Rückblick Saison 2024
Nach einer 2023er Saison, die im Ergebnis sicherlich alle Erwartungen übertraf, galt es in GB, die Weichen für den ganz großen Wurf zu stellen. Die Experten sahen in den Packers einen der großen Favoriten für den nächsten SB, dem nur noch kleine Nuancen zum Erfolg fehlten. So ging man dann ans Werk. Als erstes wurde der Vertrag von DC Barry nicht verlängert, an seine Stelle trat mit dem bis dato HC der Boston Eagles Jeff Hafley ein Kandidat, den wohl nur die wenigsten auf dem Schirm gehabt haben dürften. Es gab also kein GB typisches „weiter so“, sondern einen echten Neuanfang in einer der Problemunits des Teams.
Aufgrund der Cap- und Vertragssituation rückten natürlich Clark und Love in den Fokus. Clark unterschrieb eine 3 Jahre / $64Mio Verlängerung. Bei Love ist das ein anderes Thema. Hier wurde während der Verhandlungen durch das Taktieren so viel Zeit investiert, dass spätestens nach dem Lawrence Deal in JAX der komplette Verhandlungsvorteil bei den Love Vertretern lag. Am Ende unterschrieb der junge QB, mit der Erfahrung einer Spielzeit als Starter, einen Vertrag, der ihn zum bis dato bestbezahltesten Spieler der Liga machte und ihn aufgrund des hohen Anteils an garantiertem Geld bis mindestens inklusive der 2027er Saison ans Team binden dürfte.
Nun galt es noch das Team zu verstärken. Viele Abgänge hinterließen Spuren im Roster. Die größte Lücke entstand auf Safety, welches zu einem Neuaufbau der Unit führen sollte. Mit McKinney verpflichtete das FO direkt den besten FA auf dieser Position. Weitere Verstärkung floss gleich 3fach über den Draft in diese Unit. Ähnlich dünn besetzt war die LB Position, welche mit Walker eigentlich nur noch einen echten Starter hatte. Auch hier wurde das FO im Draft aktiv und spendierte sowohl einen 2nd als auch einen 3rd Round Pick in die Position. Da der zweite 2nd Round Pick (Bullard) auch die Position des Moneybackers spielen kann, wurde die Baustelle hoffentlich geschlossen. Eine andere, viel diskutierte Entscheidung war die Verpflichtung von RB Jacobs und der daraus resultierende Cut von Fanliebling Jones. Ein Move, den kaum einer hat kommen sehen und der zu sehr viel Unverständnis führte.
Eine andere Baustelle fand sich im schon fast ewigen Sorgenkind Special Teams. Nach vielen Jahren Konstanz in der Kicking Unit wusste man als Packers Fan schon fast gar nicht mehr, dass das Kicken von Field Goals und PATs kein Selbstläufer ist. OK, der Leistungsabfall bei Crosby war zuletzt schon sehr deutlich, aber was danach kam, war eine ganze Ecke schlechter. Das galt auch für die gesamte Preseason, was zu einem Cut der beiden Kicker und einer Verpflichtung von Brayden Narveson via Waiver Wire führte. Wirklich besser wurde es dadurch aber nicht, dazu später mehr.
Die Saison konnte also starten und sie begann mit Samba…naja, vielleicht nicht wirklich, aber man spielte das erste NFL Game überhaupt in Sao Paolo. Klingt erstmal verlockend, wenn man dann allerdings die Sicherheitshinweise für die Spieler gesehen hat (kein Ausgang außerhalb der Trainingseinheiten und zum Spiel), hielt sich der Spaß wohl ziemlich in Grenzen. Das galt auch für den Season Opener gegen die Eagles. Das Spiel, welches durchaus gewinnbar gewesen wäre, wurde verloren und Love verletzte sich zudem auch noch. Diese Verletzung zwang ihn, 2 Spiele zu pausieren. Die Abgesänge auf die Packers Saison begannen damit früh, zu früh, wie sich herausstellen sollte. Das FO hatte Ende August, unzufrieden mit der QB Backup Competition zwischen Michael Pratt und Sam Clifford, beide entlassen und stattdessen einen 2025er 7th Round Pick investiert und für QB Malik Willis getraded. Mit einem exzellenten Game Plan durch LaFleur schaffte man es, Willis in den beiden Spielen gegen die Colts und gegen sein früheres Team, die Titans, immer in einer recht guten Komfortzone zu halten und seine Stärken zu nutzen. Herausgekommen sind 2 Siege, die man vor der Saison auf dem Zettel hatte, die mit ihm als Starter nicht unbedingt zu erwarten waren. Ende September kamen bei sonnigen 22°C die Vikings ins Lambeau Field. Es war das erste Spiel der Saison, bei dem mir Zweifel am Label „Superbowl Contender“ (bezogen auf die Packers) aufkamen. Joe Montana Sam Darnold warf für 275 Yards und 3 Touchdowns und das Pack lag zur Halbzeit bereits 28:7 hinten. Love warf zwar für fast 400 Yards und 4 Touchdowns, garnierte diese allerdings auch mit 3 INT. Das am Ende knappe Ergebnis täuscht ein wenig darüber hinweg, dass die Vikings nach dem 3. Viertel gefühlt schon mit der halben Mannschaft im Bus saßen. Nach dieser Enttäuschung folgten 4 Siege (LAR, ARZ, HOU, JAX). Während die ersten beiden recht problemlos eingefahren wurden, entschieden sich die Spiele gegen die AFC South Gegner erst durch ein Game Winning FG. Warum ich das extra anspreche? Das Packers FO entschied sich zwischen den Spielen gegen ARZ und HOU die Reißleine zu ziehen. Man entließ Narveson, der zu dem Zeitpunkt schon 5 missed FGs und einige missed PATs auf der Liste hatte, und holte McManus. Dieser bedankte sich dann für das Vertrauen mit den beiden erwähnten Game Winning FGs. Vor der Bye Week kamen dann noch die Lions nach GB und zeigten deutlich, wer aktuell das Team 2 Beat in der NFC North ist. nach der Bye Week fuhr man entlang des Lake Michigan zum ewigen Rivalen in die Windy City. Eine durchwachsene Performance und ein sehr schlecht verteidigter letzter Drive der Bears führten fast zu der ersten Niederlage im Soldier Field seit 2018. Lediglich das geblockte FG bewahrte die Packers vor der 3. Niederlage im 3. Spiel gegen ein Team aus der NFC North. Mit 2 weiteren Siegen in Folge gegen die 49ers Resterampe und die Dolphins lag man dann bei einem 9:3 Record. Zu erwähnen wäre hier, dass das Spiel Ende November gegen die Meeressäuger aus dem Blue Hair State das erste in der laufenden Spielzeit war, in welchem Love keine INT geworfen hat. Man ging also in den Dezember mit einem 9:3 Record, war damit aber nur 3. In der Division hinter den 11:1 Lions und den 10:2 Vikings, beides Gegner, denen man noch begegnen würde. Um es kurz zu machen: auch wenn diese Spiele letztlich beide knapp verloren wurden, merkte man den Qualitätsunterschied zu den Top Teams der Liga. Doch durch die beiden deutlichen Siege gegen schwache Seahawks und noch viel schwächere Saints hatte man sich schon vor dem letzten Spieltag als 7. Team für die Playoffs qualifiziert. Love, der die ganze Saison angeschlagen gespielt hat, wurde im Spiel gegen Da Bears geschont. Willis kam zu seinem 4 Saisoneinsatz, konnte aber an der schmerzlichen Niederlage nichts ändern. Wie schon im ersten Aufeinandertreffen war die Defense nicht in der Lage, den letzten Drive der Teddies zu stoppen und so verlor man richtigerweise durch ein FG.
Als #7 Seed reisten die Packers dann ins Lincoln Financial Field an die Ostküste zum besten Team ohne Bye Week in der NFC, den Eagles. Und der erste Gegner der 2024er Saison sollte auch gleichzeitig der letzte Gegner werden. In einem uninspirierten Playoff Game seitens des Pack ließ man sich von den Eagles vorführen. Love mit 3 INT, ein dezimiertes WR Corp, eine angeschlagene OLine und eine Defense, die kein Mittel gegen Barkley fand und keinen Druck auf Hurts ausüben konnte – das alles im Paket an einem Spieltag war einfach zu schlecht für einen überlegenen Gegner. Eine Saison mit Hoffnung auf eine Steigerung zum Vorjahr fand also in den PO ein schnelles Ende.
Ergebnisse Saison 2024
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Statistiken
Wie immer nur die wichtigsten:
Offense
6. In Points per Game (27.1) / 5. In Yards per Game (370,8)
Man erzielte im Schnitt 4,5 (!) Punkte/Spiel und 25 Yards/Spiel mehr als noch in der Saison 2023
Defense
6. In Points per Game (19.9) / 6. In Yards per Game (315.6)
Die Zahlen sind besser als in 2023 (1 PPG und ca. 20 YPG weniger), was sich auch in der Top 6 Platzierung der Defense widerspiegelt
Give/Take Difference
3. Mit +12 !!!
- Die wohl deutlichste Verbesserung und wenn man dann noch die hohe Anzahl an Interceptions bedenkt, erscheint die Zahl in einem noch besseren Licht.
Fazit
Die hoch gesteckten Ziele konnten in der Saison 2024 bei weitem nicht erreicht werden. Klar ist es Jammern auf hohem Niveau, wenn man einen 10-6 Record hat und erneut in die Playoffs einziehen konnte. Aber wie schrieb einer der Packers Beat Writer nach dem Aus in der Wild Card Runde? Green Bay ist nicht als Playoff Town, sondern als Title Town bekannt. Und von einer Superbowl Teilnahme war man nun mal deutlich entfernter als noch ein Jahr zuvor.
Das Positive zuerst: die Defense unter dem neuen DC Hafley war spürbar besser und die Zahlen belegen das auch. Die Offense konnte mehr Yards und mehr Punkte pro Spiel erzielen als noch im Jahr zuvor. Die Bewertung der Special Teams fiel etwas schlechter aus als in 2023, trotzdem würde ich die Leistung als solide einordnen (der TD nach dem Fake mal außen vor)
Das Negative: einen 6-0 Record gegen die Top Teams der NFC ist/war ernüchternd. Und wenn nicht eine glückliche Fingerspitze gewesen wäre, hätte man auch in der Division 0-6 gestanden. Die Gründe sind vielfältig und greifen auch ineinander über. Natürlich muss man in dem Zuge Kritik an Love üben. Seine Leistungskurve aus den letzten Spielen der 2023er Saison konnte er nicht beibehalten. Zu seiner Verteidigung muss man natürlich auch sagen, dass ihn Verletzungen plagten. Es nutzt aber nichts, immer Entschuldigungen zu suchen, denn nur kritisches Nachfragen kann Änderungen bewirken. Diese kritischen Nachfragen müssen sich auch die WR gefallen lassen, welche manchmal unfassbare Drops produzierten. Ohne diese, hätten die Love Stats auch besser ausgesehen, was aber nichts an der Kritik an dem erhofften, aber fehlenden großen Entwicklungsschritt ändert. Und auch die Defense kommt in dieser Kategorie vor. Da kam einfach zu wenig Druck aus der hoch gedrafteten Front-4. Und bei allen Position Groups sind selbstverständlich auch die jeweiligen Coaches in der Kritik eingeschlossen.
Kurzum: gefühlt ist die Lücke zu den Top Teams in 2024 eher größer als kleiner geworden.