Lieber Gott,
kennst du mich noch? Ich bin’s…Madness.
So manchen Lesern, mögen diese Zeilen befremdlich vorkommen, oh Herr. Ja, wir hatten eine kleine Weile ausgesetzt. 10 Jahre, um genau zu sein. Glaub’s mir, ich habe meine persönliche Bibel (=Forumssuche) dazu bemüht. Es waren 10 Jahre. 10 Jahre, das ist nichts, hat uns in der Schule mein Geographielehrer gesagt. „10 Jahre. Ein Fliegensch…“. Nein, so tief sinken wir nicht. Zu – Entschuldigung – anderen unbewiesenen Mächten zu beten, ist auf der Zivilisationsleiter schon tief genug. Belassen wir es einfach dabei.
Du verstehst mich, lieber Gott. Und wer Brudermorde, Kindesmisshandlungen und Massenmorde vergeben kann, der kann auch 10 Jahre rhetorische Pause locker wegstecken. Tun wir so, als wir nichts gewesen. Schwamm drüber, großer Vater im Himmel. In deinem großen Playbook steht: „Ich bin dir zu nichts verpflichtet. Und trotzdem vergebe ich deine Schuld und denke nicht mehr an deine Verfehlungen – weil ich es so will!” (Jesaja 43,25). Das löse ich dann mal ein.
Aber ich schweife ab. Der Sinn und Zweck dieses Gebets, oh Herr, war neben deinem göttlichen Beistand natürlich - eigentlich schon immer, nur eines. Das, um was es jede Woche geht:
Wir versuchen, die Weltherrschaft an uns zu reißen!
Schon wieder übertrieben, okay. Sinn ist es natürlich, dich über die Eagles am Laufenden zu halten. Es ging immer nur darum. Da den Überblick zu behalten, lieber Gott, das ist echt kein Zuckerschlecken für dich, ich weiß. Ich hab mich da auch lange schwer getan. Zu groß sind die Ablenkungen, zu groß die Verpflichtungen. Wie findet man Zeit, sein Lieblingsteam zu verfolgen? Wie, sich um das zu kümmern, was im Leben wichtig ist? Im Brief an die Galater heißt es: „Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann“. Let’s go also.
Da sind wir also, lieber Gott. Kurzes Update. Seit 2016 haben die Eagles zwei Superbowls gewonnen. Ja, es stimmt. Beim ersten musste ich mich am Tag drauf noch überzeugen, dass es echt passiert ist. "Big Dick" Nick Foles gegen die Patriots, du hättest es geliebt. Beim zweiten Mal gegen die Chiefs wars dann so klar, dass es keine Überzeugung mehr brauchte. Wir haben viel aufzuholen, oh Herr. Aber um Aufholen hast du noch die ganze Off-Season. du sagst bestimmt: "Was geht ab im Jahr 2026, yo?" Nun; Es wird Dich, oh Herr, freuen zu hören, dass die Eagles aktuell 2:0 stehen. Washington und Tennessee haben sie besiegt. Wir versuchen, das mal realistisch einzuordnen. Nach zwei Erstkommunionen und Firmungen meiner beiden Kinder weiß ich: Dein Verein tut such mit sowas schwer. Aber versuchen kann man es ja. Vergleichbar ist diese Bilanz wohl mit der Bekehrung von Inselvölkern zum Christentum: Man muss schon was investieren, aber wenn man seinen Stiefel durchzieht, dann kriegt man das schon hin. Keine allzu große Leistung. Am Ende hat man dann ein paar Wins auf dem Konto und fragt sich, ob das jetzt der Erfolg ist, den man wollte.
Um ganz ehrlich zu sein, Herr: Ich weiß es auch nicht. Der echte Test wäre kommende Woche am Soldier Field gewesen. Doch leider – leider, leider, leider – wurde Caleb Williams‘ Oberschenkel kurz davor vom Blitz getroffen. Bei Jayden Daniels warst du eine Woche zu spät, aber "Aua mein Bein"-Williams war Marke Captain Obvious. Komm schon, lieber Gott, wir wollen es doch beide. Zwei knappe Siege, QB des Gegners verletzt, Bears Offense auf einmal kaputt, Monday Night Football: Das 3:0, es klopft an der Kirchentür. Lass es rein, oh Herr, lass es einfach rein. Vielleicht kann ich Dich dann weiter mit Eagles-News piesacken.
Bis dahin.
Sei Geh- Ertz-t! Nein. Sei Ge-Hurt-st!
Amen
