du unterschätzt, dass es eigentlich immer irgendwo auf der Welt ein signifkantes Infektionsgeschehen gibt. Das ein Virus sich so fies ausbreitet (hoch ansteckend, lange Inkubationszeit, häufig keine Symptome) ist extrem selten. In dem Moment, wo du das wirklich weißt, ist es meistens schon zu spät.

      Wenn man bei jedem Ausbruch einer potenziell gefährlichen Infektionskrankheit von mehreren Hundert oder Tausend Menschen in Afrika oder Asien alle Großveranstaltungen auf der Welt absagen würdest, dann würde nicht mehr viel stattfinden.
    • perdokan schrieb:

      . Es muss dann aber unbedingt weitreichende Hilfen für Messebauer, Veranstaltungstechniker, Schausteller usw. geben denn diese Branche erhält unverschuldet ein Berufsverbot.
      Ein Luftfahrtunternehmen ist auch unverschuldet in die Krise gekommen ;) und das Geschäftsmodell des Schaustellers ist auf absehbare Zeit genauso "Tot" wie das der Luftfahrt.
      Wenn ich mir aber dann noch mal deinen berechtigten Hinweis bzgl. der Lega in Italien ansehen (und sehe das in den "armen "Ländern Sudeuropas min. 15 % des BIPs durch den Tourismus kommt (indirekt hängen garantiert noch mehr Jobs dran) würde ich auch diese Unternehmen nicht einfach so zu grabe Tragen. Man muss natürlich genau hinsehen. Die Tui war/ist meines Wissens Kerngesund. Die Lufthansa eher nicht.

      Takeshi schrieb:

      nd ich sehe Großveranstaltungen genauso kritisch. Diese "Superspreader Events" wie Ischgl, Karneval oder einzelne Fußballspiele haben leider dazu beigetragen, dass wir in Mitteleuropa jetzt in diesem Schlamassel stecken. Es sollte auch diskutiert werden, nach Corona Massenveranstaltungen präventiv abzusagen, falls es auf der Welt irgendwo ein signifikantes Infektionsgeschehen ist. Nicht erst dann, wenn der Mist schon direkt vor der eigenen Nase passiert.
      Das wird gar nicht nötig sein. Wenn - egal wo auf der Welt- noch mal so etwas passiert, werden alle Staaten die Grenzen zu dem betreffenden Land und den Ländern die das nicht tun (das war ja z.B. der Fehler von Italien Grenze zu China früh dicht, aber nicht zu den Ländern die sie noch offen hatten) ) schneller schliessen als wir Corona sagen können.
      In Deutschland gehen Die Toten Hosen als »Punk«, heute-show als »Humor« und Homöopathie als »Medizin« durch.
      Tobias. B.
    • Mile High 81 schrieb:

      Ein Luftfahrtunternehmen ist auch unverschuldet in die Krise gekommen und das Geschäftsmodell des Schaustellers ist auf absehbare Zeit genauso "Tot" wie das der Luftfahrt.
      Wenn ich mir aber dann noch mal deinen berechtigten Hinweis bzgl. der Lega in Italien ansehen (und sehe das in den "armen "Ländern Sudeuropas min. 15 % des BIPs durch den Tourismus kommt (indirekt hängen garantiert noch mehr Jobs dran) würde ich auch diese Unternehmen nicht einfach so zu grabe Tragen. Man muss natürlich genau hinsehen. Die Tui war/ist meines Wissens Kerngesund. Die Lufthansa eher nicht.
      Du hast mit dem Hinweis natürlich absolut Recht, ich hatte es in meinem unteren Absatz auch selbst ausgeführt, dass meine Ansicht da sicherlich eine Ungleichbehandlung vorsieht. Aktuell sehe ich halt für den Tourismus mit die schlechteste Perspektive. Hoffentlich irre ich mich da.


      Mile High 81 schrieb:

      Das wird gar nicht nötig sein. Wenn - egal wo auf der Welt- noch mal so etwas passiert, werden alle Staaten die Grenzen zu dem betreffenden Land und den Ländern die das nicht tun (das war ja z.B. der Fehler von Italien Grenze zu China früh dicht, aber nicht zu den Ländern die sie noch offen hatten) ) schneller schliessen als wir Corona sagen können.

      Ein Kernfehler des Anfangs war sicherlich, dass die Reisen nach und aus China nicht direkt gekappt worden sind, allerdings wie war das mit dem hinterher und schlauer?
      Sollte es aber in Zukunft irgendwo auf der Welt größere Ausbrüche geben, wird das von Dir beschriebene Szenario sehr schnell Realität werden.

      Nun nochmal zur Lega in Italien und allgemein zur Wirtschaftspolitik. Wir Deutschen mit unserer vergleichsweise moderaten Verschuldung und vor der Krise sehr gut funktionierenden Wirtschaft haben sicherlich gute Voraussetzungen auch nach der Krise wieder schnell zur Normalität zurückzufinden. Wie das aber in den sogenannten PIGS-Staaten klappen soll ist mir schleierhaft. Zwar sind Griechenland und Portugal vom Virus nicht so sehr betroffen, aber die Abhängigkeit vom Tourismus ist auch dort nicht gering und letztlich können sich diese Länder eine Krise noch viel weniger leisten als wir. Auch aus Eigeninteresse sollten wir da solidarisch handeln, es hilft uns allen nicht wenn halb Europa in Armut versinkt. Ich mag Corona-Bonds auch nicht besonders, aber unter diesem Aspekt sollte man da sehr genau drüber nachdenken.
      #sayhisname
    • Neu

      huesla schrieb:

      Findet ihr es interessant jetzt Lufthansa Aktien zu kaufen um auf Sicht auf Gewinne zu hoffen?
      Interessant ja und über kurz oder lang rechne ich mit einer Rückkehr in den DAX. Das ist bereits ein großer Unterschied zu anderen DAX Absteigern. Da zudem andere Fluglinien im Rahmen der Krise Pleite gehen können, könnten sich sogar Chancen für die Fluglinie ergeben.
      Auf der anderen Seite steht natürlich immer noch die Commerzbank als Negativbeispiel für staatliche Beteiligung.

      Überlegt habe ich auch schon, aber bisher nicht gekauft.
      #Social distancing - 2m können Leben retten!
    • Neu

      El_hombre schrieb:

      huesla schrieb:

      Findet ihr es interessant jetzt Lufthansa Aktien zu kaufen um auf Sicht auf Gewinne zu hoffen?
      Interessant ja und über kurz oder lang rechne ich mit einer Rückkehr in den DAX. Das ist bereits ein großer Unterschied zu anderen DAX Absteigern. Da zudem andere Fluglinien im Rahmen der Krise Pleite gehen können, könnten sich sogar Chancen für die Fluglinie ergeben. Auf der anderen Seite steht natürlich immer noch die Commerzbank als Negativbeispiel für staatliche Beteiligung.

      Überlegt habe ich auch schon, aber bisher nicht gekauft.
      Wie sieht denn die Dauer der Beteiligung vom Bund aus? Ist diese auf einen festen Zeitraum begrenzt? Also jetzt schon vertraglich festgelegt?
      ... am Anfang war es nur ein Gedanke...
    • Neu

      huesla schrieb:

      El_hombre schrieb:

      huesla schrieb:

      Findet ihr es interessant jetzt Lufthansa Aktien zu kaufen um auf Sicht auf Gewinne zu hoffen?
      Interessant ja und über kurz oder lang rechne ich mit einer Rückkehr in den DAX. Das ist bereits ein großer Unterschied zu anderen DAX Absteigern. Da zudem andere Fluglinien im Rahmen der Krise Pleite gehen können, könnten sich sogar Chancen für die Fluglinie ergeben. Auf der anderen Seite steht natürlich immer noch die Commerzbank als Negativbeispiel für staatliche Beteiligung.
      Überlegt habe ich auch schon, aber bisher nicht gekauft.
      Wie sieht denn die Dauer der Beteiligung vom Bund aus? Ist diese auf einen festen Zeitraum begrenzt? Also jetzt schon vertraglich festgelegt?
      So genau habe ich das nicht verfolgt, kann es mir aber nicht vorstellen. Könnte ja auch passieren, dass weitere Hilfen notwendig werden.

      Erzwolf schrieb:

      Nicht vergessen, dass auf die Lufthansa und andere Airlines nach Corona noch Klima zu kommt.
      Das ist richtig, wird aber früher oder später alle Airlines treffen. Spannend wird das sicherlich.
      #Social distancing - 2m können Leben retten!
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