Beiträge von Chief

    Der Streit zwischen Hill und Keeta Vaccaro ist offenbar gerade in den Schlagzeilen, weil der Zivilprozess aktuell stattfindet. Anders als bei uns üblich soll der Prozess wohl an einem Stück innerhalb von 10 Tagen - also bis Ende nächster Woche - abgeschlossen sein. Im amerikanischen Zivilprozess können auch die Parteien selbst als eine Art "Zeuge" in eigener Sache vernommen werden. Anfang der Woche war wohl Vaccaro dran und hatte ihm u. a. vorgeworfen, er habe ihr während der Schwangerschaft in den Bauch geschlagen oder - da unterscheiden sich die Pressedarstellungen - dies jedenfalls versucht, ihr in die Brüste gekniffen, ihr an den Haaren gezogen, ihr einen brennenden Joint ins Gesicht gehalten oder sie am Straßenrand zurückgelassen.

    Gestern war offenbar Hill an der Reihe und hat diese Vorwürfe weitgehend in Abrede gestellt.

    Er hat allerdings eingeräumt,

    • sie (in einer Wohnung in Florida) einmal gegen die Wand geschubst/geschleudert/gedrückt - auch hier sind die Pressemeldungen uneinheitlich - zu haben. Hintergrund sei gewesen, dass er - nach meinem Verständnis bereits während der Trennungsphase - seine Kleidung habe holen wollen und sie sich trotz seines wiederholten Widerspruchs minutenlang von hinten an ihn herangedrängt habe. Gleichwohl hätten sie anschließend noch Geschlechtsverkehr gehabt. Ihm sei die vorherige Aktion vor den Augen der Tochter dennoch peinlich gewesen und er habe sich im unmittelbaren Anschluss zur Scheidung entschlossen.
    • ihr gedroht zu haben, was er (sinngemäß) bedauere,
    • er gelegentlich während der Ehe mit anderen Frauen geflirtet habe.

    Zudem gibt es eine - dokumentierte - Schimpftirade von ihm gegenüber ihr und ihrer Mutter, für die er sich entschuldigt hat.

    Weiter hat er angegeben, die Ehe sei von zahlreichen Streitigkeiten geprägt gewesen. Diese hätten sich vor allem bezogen auf

    • ihre Weigerung, nach der Spontanhochzeit einem Ehevertrag zuzustimmen (das war über die gesamte Zeit der Ehe wohl der Hauptstreitpunkt),
    • den Umstand, dass sie monatlich 60.000-100.000 USD von einem Konto gestohlen habe, obwohl sie bereits monatlich 15.000 USD von ihm bekam,
    • ihre Forderung, dass seine Familie vom (weitläufigen) Anwesen in Broward County verschwinde,
    • er ihr nach brandbedingtem Umzug (s. u.) in den "Porsche Design Tower" in Miami vorgeschlagen habe, ihre Mutter vorübergehend zur Unterstützung während der Schwangerschaft einziehen zu lassen, was dann aber dazu geführt habe, dass die Mutter dauerhaft ("zwei Jahre") dort geblieben sei,
    • seine gelegentlichen Flirts mit anderen Frauen
    • den Umstand, dass sie, wenn er Gespräche mit den Müttern seiner anderen Kinder führte, jeweils fortgesetzte intime Kontakte vermutete/vorwarf

    Zudem hat er ihr vorgeworfen, "indirekt" - was immer das heißen mag - für einen Brand verantwortlich zu sein, durch den das Haus in Broward County völlig zerstört wurde.

    Seine Vernehmung soll heute fortgesetzt werden.

    Tyreek Hill denies most abuse claims but admits to shoving wife into wall in explosive testimony | OutKick

    Eigentlich hatte Drew Rosenhaus - Hills Agent - Anfang der Woche gesagt, Hill werde in den nächsten Tagen einen Vertrag unterschreiben. Dazu ist es bislang nicht gekommen. Ich weiß nicht genau, wie schnell ein derartiger US-Zivilprozess abläuft, aber wenn tatsächlich bis Ende nächster Woche auch mit einer Entscheidung (oder einer Einigung) zu rechnen wäre, dann könnte ich mir gut vorstellen, dass man bis dahin abwartet.

    Möglicherweise stehen die interessierten Teams - insbesondere die Chiefs - auch mit der NFL in Kontakt. Denn solange Hill nicht unter Vertrag steht, kann die NFL auch keine Sanktionen verhängen. Wenn er aber irgendwo unterschreibt, wäre es theoretisch denkbar, dass er auf die Commissioner's Exempt List käme. Das würde man sicherlich gerne vorab klären. Denn dann dürfte er zwar an Meetings teilnehmen, individuelle Workouts durchführen oder sich medizinisch behandeln lassen, aber nicht am Mannschaftstraining teilnehmen oder spielen. Währenddessen bekäme er sein volles Gehalt. Die Zeit auf der Liste würde allerdings auf eine eventuelle Strafe angerechnet.

    Ich habe mich ja für eine Verpflichtung von Hill ausgesprochen. Er wird aktuell aber wieder durch eine seiner Ex-Frauen beschuldigt, sie während einer (der unzähligen Schwangerschaften) in den Bauch geboxt haben zu wollen.

    Daraufhin hat er nun ein Video gepostet:

    https://www.reddit.com/r/OffCourtNews/s/c4jd4FINiS


    Ganz ehrlich: Er lernt es nicht mehr. Und bevor wir uns hier einen solchen Charakter nochmal holen, selbst wenn Reid grundsätzlich mit solchen Typen kann, sollten wir lieber nach Alternativen Ausschau halten.

    Die Beschuldigungen sind m. E. nicht neu, sondern mindestens seit vielen Monaten - wenn nicht Jahren - vorhanden. Hill bestreitet die Vorwürfe und macht seinerseits geltend, das sei lediglich der Versuch, von ihm viel Geld zu erpressen. Das ist wohl auch der Sinngehalt des Videos. [Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass er sich dieses Video besser verkniffen hätte, denn beliebter macht er sich damit nicht.]

    Bei den Chiefs und den wichtigen Spielern, die schon lange dabei sind (z. B. Kelce, Jones, Mahomes) ist Hill wohl sehr beliebt und sie sollen sich für seine Verpflichtung ausgesprochen haben. Ich glaube nicht, dass Hill im sportlichen Bereich irgendwie ein Problemfall ist und man besonders mit ihm umgehen müsste.

    Aber das Risiko einer Sperre bleibt natürlich. Das galt schon in seiner ersten Zeit bei den Chiefs und ebenso in seiner Zeit bei den Dolphins. Ich vermute mal, dass man darauf bei der Vertragsgestaltung Rücksicht nehmen würde, so dass man nicht oder nur teilweise das finanzielle Risiko trägt. Aber das sportliche Risiko eines plötzlichen Ausfalls wegen einer Sperre bleibt. Andererseits war er in seiner NFL-Zeit jedenfalls bislang nach meiner Erinnerung nie gesperrt.

    Letztlich muss man Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Insbesondere stellt sich die Frage, welche realen (und nicht nur spekulierten) Alternativen den Chiefs zur Verfügung stehen.


    Nachtrag:

    Tyreek Hill scheint übrigens kein Kind von Traurigkeit zu sein. Er hat drei gemeinsame Kinder (Zev [*2014] sowie die Zwillinge Nakeem und Nyla [* 2019]) mit seiner Ex-Verlobten Crystal Espinal, ein Kind (Capri, *2024) mit seiner Ex-Ehefrau Keeta Vaccaro (das ist die angesprochene Klägerin) sowie je ein Kind mit Brittany Lackner (Soul Corazon, *2023), Camille Valmon (Tyreek D'Shaun Hill Jr., * 2023), Kimberly Kaylee Baker (Trae Love, *2023) und Kymsley Jackson (Tyreek Hill Jr., *2019).

    Allerdings wird in US-Medien über insgesamt 11 bis 13 Kinder spekuliert. Allein im Jahr 2024 sollen angeblich fünf Hill-Kinder von fünf verschiedenen Frauen - darunter das bereits erwähnte von Ex-Ehefrau Keeta Vaccaro - geboren worden sein. Da laufen aber wohl noch gerichtliche Vaterschaftsverfahren.

    Immerhin hat Hill die Chance auf eine ungewöhnliche Bestmarke: "Rekordhalter" der NFL in Sachen Kindern sollen die bereits im Football-Ruhestand befindlichen CB Antonio Cromartie (14 Kinder mit 8 Frauen), RB Shaun Alexaner (14 Kinder mit seiner Ehefrau) und RB Travis Henry (11 Kinder mit 10 Frauen) sein. Bislang hatte ich eigentlich angenommen, dass QB Philip Rivers (10 Kinder mit seiner Ehefrau) ganz außergewöhnlich sei. Hier scheint Hill unter den aktiven Spielern der "aktivste" zu sein und gute Aussichten haben, das All-Time-High zu knacken.

    Bei einem derart "aktiven Liebesleben" könnten die hübschen Scheinchen schnell wieder weg sein - und mehr als das. Antonio Cromartie musste auf dem Höhepunkt seiner Karriere geschätzte 336.000-400.000 USD jährlich an Unterhalt zahlen und geriet 2010 so stark in Verzug, dass ihn nur ein Gehaltsvorschuss der Jets vor der Haft rettete. Die Unterhaltsverpflichtungen von Travis Henry beliefen sich auf schätzungsweise 170.000 USD jährlich. Da er auch sonst nicht viel von Sparsamkeit hielt, landete er wegen Unterhaltsschulden im Gefängnis, wurde dann Drogenhändler und wegen Kokainschmuggels zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. WR Terrell Owens hatte zwar "nur" vier Kinder mit vier Frauen, musste aber als Top-Verdiener phasenweise über eine halbe Mio. USD jährlich zahlen. Er hat angegeben, dass die Unterhaltszahlungen fast seine gesamten Karriere-Einnahmen aufgezehrt hätten.

    Hill geht wohl grundsätzlich professioneller mit seinem Geld um (u. a. Verwaltung durch ein Family Office), hatte aber u. a. keinen Ehevertrag, weswegen ihn die Scheidung von Keeta Vaccaro trotz der relativ kurzen Ehezeit ohnehin sehr teuer zu stehen kam (Scheidungsvergleich aus August 2025).

    Vaccaro scheint übrigens auch nicht die Seriöseste von allen zu sein. So wurde erst kürzlich eine von ihr beantragte Erhöhung des Unterhalts (auf 38.000 USD monatlich) abgelehnt, nachdem herauskam, dass sie einen Teil des von Hill gezahlten Geldes für Luxusgüter wie einen Bentley verwendet hatte. Vorher hatte sie schon versucht, dauerhaften Zugriff auf Hills persönliche Debitkarte und Bankkonten zu erstreiten, und hatte unbefugt auf Hills Geld zugegriffen, um es für sich auszugeben.

    Für Thornton ist es wirklich sehr schade - für ihn lief es bislang eigentlich sehr ordentlich, und das Spiel gegen die Raiders war wohl sein bestes. Bei optimalem Verlauf (12 Wochen) wäre er quasi zum Jahreswechsel wieder einsatzbereit.

    Ich bin einigermaßen optimistisch, dass Rice schon bald wieder eingesetzt werden kann. Die Lage der Bye-Week ist dafür nun ideal. Aber leider steht zu befürchten, dass auch im weiteren Saisonverlauf Verletzungen hinzukommen können.

    EndZone Mir erscheinen Deine Ausführungen sehr plausibel. Auf Hill hoffe ich ohnehin schon lange, unabhängig von irgendwelchen Verletzungen. Allerdings wird er wohl nicht ganz kurzfristig einsatzfähig sein. Ansonsten rechne ich mit Armstrong als "next man up" nach dem Ausfall von Thornton. Einen Trade würde ich nicht ausschließen, aber da müssten sich schon günstige Umstände ergeben, denn die Chiefs werden wohl keinen höheren Draftpick hergeben und haben nur sehr eingeschränkt Cap Space. Standardkandidaten sind natürlich immer "alte Bekannte", weil sie das System kennen, aber andererseits hat man sich nicht grundlos von Watson, Hardman und Smith-Schuster getrennt. Zumindest letzterer ist auch ein völlig anderer Spielertyp als Thornton.

    Leider hat es Chenal doch ziemlich böse erwischt, ein Halswirbel war gebrochen und er wurde bereits heute operiert. Die Saison ist damit leider schon nach drei Spielen für ihn vorbei :marge. Ein herber Verlust für das Team, der Neuzugang von den Chiefs war in ausgezeichneter Form.

    Sportlich ist das natürlich ein herber Verlust. Persönlich ist es immerhin gut, dass es so aussieht, als könne er gesundheitlich vollständig wiederhergestellt werden. Bei einem Halswirbelbruch kann man sich ja auch noch deutlich Schlimmeres vorstellen.

    Die Zahlen aus dem ersten Spiel sollte man bei Walker nicht zum Vergleich heranziehen. Die Broncos haben da einfach unterirdisch schlecht getackelt.

    Mit der Offense kann man bislang insgesamt zufrieden sein. Man hatte in allen drei Spielen wieder so etwas wie ernstzunehmendes Laufspiel, wenn auch gegen die Dolphins am wenigsten davon. Seit dem zweiten Spiel funktioniert im Prinzip auch der Passangriff. Wie erwartet sind weder auf OT noch auf WR die großen Helden zu finden, aber gerade auch auf diesen relativen Schwachpunkten hält man sich halbwegs ordentlich. TE Kelce wirkt fast schon jugendlich fit. Im Moment besagen die Gerüchte, dass wohl Kahlil Benson auf RT eingesetzt würde, wenn LT Josh Simmons wieder zurück kommt. Damit rechne ich aber erst nach der bye-week, auch wenn es heißt, dass er im äußersten Notfall bereits in Miami hätte spielen können.

    Die Defense überzeugt mich bislang noch nicht so richtig, auch wenn man in der zweiten Hälfte keine Punkte mehr zugelassen hat. Gerade von der D-Line hätte ich mir mehr erwartet. Gegen die Dolphins waren es gerade einmal 3 Pressures und zum zweiten Mal in Folge kein Sack. Von den gefürchteten Blitz-Packages ist auch noch nicht so viel zu sehen. Aber gut, gerade in den ersten beiden Wochen hat man auch gegen starke O-Lines gespielt. Vielleicht hält sich Spags auch noch etwas zurück mit allzu komplexen Manövern, weil man viele neue und/oder junge Spieler im Kader hat. Auch S Chamarri Conner war zum dritten Mal in Folge nicht dabei. Generell bin ich aber mit den CBs zufrieden. Delane und Williams sehen uneingeschränkt gut aus. Das gilt für Sneed zwar nicht uneingeschränkt, aber von einem Schwachpunkt ist er weit entfernt. Auch von den Backups hat bislang keiner enttäuscht. Eher wirkt S Alohi Gilman noch nicht ganz so überzeugend.

    Positiv ist in jedem Fall, dass schwere Verletzungen bislang ausgeblieben sind. Möge es so bleiben.

    LB Leo Chenal, der vor der Saison zu den Commanders gewechselt war, hat sich im Spiel gegen die Seahawks eine schwere Nackenverletzung (Bruch im Bereich Nacken/Halswirbel) zugezogen. Er ist out for the season. Glück im Unglück: Er hatte wohl durchgängig Gefühl in allen Extremitäten und die Ärzte gehen davon aus, dass man ihn wieder hinbekommt.

    Das erinnert mich an einen besorgten Aktionär (Joe Rosenfield), der im Rahmen des 1987er annual meeting von Berkshire Hathaway sich über das Saalmikrofon an den damals 56-jährigen CEO Warren Buffett wandte und meinte:

    "Mr. Buffett, I have all my net worth in Berkshire. I simply can't afford for you to die."

    woraufhin Buffett schlagfertig antwortete

    "I understand how you feel. I can't afford to die either. I've got 99 % of my net worth in Berkshire, and it would be a huge financial disaster for me personally."

    Ich hoffe, dass sich Mahomes etwas zurückhält, aber letztlich ist es seine Art zu spielen und seine Gesundheit. Zu dem Zeitpunkt stand es noch 0:0.

    Zum Spiel gegen Denver wurde alles Wichtige schon geschrieben.

    Es war an sich und vor allem in der Höhe ein überraschender Sieg gegen den am stärksten eingeschätzten Divisionsrivalen. Aber ansonsten ist es auch nur ein Sieg, und das in der sportlich am wenigsten aussagekräftigen Woche 1.

    Das Laufspiel hatte ich zwar deutlich verbessert erwartet, aber so großartig hätte ich es mir nicht erträumt. Allerdings kann man nicht erwarten, dass es so weiter geht, denn die Broncos haben wirklich unterirdisch schlecht getackelt.

    Auch die Defense war stärker als zu Saisonbeginn erwartet. Mir fällt seit Jahren auf, dass die Gegner häufig 1-2 gute Drives zu Beginn haben, es aber Spagnuolo dann gelingt, seine Unit besser auf den Gegner einzustellen. Die konkrete Leistung der Defense ist um so überraschender, als CB Delane nach seiner Interception schon frühzeitig ausgefallen ist. Immerhin sieht es danach aus, dass er schon am Sonntag wieder mit dabei sein könnte. Schlechter lief es für den ebenfalls verletzten LB McDonald, der erst einmal auf IR gelandet ist. Damit könnte er frühestens nach der Bye-Week zurückkehren. An seiner Stelle wurde FB Ben VanSumeren in den Kader aufgenommen.

    Nicht gut war das Passspiel. Wenn man die beiden fast schon geschenkten Plays auf TE Kelce und WR Rice einmal herausnehmen, war da nicht viel zu sehen. Mahomes hat bereits einen Großteil der Schuld auf sich genommen. In der Tat hätte es manchmal deutlich bessere Anspielstationen gegeben. Aber es sah auch so aus, dass er nach dem Gameplan sehr früh werfen sollte, um die beiden OTs zu entlasten.

    Zum Thema Draft und Erfolg:

    Ich kann die Einschätzung von Air-Raid, wonach Draft-Picks immer Teamarbeit sind und insbesondere ein Headcoach mit einem Standing wie Andy Reid sicher einen maßgeblichen Einfluss hat, nur unterstreichen. Das mag bei jungen Headcoaches oder extrem starken GM anders (gewesen) sein. Aber ich möchte wetten, dass Veach ohne das Einverständnis von Reid schon gar nicht GM geworden wäre.

    Auch inhaltlich möchte ich die qualitative Einschätzung von Air-Raidüber die recht guten Drafts der Chiefs ein wenig quantitativ-statistisch untermauern:

    Der Zusammenhang zwischen Draftposition und Erfolg ist sehr schwer zu greifen, schon weil "Erfolg" schwer zu definieren und noch schwerer quantitativ zu messen ist.

    In der Sportanalytik wird wohl derzeit hauptsächlich der Weighted Career Approximate Value (wAV) von Pro-Football-Reference verwendet. Dort erhält ein Team in Offense und Defense einen Punkte-Pool basierend auf den erzielten bzw. zugelassenen Punkten. Diese Punkte werden dann nach einem festen Schlüssel auf die einzelnen Positionsgruppen verteilt. Innerhalb der Positionsgruppen kommt es dann auf individuelle Kennzahlen an. Das System ist weit weg von Perfektion. So werden z. B. Cornerbacks, die so gut covern, dass kein QB in ihre Richtung wirft, systematisch unterbewertet. Aber es ist zumindest ein Ansatz.

    Nach diesem System erzielt ein solider Backup in einer Saison typischerweise ca. 5 AV, ein durchschnittlicher Starter 7-10 AV und ein dominanter MVP auch mal 18-21 Punkte. Bezogen auf die Karriere gewichtet man die beste Saison mit 100 %, die zweitbeste mit 95 %, die drittbeste mit 90 % usw.

    Den Karriere-Bestwert hält Tom Brady mit einem wAV von 182. Ein solider Backup, der 10 Jahre lang konstant einen AV von 5 erzielt, kommt etwa auf einen wAV von 38.

    Wenn man mit diesen Werten arbeitet, dann kann man ungefähr folgenden durchschnittlichen Zusammenhang herstellen:

    DraftpositionKarriere-Erfolg (mAV)Chance primärer Starter*Karrieredauer
    Runde 1, Top 1038,575 %7,2 J
    Runde 1, Rest26,155 %5,8 J
    Runde 216,538 %4,8 J
    Runde 311,228 %4,1 J
    Runde 4-56,412 %3,3 J
    Runde 6-72,84 %2,1

    * primärer Starter ist ein Spieler, der in mindestens einer Saison die meisten Starts auf seiner Position im Team hatte. [In Sonderfällen - etwa bei vielen Verletzungen - kann es passieren, dass auf einer Position jeder Spieler so wenige Starts hat, dass für diese Position kein primärer Starter vergeben wird. Dieser wird dann einer anderen Positionsgruppe zugeschlagen, d. h. jedes Team hat in jedem Jahr exakt 11 primäre Starter in Offense und Defense.]

    Statistisch ergibt sich daraus insbesondere, dass ab der vierten Runde (ca. ab Pick 120) die Bedeutung der Höhe des Picks sehr stark abnimmt.

    Dabei unterscheiden sich die Positionsgruppen noch nach ihrer "Hit-Rate". In dieser Statistik gilt ein Spieler als "Hit", wenn er innerhalb seiner ersten vier Jahre über 2/3 der Snaps eines typischen NFL-Starters absolviert. In der ersten Runden liegt die Hit-Rate zwischen gut 70 % bei TE, OL und S über um die 60 % bei QB, RB und LB und um die 55 % bei WR und DT bis hin zu rund 50 % bei CB oder EDGE. Am zweiten Tag (Runden 2 und 3) ist die Erfolgsquote bei O-Linern mit knapp 50 % noch relativ stabil. Auch RBs bekommt man noch relativ gut. Dagegen stürzen QBs beispielsweise statistisch auf 13 % ab. Das beruht natürlich wiederum auch auf den Positionswerten, denn fast immer riskiert man auf jeden halbwegs erfolgversprechenden QB einen Erstrundenpick.

    Die Karriere-Werte kann man natürlich erst am Ende der Karriere ermitteln. Daher konzentriere ich mich einmal auf die Chance als primärer Starter. Wenn man für ein Team außerhalb der Top 10 - und das waren die Chiefs fast immer - einmal die Prozentpunkte für je einen Pick in jeder Runde addiert, so kommt man auf 153 %, also auf rund 1,5 Spieler, die in mindestens einer Saison primärer Starter auf ihrer Position sind. Mal ehrlich: Würden wir "eine Saison überwiegend als Starter" für einen Erstrundenpick als Erfolg verbuchen? Wohl kaum!

    Brett Veach ist seit Sommer 2017 der GM der Chiefs. Primäre Starter wurden bislang

    Draft 2018: Drittrundenpick DT Derrick Nnadi (5 Jahre)

    Draft 2019: Zweitrundenpick S Juan Thornhill (4 Jahre); DT Khalen Saunders hat es einmal (2022 mit 8 Starts) knapp verpasst.

    Draft 2020: Erstrundenpick RB Clyde Edwards-Helaire (2 Jahre), Zweitrundenpick LB Willie Gay Jr. (3 Jahre), Viertrundenpick CB L'Jarius Sneed (4 Jahre), Fünftrundenpick DE Mike Danna (2 Jahre)

    Draft 2021: Zweitrundenpick LB Nick Bolton (5 Jahre), Zweitrundenpick C Creed Humphrey (5 Jahre), Sechstrundenpick OG Trey Smith (5 Jahre)

    Draft 2022: Erstrundenpick CB Trent McDuffie (4 Jahre), Erstrundenpick George Karlaftis (4 Jahre), Zweitrundenpick Bryan Cook (2 Jahre), Drittrundenpick LB Leo Chenal (1 Jahr), Siebtrundenpick RB Isiah Pacheco (3 Jahre)

    Ab der Draft 2023 laufen die Rookie-Verträge noch, aber bislang haben es bereits WR Rashee Rice (Zweitrundenpick 2023, 3 Jahre), DB Chamarri Conner (Viertrundenpick 2023, 1 Jahr), WR Xavier Worthy (Erstrundenpick 2024, 2 Jahre), OL Kingsley Suamataia (Zweitrundenpick 2024, 1 Jahr) und OT Josh Simmons (Erstrundenpick 2025, 1 Jahr) geschafft.

    Das ist ein ziemlich starkes Ergebnis, vor allem wenn man bedenkt, dass die Chiefs in den voll auswertbaren Jahren 2018 bis 2022 dreimal keinen und nur einmal zwei Erstrundenpicks hatten. Da ist noch nicht berücksichtigt, dass Veach sicherlich auch seinen Anteil an der Wahl von Mahomes im Jahr 2017 hatte, auch wenn er erst 3 Monate später GM geworden ist.

    Aktuell: Am Donnerstag und Freitag haben LT Josh Simmons und S Chamarri Conner nicht trainiert und fallen damit fast sicher im Auftaktspiel aus. DT Chris Jones hatte gestern Wadenprobleme und war daher nur eingeschränkt dabei (LP). Der Rest hat voll trainiert.

    Schedule

    #1 Mo, 14.09.26 BRONCOS

    #2 So, 20.09.26 COLTS

    #3 So, 27.09.26 @ Dolphins

    #4 So, 04.10.26 @ Raiders

    #5 BYE

    #6 So, 18.10.26 CHARGERS

    #7 So, 25.10.26 @ Seahawks

    #8 So, 01.11.26 @ Broncos

    #9 So, 08.11.26 JETS

    #10 So, 15.11.26 @ Falcons

    #11 So, 22.11.26 CARDINALS

    #12 Do, 26.11.26 @ Bills

    #13 Do, 03.12.26 @ Rams

    #14 So, 13.12.26 @ Bengals

    #15 Mo, 21.12.26 PATRIOTS

    #16 So, 27.12.26 49ERS

    #17 TBD @ Chargers

    #18 TBD RAIDERS

    Auf den ersten Blick fällt die frühe Bye-Week auf. Außerdem hat man hinsichtlich der Interconference-Duelle die relativ starke NFC West abbekommen. Nach heutigem Stand hat man bis einschließlich Woche 11 etwa 6 eher schwächere und 4 starke (2x Broncos, je 1x Chargers und Seahawks) Gegner. Dann folgt die „harte Phase“ mit voraussichtlich 5-6 „dicken Brocken“ in den Wochen 12 bis 17, bevor die Raiders zum Saisonabschluss nach Arrowhead kommen.

    Prognose
    Die Prognose hinsichtlich jedes Teams beruht im Grunde auf der Annahme, dass unersetzliche Schlüsselspieler nicht dauerhaft oder in den entscheidenden Spielen ausfallen.

    Bei den Chiefs wird die Prognose auch dadurch erschwert, dass sie einen im Durchschnitt sehr jungen Kader haben und gerade in dieser Offseason viele Spieler – vor allem bei den RBs, der D-Line und der Secondary – ausgetauscht wurden. Selbst zuletzt waren die Chiefs mit Trades und Waiver Claims noch ungewöhnlich aktiv – und der Prozess muss noch nicht abgeschlossen sein. Weitere Unsicherheitsfaktoren sind bei QB Patrick Mahomes (Wie gut und vor allem wie beweglich ist er nach seiner Verletzung?) und den OTs (Wie lange fällt LT Simmons aus? Wie gut können sich die übrigen OTs halten?) zu finden.

    Die Konkurrenz in der AFC West ist in den letzten Jahren mit Broncos und Chargers deutlich stärker geworden.

    Die Buchmacher haben die Chiefs typischerweise bei einem Over/Under von 10,5 Siegen und im Bereich von Rang 5 bis 8 unter den Superbowl-Favoriten (hinter Rams, Bills, Ravens und Seahawks sowie im Bereich von 49ers, Eagles und Texans).

    Bei der Erstellung der Preview sind mir in Bezug auf die Offense immer mehr Zweifel gekommen, wohingegen meine Begeisterung für das Potential der Defense deutlich zugenommen hat.

    Insgesamt ist eine enorme Bandbreite an Ergebnissen möglich. In einer perfekten Welt ist Mahomes ganz der Alte, das Laufspiel deutlich verbessert, dadurch der Passangriff verbessert und nach einer baldigen Hill-Rückkehr wieder richtig stark, wohingegen die Defense geradezu dominant wird. Aber die Erfahrung lehrt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. In einem Negativ-Szenario hat die O-Line erhebliche Probleme auf den Tackle-Positionen, weswegen Lauf- und Passangriff mit einem noch nicht ganz so beweglichen Mahomes nur mühsam in Gang kommen. Das Horror-Szenario einer erneuten Mahomes-Verletzung will ich mir gar nicht ausmalen. Die Defense spielt okay, aber den vielen jungen Spielern fehlt noch die Konstanz.

    Die wichtigste Einzelfrage wird m. E. sein, wie gut Mahomes nach seiner Verletzung ist. Das werden wir aber erst nach dem Saisonstart erfahren.

    Ich kann mir gut eine Auftaktniederlage gegen die Broncos vorstellen. Denn die Defense ist noch nicht eingespielt, und die – durch den erwarteten Ausfall von Simmons verstärkten – Probleme gegen den Pass-Rush wiegen gegen Denver besonders schwer. Danach sollte es aber hoffentlich besser werden, zumal die Stärke der Gegner erst ab Woche 12 spürbar zunimmt.

    Fazit: Ich rechne mit einer qualitativ besseren Offense, einer qualitativ noch besseren Defense und einer – dieses Mal positiven – Regression zum Mittelwert bei den Ergebnissen in knappen Spielen. Wenn sich Mahomes nicht erneut verletzt, rechne ich jedenfalls mit einer Winning Season. Wenn ich mich beim Over/Under entscheiden muss, nehme ich das Over. Ich muss einräumen, dass die Risiken nicht unerheblich sind, aber m. E. überwiegen die Chancen dennoch ganz deutlich. Ich kann mir bei halbwegs günstigem Verlauf problemlos vorstellen, dass die Chiefs am Ende wieder um den Titel mitspielen. Das ist vielleicht jetzt (noch) nicht wahrscheinlich, aber zumindest realistisch möglich.

    Spieler auf Sonderlisten

    * = designation to return

    injured reserve

    TE John Michael Gyllenborg (6-6, 249 lbs, Wyoming - schwere Knieverstauchung)

    WR Jeff Caldwell (6-5, 216 lbs, Cincinnati - überstrecktes Knie)

    OT Matt Waletzko (6-8, 305 lbs, North Dakota - unklare Knieverletzung)

    DE Ethan Downs (6-4, 269 lbs, Oklahoma - Kreuzbandriss)

    *#82 WR Jimmy Holiday (6-1, 211, Louisiana Tech) machte 2025 als ungedrafteter Rookie im Minicamp auf sich aufmerksam. Er wurde 2025 mehrfach entlassen und für die Practice Squad wieder verpflichtet, war kurzzeitig auch auf der Practice Squad der Seahawks. Zu seiner Verletzung gibt es keine konkreten Angaben und er könnte theoretisch nach mindestens 4 Spielen zurückkehren.

    physically unable to perform (PUP)

    *#55 DT Omarr Norman-Lott


    Practice Squad

    Gerade bei der Practice Squad handelt es sich um eine Momentaufnahme, da ständig Spieler verpflichtet, in das Roster aufgenommen oder entlassen werden.

    #85 WR Andrew Armstrong (6-4, 210 lbs) war 2025 ein ungedrafteter Rookie und kam im Januar zu den Chiefs. Er hat die Stautur eines physisch starken X-Receivers, ist nicht sonderlich schnell, kann aber blocken und sich bei contested catches auszeichnen. Nach guten Leistungen in der Preseason hatten ihn viele anstelle von Remigio im Kader erwartet.

    #80 WR Omari Evans (6-0, 190 lbs, Washington) blieb in der Draft ebenfalls unberücksichtigt, zog allerdings an seinem Pro Day durch schnelle Sprints und hohe Sprünge die Aufmerksamkeit auf sich. Er könnte – ähnlich wie Worthy – außen oder im Slot spielen.

    #47 FB Ben VanSumeren (6-2, 258 lbs, Michigan State) wurde schon am College wechselnd als FB und als LB eingesetzt. Er blieb ungedraftet, war bis 2025 und wurde vor wenigen Tagen nach seiner Entlassung durch die Bills von den Chiefs auf die Practice Squad genommen.

    #39 RB Jaydn Ott (5-11, 198 lbs, Oklahoma) war von 2022 bis 2024 bei Cal der absolute Superstar und transferierte dann für seine letzte College-Saison zu Oklahoma, was für ihn – auch aufgrund einer hartnäckigen Schulterverletzung – zum völligen Desaster wurde (21 Läufe für 68 yards). Deswegen kam er als ungedrafteter Rookie zu den Chiefs. Er ist relativ schnell (4,46 Sekunden/40 yards), wendig und fangsicher. Schwächen hat er beim Blocken und im Hinblick auf die Ballsicherheit. Zudem sorgen Big-Play-Versuche öfter mal für Raumverlust.

    #35 RB Nathan („Nate“) Carter (5-9, 200 lbs, Michigan State) kam 2025 als ungedrafteter Rookie zu den Falcons, wo er sich überraschend einen Roster Spot erkämpfte. 2026 fiel er den finalen Roster-Cuts zum Opfer und wurde von den Chiefs für die PS verpflichtet. Er hat einen tiefen Schwerpunkt, läuft kraftvoll und ist schnell (4,4 Sekunden/40 yards). Er trat allerdings bislang kaum als Passempfänger in Erscheinung und hat ebenfalls Defizite bei der Ballsicherheit.

    #75 OT Ethan Driskell (6-8, 313 lbs, Marshall) kam 2024 als ungedrafteter Rookie zu den Chiefs und befindet sich seither überwiegend auf der Practice Squad. Driskell ist ein Riese mit extrem langen Armen, was Fluch und Segen zugleich ist. Einerseits kann er Verteidiger oft auf Distanz halten, andererseits hat er wegen seines hohen Schwerpunktes Probleme gegen kleinere, wendigere Verteidiger, zumal seine Fußarbeit ausbaufähig ist.

    #50 C/G Pete Nygra (6-4, 300 lbs, Louisville) ist ein ungedrafteter Rookie, der in der Preseason viel zum Einsatz kam (182 Snaps). Er ist sehr gut in der Pass Protection, kann Defensivformationen lesen und hat Stärken im Zone Blocking. Er ist sehr konstant und flexibel einsetzbar. Seine Arbeitsmoral soll vorbildlich sein. Er ist aber nicht der Kräftigste und muss zudem seine geringe Armlänge durch Technik ausgleichen.

    #90 DE Emmanuel Ogbah (6-4, 275 lbs, Oklahoma State) Ogbah wurde in Nigeria geboren und kam im Alter von 9 Jahren in die USA. Er wurde 2016 von den Browns zu Beginn der zweiten Runde gedraftet. Nach seinem Rookie-Vertrag spielte er 2019 (verletzungsbedingt nur eingeschränkt) bei den Chiefs, von 2020 bis 2024 bei den Dolphins und zuletzt bei den Jaguars. Nach verletzungsbedingten Ausfällen (Downs, Gillotte) kehrte er im Sommer zu den Chiefs zurück, hat es aber nur auf die PS geschafft. Er verfügt über viel Erfahrung (136 Spiele, davon 90 als Starter)

    #57 DE Tyreke Smith (6-3, 255, Ohio State) war 2022er Fünftrundenpick der Seahawks und zwischendrin auch schon mal bei den Cardinals. War schon 2025 auf der PS der Chiefs.

    #68 DT Marcus Harris (6-2, 298 lbs, Auburn) war ein 2024er Siebtrundenpick der Texans und seither auf diversen Practice Squads, seit 2025 bei den Chiefs. Er hat einen schnellen ersten Schritt und gute Handtechniken, aber ihm fehlt vor allem die Physis, um sich gegen Double Teams zur Wehr zu setzen.

    #48 LB Cole Christiansen (6-1, 230, Army) kam 2020 als ungedrafteter Rookie zu den Chargers, aber dort nur marginal zum Einsatz. 2022 kam er zu den Chiefs und ist dort im Wesentlichen Stammgast auf der PS mit gelegentlichen Einsätzen

    #45 LB Cam Jones (6-2, 227 lbs, Indiana) war 2023 und 2024 im Kader der Chiefs, 2025 bei den Jets. Typischer Special-Teams-Spieler.

    #46 CB D’Arco Perkins-McAllister (6-1, 195 lbs, Louisiana-Monroe) war insgesamt an drei Unis und schaffte im letzten College-Jahr den Durchbruch. Auch er ist ein ungedrafteter Rookie mit der Physis eines typischen Outside Cornerbacks. Er hat seine Stärken in Press Coverage und beim Tackling, aber nicht außergewöhnlich schnell und muss noch an seiner Technik feilen..

    #26 CB Kader Kohou (5-10, 197 lbs, East Texas A&M) spielte 2022-2024 überwiegend als Starter für die Dolphins und verpasste die Saison 2025 verletzungsbedingt (Teilriss des Kreuzbandes. Er war eine der ersten Verpflichtungen der Chiefs in der Offseason und für den Slot vorgesehen, hat es aber nur auf die PS geschafft.

    #34 S Tanner McCalister (5-11, 191 lbs, Ohio State) kam 2023 als ungedrafteter Rookie in die NFL und befand sich seither im Wesentlichen auf diversen Practice Squads. Auch er wäre hauptsächlich ein Kandidat für den Slot.

    #25 S DeShon Singleton (6-3, 210 lbs, Nebraska) ist ein ungedrafteter Rookie. Er bringt aber für einen Safety eine überragende Physis mit und hat seine Stärken gegen den Lauf und gegen bullige TEs. Ihm fehlt aber die Top-Speed.

    Sonderfall:

    #89 TE Thomas Odukoya (6-6, 253 lbs, Eastern Michigan) wurde in den Niederlanden geboren und darf als Bestandteil des International Player Pathway Programs als zusätzlicher (17.) Spieler auf der PS gehalten werden.

    Fazit Defense:

    Je länger ich mich mit der Defense beschäftigt habe, desto optimistischer bin ich geworden. In der D-Line hat man eine gute Mischung aus verschiedenen Spielertypen und Qualitäten. Bei den LB ist die Tiefe etwas wacklig, aber die Starter sind mindestens gut. In der Passverteidigung könnten die Chiefs gleich drei sehr gute CBs haben. Wahrscheinlich wird es zu Beginn – gerade in der Secondary – noch ein paar Koordinationsprobleme und „bustet coverages“ geben. Aber vom Talent her könnte das eine ganz herausragend gute Verteidigung werden. Ich habe schon öfter „Top 10 Defense“ gelesen, aber mit etwas Glück ist noch deutlich mehr drin. Das gilt auch für die nächsten Jahre, denn die Quote der jüngeren Spieler ist sehr hoch.


    Special Teams

    #49 Matt Araiza, #7 Harrison Butker, #41 LS James Winchester

    Hier hat sich im Ergebnis bei den absoluten Spezialisten nichts geändert.
    P/H Matthew Ryan („Matt“) Araiza (6-1, 200, San Diego State) trat 2024 als faktischer Rookie die Nachfolge von Tommy Townsend an. Bei San Diego State brach er schon als Kicker Schulrekorde, kam aber vor allem auf Punt-Durchschnittsweiten von um die 50 yards. Ich habe noch nie einen spektakuläreren Punter gesehen – seine Highlight-Videos aus College-Zeiten sind bemerkenswert. Anfangs warnte der grundsätzlich von seinem Potential begeisterte Dave Toub zu Recht vor fehlender Konstanz und Präzision. Aber hieran hat Araiza gearbeitete und die Anzahl seiner Touchbacks in 2025 von 9 auf 3 reduziert. Er ist eine Bank.

    K Harrison Butker (6-4, 205, Georgia Tech) ist bereits seit 2017 der weitgehend zuverlässige Kicker der Chiefs und zeichnet sich durch eine enorme Reichweite aus. Nach den Erfahrungen der Preseason kommt auch ein neuer NFL-Rekord in Betracht. Gelegentlich versemmelt er gleichwohl mal einen Kick, wobei man manchmal den Eindruck hat, dass er das Konzentrationsniveau nicht immer halten kann, denn gerade bei den PATs ist er nicht so berauschend. Er hatte allerdings nur eine richtig schlechte Saison (2022 mit 75 % FGs und 92,7 % PATs), auf die er dann die beste Saison seiner Karriere (2023 mit 94,3 % FGs und 100 % PATs) folgen ließ. Das Vorjahr war mit 86,8 % FGs und 88,6 % PATs für seine Verhältnisse eher leicht unterdurchschnittlich, aber auch Butker ist für diese Saison gesetzt.

    LS James Winchester (6-3, 209, Oklahoma) kam 2013 als ungedrafteter Rookie in die NFL und spielt seit 2015 für die Chiefs. Er fällt seit Jahren meist dadurch auf, dass er nicht auffällt – bei seiner Position eine positive Eigenschaft.

    Bei den Returnern setzen die Chiefs vermutlich erneut auf Nikko Remigio und Brashard Smith. Remigio dürfte seinen Return-Qualitäten den Roster Spot verdanken und vor allem bei Punts zum Einsatz kommen, wohingegen ich mir Smith öfter mal bei Kickoffs vorstellen könnte.

    Fazit:

    Bei den Spezialisten scheinen die Chiefs weiterhin sehr gut aufgestellt zu sein.

    DB (#5 CB Mansoor Delane (R), #20 CB Nohl Williams, # 38 CB L’Jarius Sneed, #8 CB Kristian Fulton, #30 CB Chris Roland-Wallace, # 22 CB Jadon Canady - #17 FS Alohi Gilman, #27 SS Chamarri Conner, #21 SS Jaden Hicks, # 29 S Xavier Nwankpa)

    Richtig wild wurde die Passverteidigung durcheinander gewürfelt. Im Vorjahr war diese richtig stark, vor allem wenn man den insgesamt mäßigen Passrush mit berücksichtigt. Nun haben die Chiefs ihre beiden Top-Cornerbacks Trent McDuffie und Jaylon Watson – beide an die Rams – und den Top-Safety Bryan Cook – an die Bengals – verloren. Gemessen an diesem „Horrorszenario“ hat sich die Lage durch Top-Draftpick Mansoor Delane, den weiteren Draftpick Jadon Canady, die überraschende Rückkehr von L’Jarus Sneed und die Verpflichtung von Alohi Gilman deutlich entspannt, so dass es selbst die zweite Neuverpflichtung Kader Kohou lediglich auf die Practice Squad geschafft hat.

    Der große Hoffnungsträger ist zweifellos CB Mansoor Delane (6-0, 187 lbs, LSU). Mit Ausnahme des Umstandes, dass er noch ein Rookie ist, kann man über ihn eigentlich nur Positives berichte. Er ist extrem stark in Press Coverage, hat ein hohes Spielverständnis und antizipiert Routen ganz hervorragend. Meine Lieblings-Anekdote in diesem Zusammenhang:

    Nach seinem ersten Spring Training bei LSU beklagte er sich bei HC Brian Kelly, dass dieser es ihnen viel zu einfach mache. Auf dessen verdutzte Nachfrage erläuterte Delane, dass er jede einzelne Route der WR schon im Voraus am Alignment und den ersten Schritten erkennen könne. Da erkannte Kelly nach eigenen Angaben, über welches außergewöhnliche Spielverständnis Delane verfügte.

    Delane tackelt auch sicher gegen den Lauf und spielt so physisch, wie es Spagnuolo mag. Am College spielte er zu 95 % also Outside CB, wo er auch bei den Chiefs primär vorgesehen ist, hat aber schon sein Interesse auch am Slot bekundet. Er war 2025 unanimous All-American und hatte 2025 eine statistische Monster-Saison (u. a. 357 Coverage Snaps, keine Strafe verursacht, keinen TD zugelassen). Wegen einer Schulterverletzung musste er einen Großteil der Trainingseinheiten im gelben „Non-Contact“-Trikot absolvieren und erhielt auch das zeitweise Verbot, den entsprechenden Arm einzusetzen. Generell wirkt er unglaublich motiviert. The Sky is the limit – jetzt muss er die Vorschusslorbeeren „nur“ noch umsetzen.

    Als zweiter Outside Corner wird der 2025er Drittrundenpick Nohl Williams (6-0, 199, California) erwartet. Auch er ist für einen CB groß und sehr physisch. Williams hat seine Stärken in der man coverage, wobei er in seiner letzten College-Saison mit 7 INTs landesweit für Schlagzeilen sorgte. Obwohl er als Rookie größtenteils als Rotationsspieler zum Einsatz kam (44 % defensive Snaps), war er dank 66 % aller ST-Snaps insgesamt bereits voll eingebunden und wurde allseits gelobt. Bei PFF erhielt er beispielsweise ein Rating von 74,5 – Rang 15 unter 114 CBs in der gesamten NFL. Dort wurde er auch offiziell in das „All-Breakout-Team 2026“ gewählt. Auch Williams profitiert nun davon, dass er das komplexe Defensivsystem der Chiefs deutlich besser kennt, und fühlt sich deswegen nach eigenen Angaben auch wesentlich entspannter. Er fing in Trainingseinheiten bereits reihenweise Interceptions. In der Preseason überzeugte er auch durch hartes Tackling. DB-Coach Dave Merritt äußerte sich – wie schon im Vorjahr – äußerst positiv über seine Entwicklung.

    Heimkehrer L’Jarius Seed (6-1, 192 lbs, Louisiana Tech) ist aufgrund seiner Erfahrung und Flexibilität als Starter im Slot vorgesehen. Der 2020er Viertrundenpick der Chiefs entwickelte sich schnell zu einem der besten Shutdown-CBs der Liga und zeichnete sich durch sehr physisches Spiel (jamming) an der Line of Scrimmage aus. Er ist auch ein herausragender Blitzing-CB, stark gegen den Lauf und ein sicherer Tackler. Nach seinem Wechsel zu den Titans wurde er reich, aber nicht glücklich, da er vom Verletzungspech (Knie/Quadrizeps) verfolgt wurde und auch sonst die sportlichen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Aufgrund seines physischen Spielstils kassiert er verhältnismäßig viele Strafen. Nach seiner Rückkehr ist er nicht mehr als Outside-CB gesetzt. Aber er kennt das System, ist ein erfahrener Leader und kann flexibel eingesetzt werden. Das größte Fragezeichen steht hinter seiner Gesundheit, nachdem ihn im August schon wieder eine Knieverletzung plagte, aber zum Saisonstart ist er einsatzbereit.

    Erster Backup im Slot dürfte der diesjährige Viertrundenpick Jadon Canady (5-10, 181 lbs, Oregon) sein. Er hatte eine sehr gute letzte College-Saison, ließ die wenigsten Receiving yards und lediglich fünf 1st downs zu. Er ist extrem vielseitig einsetzbar und hat Erfahrung als Outside Corner, als Slot Corner und als Free Safety. Er kann Passrouten antizipieren und ist ein harter Tackler. Aufgrund seiner unbändigen Energie dürfte er auch für die Special Teams ein großer Gewinn sein. Nachteile dürften seine unterdurchschnittliche Körpergröße, kurze Arme und eine mäßige Endgeschwindigkeit sowie eine gewisse Anfälligkeit für Fakes sein. In der Vorbereitung zeigte er anfangs die für einen Rookie typischen Anpassungsschwierigkeiten an das NFL-Tempo, konnte sich im Verlauf deutlich steigern und trotz eines Dämpfers im ersten Preseason-Game insbesondere Kader Kohou im Kampf um einen Roster Spot ausstechen. ,

    Kristian Fulton (6-0, 197 lbs, LSU) war der 2020er Zweitrundenpick der Titans. 2025 unterschrieb er für 20 Mio./2 Jahre bei den Chiefs und war dementsprechend als Starter eingeplant. Er gilt als klassischer Press-Man-Cornerback, der Augen und Hände des Receivers lesen und Pässe im letzten Moment abwehren kann. Sein größtes Problem ist traditionell die (vor allem muskuläre) Verletzungsanfälligkeit. Zudem fehlt ihm die letzte Geschwindigkeit (Recovery Speed) und die letzte Konstanz. Im Vorjahr war er anfangs längere Zeit verletzt, verpasste wesentlichen Teile der Vorbereitung und war auch nach seiner Genesung ein „healthy scratch“, bevor er dann gegen Saisonende doch wieder vermehrt eingesetzt wurde und auch gute Leistungen zeigte. Auf das gesamte Jahr gesehen war sein PFF-Grade mit 60,4 (gegenüber 71,1 in 2024) enttäuschend, was vor allem an schwacher Laufverteidigung und vielen verpassten Tackles lag. In diesem Jahr lief die Saisonvorbereitung besser, war aber durch harte Konkurrenz und Gerüchte über einen Trade oder eine Entlassung geprägt, zumal Fulton auch keine große Hilfe in den Special Teams ist. Er kam in der Preseason umfangreich zum Einsatz und konnte sich durch die beste Leistung im letzten Spiel den Platz im Kader sichern.

    Christian Roland-Wallace (5-11, 202 lbs, USC) fand 2024 als ungedrafteter Rookie überraschend den Weg in den Kader und kam in den ersten beiden Jahren vor allem in den Special Teams (Snap Count 58 %/62 %), aber zum Teil auch in der Defense (18 %/30 %) zum Einsatz. Bei den Fans ist er sehr beliebt („Diamond in the rough“) und hat trotz harter Konkurrenz erneut den Weg in den Kader gefunden. Für ihn spricht nicht zuletzt, dass er im Backfield auf praktisch jeder Position spielen kann. In seiner ersten Saison spielte er hauptsächlich im Slot, im Vorjahr zusätzlich auch als Safety. Als ungedrafteter Spieler fehlen ihm die Top-Athletik und Top-Speed. Da Chamarri Conner angeschlagen ist, könnte er zu Saisonbeginn als Safety Einsatzzeiten erhalten.

    Alohi (eigentlich: Asai Alohilaniokala) Gilman (5-10, 201 lbs, Notre Dame) gilt als extrem intelligenter Free Safety mit herausragendem Gespür im tiefen Feld. Er hat einen hohen Football-IQ, Stärken in der Zonenverteidigung, antizipiert tiefe Pässe und lässt kaum einmal Big Plays zu. Zudem ist er vielseitig, hat auch schon im Slot oder als Box-Safety gespielt, und gilt als verlässlicher Tackler, der auch Fumbles forcieren oder erobern kann. Allerdings ist er relativ klein, verfügt auch er nicht über eine herausragende Athletik oder Top-Speed (lediglich 4,60 Sekunden auf 40 yards). Er hatte in seiner vierten Saison (2023) bei den Chargers seinen großen Durchbruch und wurde im Vorjahr nach 5 Spielen zu den Ravens transferiert. Nach Coverage-Noten lag er im Schnitt der letzten 3 Jahre auf #6 unter allen Safeties. Nun soll er die Lücke füllen, die durch den Abgang von Bryan Cook entstanden ist. In der Saisonvorbereitung fiel er durch hohen Lerneifer und als Führungsspieler in der jungen Secondary auf. Wegen einer Rückenverletzung vor dem zweiten Preseason-Spiel war er vorübergehen außer Gefecht, ist aber zum Saisonstart einsatzbereit.

    Chamarri Conner (6-0, 202 lbs, Virginia Tech) war der 2023er Viertrundenpick der Chiefs. Von den Fans wird er regelmäßig kritisiert, vor allem wegen gelegentlicher Coverage-Schwächen gegen extrem schnelle oder wendige Route-Runner, weil ihm erstklassiger Speed fehlt. Dagegen ist er bei den Coaches sehr angesehen, weil er unglaublich flexibel (Strong Safety, Slot Corner, Dime-LB) einsetzbar ist („Das Chamäleon“). Das ermöglicht es Spagnuolo, seine Defensivformationen vor dem Snap perfekt zu verschleiern. Grundsätzlich vereint er die Schnelligkeit eines Cornerbacks mit den Instinkten eines Linebackers. Er kann blitzen, tackeln und verfügt über hohe Ausdauer und Konstanz. Er gilt als stiller, aber harter Arbeiter. 2025 war sein „Career Year“ mit unglaublichen 98,3 % aller Snaps. Leider wird er nun zum Saisonauftakt mit hoher Wahrscheinlichkeit erstmals ein Spiel verpassen, weil er sich seit dem Ende des Trainingslagers mit einer Knieverletzung herumplagt.

    Der 2024er Viertrundenpick Jaden Hicks (6-2, 215 lbs, Washington State) galt im Vorjahr eigentlich als designierter Nachfolger von Justin Reid, aber der erwartete Durchbruch blieb aus und er wurde von Conner überholt. Er verfügt über eine enorme Physis und gilt als extrem harter und aggressiver Hitter und Tackler. In der Passverteidigung hat er seine Vorteile gegen wuchtige TEs und große Slot-WR. Seine Schwächen liegen in der tiefen Zonenverteidigung und einer verzögerten Reaktionszeit [quasi das Gegenteil von Football-IQ] sowie Problemen gegen wendige und flinke Slot-Receiver. Immerhin kam er gleichwohl auf knapp 43 % aller defensiven Snaps und ist zudem ein äußerst zuverlässiger ST-Player. In der Vorbereitung auf die neue Saison soll er aber wieder mehr Selbstvertrauen gewonnen haben und besser im komplizierten Playbook von Spagnuolo angekommen zu sein. Zum Saisonstart wird er wegen Conners Verletzung als Starter erwartet.

    Xavier Nwankpa (6-2, 213 lbs, Iowa) ist nach Kahlil Benson die zweite Cinderella Story der Offseason. Als ehemaliger 5-Star-Recruit wurde er nicht einmal gedraftet, kämpfte sich aber in den Kader der Chiefs. Er bringt die prototypische Statur für einen modernen Safety mit, gilt als hervorragender Tackler, disziplinierter Zonenverteidiger und ist vielseitig (auch als LB) einsetzbar. Daneben ist er taktisch sehr gut ausgebildet, extrem robust und körperlich belastbar. Minuspunkte sind fehlende Top-Geschwindigkeit (ca. 4,6 Sekunden/40 Yards), Schwächen in der Manndeckung gegen flinge Slot-WR und fehlender Ballinstinkt. Er wird vermutlich zunächst einmal hauptsächlich in den Special Teams zum Einsatz kommen.

    Fazit: Nach großen Zweifeln zu Beginn der Offseason bin ich inzwischen vollauf begeistert über Fähigkeiten und Potential der Passverteidigung. Gerade zu Beginn wird es vermutlich für den neu zusammengewürfelten Haufen noch ein paar Abstimmungsprobleme geben, aber die sollten spätestens nach der Bye-Week behoben sein.

    LB #23 Drue Tranquill (WLB), #32 Nick Bolton (MLB), # 43 Jack Cochrane, # 31 Jeffrey Bassa, # 59 Cooper McDonald

    Der 2021er Zweitrundenpick Nicholas („Nick“) Bolton (5-11, 237, Missouri) ist das unangefochtene Herzstück und der emotionale Leader der Chiefs-Defense. Seine Fähigkeiten als „Thumper“ (Kraft, Beschleunigung, Tackling) waren schon zu College-Zeiten bekannt. Die gravierenden Bedenken im Hinblick auf Schwächen in Coverage hatten sich schon in der starken Rookie-Saison als unbegründet erwiesen. Dank seiner außergewöhnlich hohen Spielintelligenz und Auffassungsgabe konnte er sich überraschend schnell an die NFL gewöhnen und wurde als MLB („MIKE“) zum „QB der Defense“, der das Playbook in-und-auswendig kennt und seine Mitspieler in der Front 7 dirigiert. Daher verwundert es auch nicht, dass der verlängerte Arm von Spagnuolo auf dem Spielfeld inzwischen für einen LB auch sehr gut bezahlt wird. Er steht fast immer auf dem Feld (2025: 97 % aller defensiven Snaps), ist ein sicherer Tackler (2025: 154 Tackles, 10 TFL) und ein solider Blitzer (2025: 4 Hurries, 11 Pressures, 1 Sack).

    WLB Drue Tranquill (6-2, 234, Notre Dame) kam 2023 von den Chargers und geht damit nun auch bei den Chiefs bereits in seine vierte Saison. Seit 2024 ist er unangefochtener Starter. Er zeichnet sich durch eine hohe Vielseitigkeit – einsetzbar auf allen LB-Positionen – aus und überzeugte 2025 erneut (103 Tackles, 10 TFL, 2 Sacks, 3 QB-Hits, 1 Forced Fumble, 1 Fumble Recovery). Schwächer waren nur seine Zahlen in der Passverteidigung, aber es bleibt abzuwarten, ob er insoweit nicht vielleicht lediglich ein Opfer des schwächeren Pass-Rushs war. Sein defensiver Snapcont erzielte jedenfalls mit 85 % einen neuen Chiefs-Höchstwert. Nebenbei:Tranquill war nicht nur zum Footballspielen an der Uni, sondern erlangte „nebenbei“ auch einen Abschluss in Maschinenbau und wird von Mitspielern und Coaches für analytisches Denken und eine schnelle Auffassungsgabe geschätzt.

    Spannend ist die Situation dahinter, denn mit Leo Chenal haben die Chiefs ihren dritten starken LB an die Commanders verloren.

    Favorit für den Job als SLB („SAM“) ist Cooper McDonald (6-3, 240 lbs, TCU), der im Vorjahr als ungedrafteter Rookie überraschend einen Roster Spot ergattern konnte, in allen Spielen zum Einsatz kam und vor allem in den Special Teams überzeugte. Als sich Chenal gegen Saisonende verletzte, sprang McDonald auch in der Defense ein. Er ist äußerst vielseitig einsetzbar, körperlich robust und diszipliniert. Gegenüber dem Vorjahr hat er das komplizierte Playbook nach eigenen Angaben sehr viel stärker verinnerlicht, so dass sich das Spiel für ihn „mental verlangsamt“ habe und er viel eher in der Lage sei, instinktiv zu reagieren. Leider fehlt ihm eine Top-Athletik, aber mit dieser wäre er natürlich auch gedraftet worden.

    Sein schärfster Konkurrent ist der letztjährige Fünftrundenpick Jeffrey Bassa (6-1, 232 lbs, Oregon). Er kam als Safety ans College, wurde aber dann zum LB umgeschult und wurde als athletischer Allrounder zum Führungsspieler. Seine Stärken hat er – wenig verwunderlich – in der Coverage. Zudem werden ihm ein extrem hoher Football-IQ und eine vorbildliche professionelle Einstellung nachgesagt. Auch er kam in seiner Rookie-Saison primär in den Special Teams zum Einsatz. Auch er hat angegeben, das komplexe Defensivsystem nun deutlich besser verinnerlicht zu haben. Seine Schwächen liegen in der Laufverteidigung, weil sich hier sein geringes „Kampfgewicht“ bemerkbar macht. Tendenziell könnte er daher bei Coverage-Snaps die Nase vorn haben.

    Jack Cochrane (6-3, 236, South Dakota) ist ein weiterer Spieler, der als ungedrafteter Rookie in 2022 von South Dakota zu den Chiefs kam. Er ist im Grunde ein Special-Teams Specialist mit Snap Counts von 65 %, 79 %, 78 % und 81 % in den ersten 4 Jahren. Lediglich 2023 kam er mit 17 % nennenswert auch in der Defense zum Einsatz, im Vorjahr immerhin noch mit 6 %.

    Fazit: Die Chiefs-LB haben in den beiden letzten Jahren auch nach dem Abgang von Willie Gay auf gewohnt gutem Niveau gespielt. Da man in der heutigen NFL ohnehin meist mit nur 2 LB spielt, stellten 3 gute LB aus meiner Sicht den idealen Grad an Kadertiefe dar. Nun hat man allerdings mit Leo Chenal den zuverlässigen und vielseitig einsetzbaren „dritten Mann“ verloren und muss hoffen, dass die letztjährigen Rookies McDonald oder Bassa einen Schritt nach vorne machen. Ansonsten ist die Position sehr auf Kante genäht. Insgesamt erwarte ich eine leichte Schwächung dieser Unit.

    Defense

    In der Defense kam es zum erwarteten Umbruch. Man hat rund die Hälfte der Starter von vor einem Jahr verloren. Aufgrund des gravierenden Aderlasses haben die Chiefs in diesem Jahr die ersten vier Draftpicks in die Defense investiert. Für Rookies ist es erfahrungsgemäß schwer, das komplexe System von DC Steve Spagnuolo zu erlernen. Jahr für Jahr hat man zudem den Eindruck, dass die Defense sich zu Saisonbeginn erst finden muss in die Leistungen im Saisonverlauf besser werden.


    D-Line (# 56 DE George Karlaftis # 95 DT Chris Jones, # 92 DT Khyiris Tonga, # 97 DE Ashton Gillotte, #51 DE R Mason Thomas (R), #91 DE Felix Anudike-Uzomah, #54 DE Jack Pyburn, #99 DT Peter Woods (R), #94 DT Bryson Eason (R), [PUP: #55 DT Omarr Norman-Lott])

    Die D-Line hatte sich in den Jahren 2023 und 2024 – seit der Verpflichtung von Joe Cullen als neuem DL-Coach – deutlich verbessert. In 2025 gab es allerdings wieder einen deutlichen Rückschritt, da die Top-Spieler Chris Jones und George Karlaftis, die beide zu mehr als 73 % (und damit als einzige zu über 50 %) auf dem Feld standen, zu wenig Unterstützung erhielten. Auffällig niedrig war vor allem die Anzahl der Teams-Sacks von 57 (2023) auf 39 (2024) und 35 (2025), wobei die Anzahl der Sacks bekanntlich auch sehr volatil ist.

    Der 2022er Erstrundenpick DE George Karlaftis (6-4, 263, Purdue) hat die hohen Erwartungen mehr als erfüllt. Dank seiner tollen Arbeitseinstellung („work ethik“) und seiner ungeheuren Energie („non-stopping motor“) erhielt er schon als Rookie erhebliche Spielzeit und vermochte sich von Jahr zu Jahr zu steigern. Seit 2023 spielt er auf konstant hohem Niveau. Da ihm die Explosivität fehlt, wird er vermutlich nie ein Superstar, aber er ist ein zuverlässiger und wichtiger Leistungsträger. Auch nach seiner Vertragsverlängerung vor der Saison 2025 vermochte er sich trotz einer zwischenzeitlichen Handverletzung weiter zu steigern. Trotz einer ansteigenden Double-Team-Rate (ca. 14 % in 2023, 19 % in 2024 und 22 % in 2025) konnte er seine Pass Block Win Rate (PBWR) 2025 auf einen Karriere-Bestwert von 16,6 % (nach 12,0 % in 2023 und 13,8 % in 2024) steigern. Auch seine Pressure Rate von 14,7 % war (nach 14,1 % in 2023 und 11,2 % in 2024) wieder sehr gut. Auch die Anzahl der QB-Hits konnte er auf 23 deutlich steigern (nach 17 in 2023 und 14 in 2024). Diese Zahlen verdeutlichen, dass er individuell trotz lediglich 6,0 Sacks (nach 10,5 in 2023 und 8,0 in 2024) eine sehr starke Saison gespielt hat.

    Der 32-jährige Chris Jones (6-6, 298 lbs, Mississippi State) ist der unangefochtenen Star der D-Line. Er ist äußerst disruptiv, zudem ein Wunder an Motivation und Trainingseifer. Er ist schnell, hat Kraft, ist beweglich und produziert weder auf noch neben dem Spielfeld irgendwelche negativen Schlagzeilen. Seine Zahlen haben im Zeitraum 2023 bis 2025 etwas nachgelassen (10,5/5/7 Sacks, 29/20/25 QB-Hits, 39/38/32 Pressures, 13/9/12 TFL). Das liegt allerdings primär daran, dass er aufgrund der geringen Unterstützung noch deutlich mehr als Karlaftis ständigen Double Teams (68 % in 2024, #1; 63 % in 2025, Top 3) ausgesetzt ist. Seine Win Rate kehrte nach 19,6 % in 2023 (#1) und 15,0 % in 2024 (#2) im letzten Jahr mit 18,9 % (#1) wieder an die Liga-Spitze zurück. In 22 Spielzügen gelangen ihm sogar double team wins (= innerhalb von weniger als 2,5 Sekunden gegen 2 Gegenspieler durchgesetzt). Vergleichbar hoch ist für einen DT seine Pressure Rate (15,4 % in 2023, 12,8 % in 2024 und 14,5 % in 2025). Er ist ein locker room leader und einer der besten DTs der NFL.

    Hinter Jones und Karlaftis haben die Chiefs den Umbau der D-Line weiter vorangetrieben. Nachdem man schon 2025 zwei hohe Draftpick (in DE Ashton Gillotte und DT Omarr Norman-Lott) investiert hatte, folgten 2026 mit DT Peter Woods und DE R Mason Thomas erneut zwei hohe Draftpicks, mit DT Khyiris Tonga ein Free Agend und zudem mit Jack Byburn und Bryson Eason zwei Waiver Claims. Bei diesen enormen Veränderungen überrascht es, dass ausgerechnet Felix Andike-Uzomah im Kader verblieben ist. Im Einzelnen:

    DT/NT Khyiris Tonga (6-2, 335 lbs, BYU) ist bereits 30 Jahre alt. Er war ein 2021er Siebtrundepick der Bears und hatte erst 2025 mit immerhin 8 Starts für die Patriots seinen Durchbruch. Er gilt als Kraftpaket, „solide wie ein Fels“ und als „Space Eater“. Dementsprechend bildet er einen „Anker“ in der Mitte der Defense und bindet regelmäßig auch zwei Gegenspieler. Hellauf begeistert über seine Verpflichtung war Chris Jones, der sich nun etwas mehr Freiräume erhofft. Allerdings ist Tonga schon aufgrund seines Gewichts kein „every-down-player“, nicht sonderlich schnell oder beweglich und damit auch kein ersthafter Passrusher. Ihn kann man vor allem bei early downs auf dem Feld erwarten. Ein kleiner Bonus ist seine Fähigkeit, in der Offense bei Short-yardage/Goal-Line-Situationen als Fullback/Leadblocker zu fungieren.

    Das völlige Gegenstück zu Tonga ist der deutlich leichtere DT Peter Woods (6-2, 298 lbs, Clemson). Der Erstrundenpick ist extrem athletisch, explosiv, disruptiv, beweglich und flexibel und mit Sideline-to-Sideline-Reichweite. Schwachpunkte sind kurze Arme, eine ausbaufähige Technik und Konstanz sowie Probleme mit double Teams. Er ist zwar formal gesehen der Backup von Jones, doch dürfte er wohl regelmäßig auch gemeinsam mit ihm bei passing downs auf dem Platz stehen.

    DT Bryson Eason (6-2, 323 lbs, Tennessee) war ursprünglich ein hochgelobter ILB, wurde aber aufgrund seiner körperlichen Entwicklung 2022 zum DT umgeschult. Trotz seines hohen Körpergewichts hat er sich aus LB-Tagen eine gewisse Leichtfüßigkeit und Athletik bewahrt und ist relativ antrittsschnell. Mit seinen langen Armen (über 33 inches) kann er O-Liner auf Distanz halten, mit hartem ersten Kontakt („heavy hands“) den ersten Kontakt aufbrechen. Ähnlich wie bei Tonga liegt seine Kernkompetenz in der Laufverteidigung, wohingegen es noch an Pass-Rush-Moves mangelt.

    DT Omarr Norman-Lott (6-2, 291 lbs, Tennessee) hatte seine Stärken zumindest am College im Pass-Rush, verfügt über außergewöhnlich große Hände und darüber hinaus um Agilität und Schnelligkeit, um sich von Blockern zu lösen und Druck auf den QB auszuüben. Seine Rookie-Saison verlief unglücklich: Schon in der Saisonvorbereitung wurde er durch eine Knöchelverletzung ausgebremst. Dann kam er bei fünf Spielen – einmal als Starter – zum Einsatz und zeigte sich gegen den Lauf deutlich verbessert, wobei ihm gleichwohl die pure Masse fehlt, um dort besonders aufzutrumpfen. In Woche 7 zog er sich dann einen Kreuzbandriss zu. Er absolviert nach wie vor sein Reha-Programm und beginnt die Saison auf der PUP-Liste, fällt also mindestens 4 Spiele aus, so dass er frühestens nach der Bye-Week ins Geschehen eingreifen könnte. Wenn sie keine sonstigen DTs verletzen, könnte ich mir aber auch vorstellen, dass man es durch den Trainerstab eher ruhig angehen lässt.

    DE Ashton Gillotte (6-3, 270 lbs, Louisville) war der Drittrundenpick des Vorjahres. Ich muss gestehen, dass er bei mir in der letzten Saison weitgehend unter dem Radar blieb und ich einigermaßen überrascht war, dass er teamintern trotz lediglich 1,5 Sacks (immerhin: 3 TFL) und 10 Pressures (bei 47 % aller defensiven Snaps) zum Rookie of the year gewählt wurde. Seine größte Stärke ist sein unermüdlicher Einsatz („non-stop motor“), wobei er positive plays oft erst im Nachsetzen („second effort“) generiert. Für seine Größe verfügt er über einen tiefen Schwerpunkt und auch einen guten Bull Rush. Zudem ist er ein disziplinierter Laufverteidiger (Edge-Setter). An der Line ist er flexibel einsetzbar und kann auch durch die Mitte rushen. Er verfügt allerdings über keine außergewöhnliche Explosivität oder Beweglichkeit und verfügt nur über ein limitiertes Repertoire als Pass-Rush-Moves. Im Grunde wirkt er wie ein „George Karlaftis für Arme“ – und zu Karlaftis hat er auch eine enge Bindung aufgebaut. Nun ist er als Starter vorgesehen und man erhofft sich von ihm eine „breakout season“. Leider wurde er in der Vorbereitung durch einen Riss der Plantarfaszie im rechten Fuß ausgebremst, aber pünktlich zum Saisonstart ist er wieder einsatzfähig.

    DE R Mason Thomas (6-2, 241 lbs, Oklahoma) ist ein völlig anderer Spielertyp. Der Zweitrundenpick gilt als einer der explosivsten Edge-Rusher seines Jahrgangs, kann sich unter Blocks hindurchwinden („bend“) und beeindruckt ebenfalls durch enormen Einsatz. Mit einer Pass-Rush-Win-Rate von 35,1 % zählte er zu den Top 10 aller Edge-Rusher im College Football mit zuletzt 22 TFL, 15,5 Sacks und 4 Forced Fumbles in 23 Spielen. Da er natürlich für einen DE in der NFL undersized ist, liegt seine Schwäche in der Laufverteidigung, wobei er hier in der Preseason gute Ansätze gezeigt hat. Generell übertraf er in der Saisonvorbereitung alle Erwartungen und stand schon früh im Rampenlicht. Nach kurzzeitigen Hamstring-Problemen ist er zum Saisonstart ebenfalls einsatzbereit und wird vor allem bei Passing Downs erwartet.

    DE Felix Anudike-Uzomah („FAU“, 6-4, 255 lbs, Kansas State) war der 2023er Erstrundenpick der Chiefs. Er wurde in Kansas City geboren und ist ortsnah zur Highschool (in Lee’s Summit, Missouri) und ans College (Kansas State) gegangen. Er hätte zum Liebling der Fans („Local Hero“) werden können, konnte aber die Hoffnungen nicht ansatzweise erfüllen. Sein Snap Count war in den ersten beiden Jahren mit 20 % bzw. 31 % überschaubar, wobei er sich in seinem zweiten Jahr durchaus zu steigern vermochte (10 gegenüber 9 Pressures, 2,5 gegenüber 0,5 Sacks und 6 gegenüber 2 TFL). Dennoch wandelt er hart am Bust-Label. Im Vorjahr verpasste er zu allem Überfluss infolge eines schweren Sehnenrisses im Oberschenkel gleich die gesamte Saison. Wenig verwunderlich haben die Chiefs die 5th-year-option nicht gezogen. Allerdings kann ihm niemand mangelnde Motivation vorwerfen. Er hat in der Offseason hart an seiner Physis gearbeitet und gilt als explosiver als je zuvor. Bei Chiefs-Legende Tamba Hali hat er Spezialtraining genommen und bei Martial Arts versucht, seinen Handeinsatz zu verbessern. Das hat ihm jedenfalls trotz zahlreicher Neuverpflichtungen einen Platz im Roster eingebracht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, zumal er mit 24 Jahren immer noch sehr jung ist.

    DE Jack Pyburn (6-4, 258 lbs, LSU) ist als bulliger, muskulöser und einsatzfreudiger DE mit Stärken gegen die Laufverteidigung. Er vermag seinen Körper einzusetzen, Laufwege diszipliniert zu blockieren und seine starken Hände erfolgreich einzusetzen. Zudem ist er ein guter Special Teamer. Dagegen verfügt er nur über eine geringe Armlänge. Zudem wurde ihm bislang eine beschränkte Athletik mit geringen Fähigkeiten im Pass Rush nachgesagt. Insoweit setzte er allerdings mit 4 Sacks in der Preseason ein Ausrufezeichen. Da er bei den Bucs zu viele „gesetzte“ Spieler vor sich hatte, wurde er zur Freude der Chiefs gleichwohl gecuttet.


    Fazit: Auch wenn der Vergleich mit den RBs natürlich gewaltig hinkt, halte ich die D-Line für die am meisten verbesserte Unit in der Defensive. Hier haben die Chiefs hinter ihren beiden Stars in weniger als 1,5 Jahre per Draft (2025 und 2026), Free Agency und Waiver Claims viel Talent nachgeschoben und ich erwarte eine Leistungssteigerung. Es gibt sogar schon erste Überlegungen, ob man sich 2027 aus Kostengründen von Chris Jones trennen könnte, auch wenn das natürlich noch sehr spekulativ ist.

    Fazit Offense:

    Die Offense steht und fällt mit Mahomes. Die Frage, ob er zum Saisonstart zur Verfügung stehen wird, ist positiv beantwortet. Hinsichtlich der Frage, ob er wieder auf bisherigem Niveau spielen wird, bin ich auf Kaffeesatzlesen und vage Andeutungen angewiesen. Ich rechne nicht mit einer Beeinträchtigung seiner Wurffähigkeiten, aber zu seinem Spiel gehört eben auch, sich Houdini-like dem Zugriff der Passrusher zu entziehen und den Chiefs mit Scrambles wichtigen Raumgewinn und 1st downs zu verschaffen. Andeutungen von Mahomes, seinen Mitspielern und Coaches stimmen mich optimistisch. Alles andere wird man sehen.

    Die O-Line ist auf den Tackle-Spots wacklig aufgestellt. Es ist trotz der aktuellen Verletzung zu erwarten, dass LT Simmons öfter als im Vorjahr spielen wird, was ein Gewinn wäre. Auf RT sieht die Lage kritischer aus. Positiv ist allerdings, dass die Chiefs aus meiner Sicht mehr Tiefe im Kader haben.

    Das Laufspiel sollte enorm verbessert sein, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das sollte auch das Passspiel entlasten und zumindest zu einer leichten Besserung führen, selbst wenn der Kader in der aktuellen Form bestehen bleibt. Ein „Nachschlag“ auf WR könnte einen Boost darstellen.

    Insgesamt erwarte ich eine verbesserte Offense gegenüber dem Vorjahr. Dafür sprechen jedenfalls die RBs und die Änderungen in der Coaching Staff. Wie viel besser? Das ist schwer zu sagen. Nach 1-2 Spielen sollten wir immerhin erkennen können, wie es um Mahomes steht – dann wissen wir mehr.

    WR (#4 Rashee Rice, #1 Xavier Worthy, #5 2 Tyquan Thornton, #11 Jalen Royals, #13 Cyrus Allen, #81 Niko Remigio) – TE (#87 Travis Kelce, #83 Noah Gray, #12 Jared Wiley, #88 Jake Briningstool)

    2023 hatten die WR der Chiefs neben zu vielen Drops vor allem ein Problem: Sie konnten sich kaum freilaufen. Vor diesem Hintergrund verwunderte es nicht, dass die Chiefs in 2024 und 2025 vermehrt auf Speed gesetzt haben. Der Erfolg war überschaubar, was vermutlich aus einer Mischung aus unzureichender Pass Protection, Verletzungen und individuellen Defiziten beim Route Running lag.

    2025 kamen die Chiefs-WR bei 341 Targets auf 199 Catches und 2.498 Yards. Wenn man bedenkt, dass ein Top-WR in der NFL alleine typischerweise 1.500-1.800 yards erzielt, wird schon deutlich, dass hier nicht alles rund gelaufen ist. Getrennt hat man sich von Marquise „Hollywood“ Brown (49 catches bei 74 targets für 587 yards) und JuJu Smith-Schuster (33 Catches bei 45 Targets für 345 yards).

    Die zuverlässigste Anspielstation unter den WR ist eigentlich der 2023er Zweitrundenpick Rashee Rice (6-1, 203, SMU), der meist als Slot-Receiver eingesetzt wird. Schon als Rookie bekam er – angesichts des komplexen Offensivsystems der Chiefs sehr ungewöhnlich – von Anfang an Einsatzzeiten, konnte sich im Saisonverlauf sukzessive steigern und war ab der zweiten Saisonhälfte Starter. Insgesamt kam er auf 79 Catches für 938 yards (11,9 Yards/Catch) und 7 TDs. Dieses Zahlen produzierte er, obwohl er im Wesentlichen mit sehr kurzen Pässen (im Schnitt 3,8 yards downfield) bedient wurde. In den ersten drei Spielen der 2024er-Saison konnte er seine Durchschnittswerte noch etwas steigern, obwohl er primäre Anspielstation war (29 Targets, 24 catches für 288 yards). Aber dann kosteten ihn eine unglückliche Knie- und Hamstringverletzung den Rest der Saison. Vor der Saison 2025 schien er in sehr guter Verfassung zu sein, verpasste aber aufgrund einer Sperre die ersten sechs Spiele. Anschließend war er in 8 Spielen der relativ beste WR der Chiefs (53 catches bei 78 Targets für 571 yards), verlor jedoch etwas an Produktivität (10,8 yards/catch, 5 Drops). Am Saisonende fiel er wegen einer Gehirnerschütterung aus. Manche Kritiker sehen in ihm primär einen Profiteur des Spielsystems. Rice geht in sein Contract Year und strebt einen sehr gut dotierten Vertrag an. Das lässt hoffen, dass er – trotz diverser off-the-field-problems wohl dieses Mal ohne Sperre – wieder zuverlässig Raumgewinn produzieren wird.

    Der 2024er Erstrundenpick Xavier Worthy (5-11, 165, Texas) hatte sich in seiner Rookie-Saison vielversprechend entwickelt, wenn auch nicht ganz so schnell wie Rice im Jahr zuvor. Aber auch bei ihm war die zweite Saisonhälfte signifikant stärker als die erste. Seine größte Stärke ist natürlich seine Explosivität und Geschwindigkeit – 4,21 s über 40 yards bei der combine waren atemberaubend. Seine „game speed“ ist nicht ganz so herausragend, aber sehr schnell ist er ohne Zweifel. Er ist allerdings für einen NFL-WR schmächtig. Man kann ihn im Grunde entweder als Gadget Player oder als „Burner“ einsetzen. 2024 musste er nach der Rice-Verletzung dessen Rolle im Slot übernehmen. 2025 war er nahezu über die gesamte Saison angeschlagen und kam mit 42 Catches bei 73 Targets für 532 yards auf überschaubare Werte. Nach einer Operation in der Offseason schien er nun endlich befreit aufspielen zu können, aber im Trainingscamp hatte er erneut Schulterprobleme. Immerhin scheint sein Einsatz zu Saisonbeginn nicht gefährdet zu sein.

    Tyquan Thornton (6-2, 185, Baylor) war der 2022er Zweitrundenpick der Patriots, nachdem er bei der Combine in seinem Jahrgang die schnellste Zeit (4,28 s) über 40 yards gelaufen war. Das damit verbundene Potential konnte er bei den Patriots – auch verletzungsbedingt – nicht umsetzen. Bei den Chiefs hat er einige Schritte nach vorne gemacht und war 2025 der Gewinner der Vorbereitung. Gemessen daran waren 19 Catches bei 37 Targets für 438 yards eher überschaubar. Angesichts eines Schnitts von 23,1 yards/catch frage man sich gleichwohl, ob man ihn nicht öfter hätte einsetzen sollen. Allerdings benötigt man als QB auch Zeit, bis sich tiefe Routen entwickeln – Zeit, die Mahomes regelmäßig nicht hatte. Die Chiefs scheinen gleichwohl zufrieden mit ihm gewesen zu sein und haben mit ihm zu deutlich verbesserten Konditionen verlängert. Im Gegensatz zu Worthy ist er ein typischer Outside Receiver.

    Der letztjährige Viertrundenpick Jalen Royals (6-0, 195, Utah State) gilt als ähnlicher Spielertyp wie Rashee Rice. Nachdem er am College nicht gegen die großen Unis gespielt hatte und sich zudem schon früh mit einer Entzündung im Knie herumschlagen musste, verlief seine Rookie-Saison relativ enttäuschend. Nachdem er die ersten Wochen der Saison verpasst hatte, war er lediglich in 7 Spielen aktiv und wurde hauptsächlich in den Special Teams eingesetzt. 2 Catches bei 3 Targets für 4 yards als WR waren unterirdisch. Allerdings war nun in der Saisonvorbereitung ein deutlicher Entwicklungssprung zu verzeichnen: Nachdem er 2025 noch Probleme hatte, das komplexe Offensivsystem zu verstehen, beherrscht er mittlerweile das Playbook so gut, dass er auf verschiedenen WR-Positionen eingesetzt werden kann. Er wird als Backup für Rice erwartet.

    Der diesjährige Fünftrundenpick Cyrus Allen (5-11, 183 lbs, Cincinnati) war eine der positiven Überraschungen der Saisonvorbereitung und hat bislang alle Erwartungen übertroffen. Er wurde schnell zum Liebling der Coaches und Medien. Allen entwickelte schnell eine „Chemie“ mit Mahomes und überzeugte durch präzises route running, starke Hände und hervorragende Athletik. Etliche Experten erwarten ihn schon jetzt als besten Route Runner der Chiefs. Er kann vor allem enge Manndeckung schlagen, verzeichnet nur wenige Drops und fängt mutig Pässe über die Mitte. Dank guter Geschwindigkeit (4,47 Sekunden/40 yards) kann er auch aus dem Slot großen Raumgewinn erzielen. Allerdings ist er ebenfalls klein und leicht und hat dementsprechend Probleme bei Contested Catches und im Blocking. Er scheint als Backup für Thornton eingeplant zu sein.

    Nikko Remigio (5-9, 187, Fresno State) kam 2023 als ungedrafteter Rookie zu den Chiefs. Schon in der Preseason 2023 entwickelte er sich zu einem Liebling der Fans, verpasste aber seine erste Saison verletzungsbedingt. 2024 hätte ihn Dave Toub wohl gerne als Kick-Returner gehabt, konnte sich aber nicht durchsetzen, so dass Remigio das Jahr überwiegend auf der Practice Squad verbrachte. Seit 2025 hat sich Toub aber offenbar durchgesetzt. Damit hat Remigio einen Aufsteiger der Offseason – Andrew Armstrong – ausgestochen, der – für viele überraschend – lediglich auf der Practice Squad gelandet ist. Mit substantiellen Einsätzen vom Remigio als WR ist nicht zu rechnen (2025: 1 Catch bei einem Target für 21 yards).

    Auf TE hat sich wenig geändert. Die Chiefs verfügen zu meiner großen Überraschung immer noch über Travis Kelce (offiziell: 6-5, 250, Cincinnati [oder gemäß seiner Selbstvorstellung: „Cleveland Heights, Ohio“]), der seine Karriere nicht mit der losing season beenden wollte. Somit komme ich nicht umhin, erneut seine voraussichtliche Farewell-Tour anzukündigen. Der 36-jährige ist als Receiver eine Mischung aus WR und TE, kann sich von Verteidigern lösen und seinen Körper einsetzen, um den Ball abzuschirmen und auch bei Contested Catches die Oberhand behalten. Er war (ist?) damit ein Matchup-Problem für jeden Gegner, was nicht selten auch für die beliebten „yards after catch“ sorgte. Zudem ist er – was angesichts seiner Leistungen als Receiver oft untergeht, ein exzellenter Blocker. Der 2013er Drittrundenpick der Chiefs dürfte auf dem gerade Weg in die Hall of Fame sein. Wenn Mahomes improvisieren muss, vermag Kelce sich oft freizulaufen und stellt seine wichtigste Anspielstation dar. Gelegentliche Drops bei dem an sich fangsicheren Kelce lassen sich am ehesten mit Konzentrationsmängeln erklären.

    Auch an ihm nagt der Zahn der Zeit, aber nur langsam. Wenn wir einmal die von kleineren Verletzungen geprägte Saison 2023 vernachlässigen, dann spielt er seit Jahren gut 900 Snaps (2025: 902) mit einem Snap-Anteil von rund 80 % (2025: 81 %). Bei etwa gleichbleibender Anzahl an Targets (2025: 123) hat zwar die Anzahl der Receptions (2025: 76; zuvor Werte in den 90ern) nachgelassen, aber die Receiving yards (851 gegenüber 823), die Yards pro Catch (11,2 gegenüber 8,5) und die Yards after Catch (443 gegenüber 429) haben sogar zuletzt wieder leicht zugenommen. Damit war er erneut und mit Abstand der leading receiver, was natürlich kein gutes Licht auf seine deutlich jüngeren Mitstreiter wirft. Er kann sich immer noch sehr gut in Zonendeckung freilaufen, wohingegen es gegen Manndeckung schwieriger wird. Dennoch ist Kelce immer noch ein ziemlich guter und ehrgeiziger TE, der – wie im Vorjahr – wieder in sehr gutem Fitnesszustand ins Trainingscamp gekommen ist. Der frischgebackene Ehemann wird – vor allem in „Notsituationen“ – wohl bis zu seinem Abschied die Lieblings-Anspielstation von Mahomes bleiben.

    Sein vermeintlich designierter Nachfolger dürfte der 2021er Fünftrundenpick Noah Gray (6-3, 240, Duke) sein, mit dem die Chiefs zu Beginn der 2024er-Saison den Vertrag verlängert hatten. Er hatte dann auch prompt seine beste Saison mit 40 Catches bei 46 Targets für 437 yards (10,9 Yards/Catch) und 5 Tds. Leider hatte er 2025 ein schwaches Jahr mit lediglich 21 Catches bei 37 Targets für 178 yards (8,5 Yards/Catch) und ohne TD. Da er theoretisch ein Entlassungskandidat gewesen wäre (3 Mio. dead money bei knapp 4 Mio. Ersparnis), erwarten wohl auch die Chiefs wieder eine Steigerung. Das wäre auch für ihn wichtig, da er nach der Saison sogar mit 1,5 Mio. dead money bei 5,5 Mio. Ersparnis entlassen werden könnte.

    Relativ enttäuschend verläuft dagegen bislang die Entwicklung des 2024er Viertrundenpicks Jared Wiley (6-6, 249, TCU). Nach einer sehr durchwachsenen Rookie-Saison (7 Spiele, 94 Snaps, 1 Catch, Kreuzbandriss) stellte 2025 sogar noch einen Rückschritt (5 Spiele, 28 Snaps, 1 Catch für 4 Yards, diverse kleinere Verletzungen) dar. Immerhin scheint er nun die Nachwirkungen des Kreuzbandrisses endgültig überwunden zu haben und wirkte im Camp und in der Preseason so beweglich wie noch nie. So hat er dank einer Leistungssteigerung seinen Roster Spot gesichert.

    Als Hoffnungsträger und potentieller Rohdiamant gilt Jake Briningstool (6-6, 241 lbs, Clemson), der 2025 als ungedrafteter Rookie zu den Chiefs kam und im Trainingscamp für Furore sorgte, bevor er sich dort eine schwere Hamstring-Verletzung zuzog und die gesamter Rookie-Saison auf IR verbrachte. In der Offseason konnte er aber nahtlos an die guten Ansätze des Vorjahres anknüpfen. Er überzeugte mit gutem Route Running und verlässlichen Händen. In der Preseason kam er immerhin auf 5 Catches für 47 yards. Als aktueller TE #4 wird er aber hauptsächlich in den Special Teams zum Einsatz kommen.

    Fazit:

    Die Leistungen der WR waren in den letzten beiden Jahren insgesamt betrachtet enttäuschend, ohne dass man einzelnen Spielern persönlich einen großen Vorwurf machen könnte. Eine Kombination von Verletzungen und Underperformance bei ungünstigen Rahmenbedingungen (wenig Laufspiel, wenig Protection) hat sich einfach aufsummiert.

    In ihrer aktuellen Zusammensetzung sehe ich die Positionsgruppe erst einmal etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Von den erwarteten Startern Rice (keine Sperre in Aussicht, Contract Year), Worthy (Verletzung überwunden, jung) und Thornton (positive Entwicklung seit 1,5-2 Jahren) sind moderate Leistungssteigerungen zu erwarten. Royals hat sich nach schwacher Rookie-Saison erkennbar gesteigert und der 2026er Rookie Allen macht einen sehr erfreulichen Eindruck, wobei man von einem Fünftrundenpick keine Wunderdinge erwarten kann, erst recht nicht im komplizierten System der Chiefs. Das sollte den Abgang von Brown und Smith-Schuster kompensieren, zumal die Chiefs den Letztgenannten jederzeit hätten zurückholen können (oder es auch weiterhin könnten, wenn es ihnen wichtig wäre).

    Nun ist „Niveau des Vorjahres“ nichts Berauschendes. Die Chiefs haben – für viele überraschend – keinen Top-Draftpick in einen WR investiert. Bemühungen um einen bezahlbaren Veteranen (z. B. Stefon Diggs) waren erkennbar und lassen darauf schließen, dass die Chiefs selbst mit der aktuellen Situation nicht ganz zufrieden sind, haben aber nicht zum Erfolg geführt. Andererseits sind die Handlungsoptionen nun begrenzt.

    Der Elefant im Raum ist der Ex-Star-WR der Chiefs, Tyreek Hill. Er hat nach seinem Trade zu den Dolphins dort in den letzten Jahren viel Geld verdient, hatte aber nur sehr eingeschränkten sportlichen Erfolg. Ende September 2025 erlitt er gegen die Jets bei einem Tackle an der Seitenlinie eine der schwersten denkbaren Knieverletzungen: Das linke Kniegelenk sprang komplett aus der Verankerung, die Kniescheibe sprang heraus, das Knie wurde vollständig ausgekugelt, das vordere Kreuzband wurde vollständig zerfetzt und auch das Außenband (LCL) schwer beschädigt. In einer Not-Operation wurden am Folgetag das Knie gerichtet sowie Kreuzband und akute Kapselschäden repariert. Dennoch bestand die Gefahr, dass Hill nie wieder würde normal gehen können. Nach zunächst positiver Entwicklung musste Hill im Februar erneut operiert werden (Rekonstruktion des Außenbandes). Nachdem Hill und sein Agent Drew Rosenhaus sich zunächst sehr optimistisch geäußert hatten, dass Hill im Sommer 2026 wieder einsatzbereit wäre, hat sich der Heilungsprozess doch erheblich verzögert – der Heilungsprozess für den Muskel- und Bandaufbau nimmt außergewöhnlich viel Zeit in Anspruch. Hill gab im Juli an, gefühlsmäßig noch keinerlei Kraft im linken Bein zu besitzen. Er läuft zwar inzwischen wieder Passrouten, aber die Ärzte haben ihm dringend empfohlen, mit seinem Comeback noch mindestens bis Oktober zu warten.

    Trotz dieser schweren Verletzung reißen die Gerüchte über eine Rückkehr zu den Chiefs und eine Wiedervereinigung mit Patrick Mahomes nicht ab und werden von Hill in Andeutungen auch gelegentlich befeuert. Die Chiefs halten sich zwar bedeckt, aber richtige Dementi („nothing happening right now“) sehen anders aus. Sie sind auch derzeit das einzige Team, das konkret mit Hill in Verbindung gebracht wird. Ich halte es daher für einigermaßen wahrscheinlich, dass Hill mit einem teamfreundlichen (günstig, stark leistungsbezogen) Vertrag zu den Chiefs zurückkehren wird, sofern und sobald er die medizinische Freigabe erhält. Völlig unklar ist dabei, ob und ggf. wann er wieder an seine alten Sprintfähigkeiten anknüpfen könnte.

    Die Alternative könnte ein Trade für einen bezahlbaren Spieler sein. Man darf mit Gewissheit annehmen, dass GM Brett Veach den Markt sondiert. Der Hauptkandidat wäre Jerry Jeudy von den Browns, der mit einem Grundgehalt von 1,5 Mio. noch unter die Salary Cap der Chiefs passen würde. Sein Marktwert wird auf einen bedingten Viert- oder Fünftrundenpick geschätzt. Diskutiert wurde auch ein Transfer von Xavier Legette (Panthers), dessen Grundgehalt mit rund 1,9 Mio. ebenfalls zu stemmen wäre, aber da glaube ich eher, dass die Panthers ihn behalten wollen.

    Bei den TEs dürfte grundsätzlich ebenfalls mit dem Niveau des Vorjahres zu rechnen sein. Bei Kelce besteht das Risiko eines altersbedingten Rückgangs der Produktivität, wohingegen von den Backups eher etwas mehr zu erwarten wäre.

    RB (#9 Kenneth Walker III, #10 Emmett Johnson (R), #24 Brashard Smith)

    Die Chiefs sind unter Andy Reid ein passlastiges Team. Das gilt um so mehr, seitdem Mahomes das Ruder übernommen hat. Außergewöhnliche Laufstatistiken waren daher unrealistisch. Dies galt um so mehr, als die Chiefs in diese Position nur wenig Cap Space investierten.

    Allerdings war das Laufspiel in 2025 – abgesehen von Mahomes und von Hunt in Short-Yardage-Situationen – unterirdisch. Dabei war in weiten Teilen der Saison eine ordentliche Unterstützung durch die O-Line durchaus vorhanden.

    Die Laufstatistiken der reinen RBs der letzten Jahre zeigen eine deutlich negative Tendenz:

    2022: 313 Läufe für 1.423 Yards (4,5 yards/carry) und 9 TDs

    2023: 296 Läufe für 1.218 Yards (4,1 yards/carry) und 11 TDs

    2024: 359 Läufe für 1.313 Yards (3,7 yards/carry) und 9 TDs

    2025: 336 Läufe für 1.247 Yards (3,7 yards/carry und 9 TDs)

    Hinzu kommt, dass sich die Verteidigungsformationen auf das zunehmend passlastige Spiele in der NFL besser eingestellt haben. Man verteidigt mit leichten boxes primär gegen den Pass und setzt darauf, dass man das Laufspiel schon irgendwie stoppen wird. Gegen die Chiefs hat das zuletzt sehr gut funktioniert, aber es ist eine generelle Entwicklung in der NFL.

    Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass diesbezüglich bei den Chiefs kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Mit Ausnahme des letztjährigen Rookies Brashard Smith ist kein RB-Coach und kein RB aus 2025 mehr im Team.

    Kenneth Walker III (5-9, 211 lbs, Michigan State) war die Neuverpflichtung der Chiefs in der Free Agency. Für ihn hat man viel Cap Space geopfert. In „normalen“ Jahren ist er bislang für die Seahawks rund 220 Mal für rund 1000 yards gelaufen (2025: 221 Rushes für 1027 yards). Diese Workload lag für einen Starter eher im unteren Bereich. Sein Karriere-Schnitt liegt bei 4,3 yards/Lauf, wobei 2024 verletzungsbedingt ein schwächeres Jahr war. Walker ist explosiv und schnell (4,38 s/40 yards). Er ist kaum noch einzuholen, wenn er die zweite Verteidigungsreihe durchbrochen hat, verfügt über schnelle Jump-Cuts und eine hervorragende Contact Balance, weswegen er viele Tackles bricht. Dabei ist er kompakt und robust gebaut und verliert selten den Ball. Er hat auch im Schnitt etwa 2 Pässe pro Spiel gefangen, was die Chiefs sicherlich ausbauen wollen. Allerdings ist er infolge seines physisch-explosiven Stils auch maßvoll verletzungsanfällig, hat gewisse Defizite im Passblock. Zudem neigt er dazu, aus geplanten Spielzügen auszubrechen und das big play zu suchen, statt sichere 2-3 yards mitzunehmen, wodurch er häufig für Raumverlust gestoppt wird.

    Emmett Johnson (5-10, 202 lbs, Nebraska) wird als erster Backup erwartet, der auch substantiell Einsatzzeiten bekommen soll. Er ist beweglich und agil, verfügt ebenfalls über schnelle jump-cuts und sorgte für viele verpasste Tackles. Für einen Rookie verfügt er über Geduld und Spielübersicht, die aber in der NFL noch ausbaufähig sind. Da er früher WR gespielt hat, kommt er auch unproblematisch als Passempfänger in Betracht. Auch er ist extrem ballsicher (1 Fumble in der College-Saison 2025). Anders als Walker verfügt er nicht über „home run speed“ (4,56 Sekunden/40 yards) und neigt wie dieser dazu, nach außen auszubrechen und das big play zu suchen, was in der NFL noch häufiger zu Raumverlust führen wird. Zudem ist er für einen NFL-Runningback eher schmächtig gebaut. Er galt als unzuverlässiger Blocker, soll sich hier aber nach letzten Äußerungen der Coaches deutlich gesteigert haben.

    Brashard Smith (5-10, 196 lbs, SMU) war der 2025er Siebtrundenpick der Chiefs. Seine Rookie-Saison verlief solide, aber unauffällig. Er kam vor allem als ST-Player zum Einsatz und hatte insgesamt lediglich 44 Läufe für 151 yards, zudem 25 catches (bei 35 Targets) für 172 yards. Smith ist sehr schnell (4,39 Sekunden/40 yards) und kann vielen Verteidigern im offenen Feld einfach davonlaufen oder sie mit Spin-Moves aussteigen lassen. Auch er war früher WR, verfügt über erstklassige Hände und ein sauberes Route-Running. Zudem ist er ein hochtalentierter Returner. Dem stehen eine deutlich unterdurchschnittliche Physis, vergleichsweise wenig Erfahrung als RB und Schwächen in der Pass Protection gegenüber.

    Fazit: Verbessertes Laufspiel und generell mehr Produktivität der RBs war offensichtlich eine klare Priorität der Chiefs in der Offseason. Dies sollte zumindest in der Offense – möglicherweise sogar insgesamt – die am meisten verbesserte Positionsgruppe in der Offense sein. Viel wird davon abhängen, ob man durch verbessertes Laufspiel die Gegner zwingen kann, weniger auf light boxes zu setzen mit der Folge, dass dann wieder die Chancen für erfolgreiches Passspiel steigen.

    QB (#15 Pat Mahomes, #6 Justin Fields, #19 Garrett Nussmeier (R))

    Pat(rick) Mahomes (6-2, 225, Texas Tech) galt nach überwiegender Auffassung von 2018 bis 2020 als der beste Spieler auf der wichtigsten Position in der NFL. 2021 waren die Werte etwas schwächer, 2022 wurde er wieder MVP. In den letzten drei Jahren waren die Statistiken – für seine Verhältnisse – nicht so berauschend. Im letzten Jahr brach auch noch die Completion Rate um fast 5 Prozentpunkte auf 62,7 % ein, wohingegen die meisten anderen statistischen Daten (unter Berücksichtigung von verletzungsbedingt lediglich 14 Spielen) auf dem Niveau von 2023 und 2024 blieben. Das ist aber m. E. auf die mangelnde Unterstützung durch O-Line, Laufspiel und WR zurückzuführen. So war beispielsweise die durchschnittliche Pocket Time mit 2,2 Sekunden die kürzeste seiner Karriere Letztlich hat Mahomes die Offense trotz dieser ungünstigen Rahmenumstände bis zu seiner Verletzung getragen, immer wieder in kritischen Situationen 1st downs erlaufen und so die Chiefs im Spiel gehalten. Trotz der Verletzung waren 52 Scrambles ebenso wie 6,6 yards pro Laufversuch Höchstwerte in seiner Karriere. Nun kommt Mahomes von einer schweren Verletzung zurück und hat in der Preseason keinen Snap gespielt. Coach und Mitspieler sagen zwar, dass er wieder ganz der Alte sei, aber „die Wahrheit liegt auf dem Platz. Dennoch bin ich optimistisch: Mahomes ist enorm ehrgeizig, diszipliniert und (für einen QB) ein harter Hund. Er hat sich weniger als 48 Stunden nach seiner Verletzung in einer Spezialklinik operieren lassen und am nächsten Tag die Reha begonnen. Die Intensität seines Reha-Trainings muss atemberaubend gewesen sein. Alle Meldungen waren positiv („way ahead of schedule“). Schon im Frühjahrscamp war er – mit schützender Beinschiene – gegen alle Prognosen schon wieder dabei. Zu Beginn des Trainingscamps hatte er die volle Freigabe. Er trainiert ohne Einschränkungen und würde schon seit Wochen spielen, wenn ihn Andy Reid nicht bremsen würde. Wenn es einer schafft, dann Mahomes.

    Justin Fields (6-3, 227 lbs, Ohio State) ist in erster Linie ein günstiger und erfahrener Spieler. Positiv ist, dass er 2024 und 2025 die Anzahl seiner Interceptions mit jeweils 1 sehr gering halten konnte. Aber er wird häufig gesackt, verliert den Ball durch Fumbles und ist ansonsten auch nicht entfernt in Mahomes’schen Sphären. Wenn er mehr als ein paar Drives übernehmen muss, wird es ohne erhebliche Unterstützung von Laufspiel und Defense nicht funktionieren.

    Garrett Nussmeier (6-1, 205 lbs, LSU) ist ein talentierter junger QB, der in erster Linie lernen soll. Im Normalfall gelangt er höchstens als Emergency-QB in den aktiven Kader. Es ist schwer vorstellbar, dass Andy Reid freiwillig einem Rookie auch nur die Backup-Rolle überlässt. Bei idealen Umständen könnte man ihn vielleicht in einem potentiell bedeutungslosen Spiel am Saisonende einsetzen. Wenn er 2027 der Backup wäre, wäre viel sehr gut gelaufen.


    Fazit: Sehr viel hängt davon ab, ob Mahomes nach der gravierenden Verletzung schnell wieder zumindest nahe an seine Bestform herankommt. Das halte ich durchaus für realistisch möglich. Letztlich ist er der eine Spieler, dessen Ausfall die Chiefs nicht ansatzweise kompensieren können. In den letzten Jahren haben weder Blaine Gabbert noch Carson Wentz oder Gardner Minchew als Backups überzeugen können. Justin Fields hat natürlich auch Potential, aber bislang wenig konkreten Anlass für Hoffnung gegeben. Bei Garrett Nussmeier besteht Hoffnung, aber realistisch noch nicht für die aktuelle Saison.

    Kader


    Offense
    Dieses Jahr fange ich mal mit der O-Line an, weil von den diesbezüglichen Problemen und Lösungen viel abhängt.

    OL (#71 LT Josh Simmons, #76 LG Kingsley Suamataia, #52 C Creed Humphrey, #65 RG Trey Smith, # 77 RT Jaylon Moore, #70 G/T Kahlil Benson (R) # 66 G Mike Caliendo, # 64 C/G Hunter Nourzad, #73 G/T Joshua Ezeudu, #61 T Diego Pounds (R))

    In die O-Line investieren die Chiefs seit Jahren Draftpicks und Capspace, aber nur mit gemischtem Erfolg. Der möglicherweise größte Fehlgriff war Jawaan Taylor, den die Chiefs 2023 für 80 Mio./4 Jahre verpflichteten, wobei 60 Mio. garantiert waren. Die damit verbundenen Erwartungen konnte er bei weitem nicht erfüllen. Er ist zwar ein guter Passblocker (Pass Block Win Rate von 95 % in 2025, #7 unter allen OTs), verursacht aber zu viele Penalties und ist ein schwacher Run-Blocker. Das Kapitel ist nun zumindest beendet.

    Anker der O-Line ist All-Pro-Center Creed Humphrey (6-4, 302 lbs, Oklahoma), der seit seiner Rookie-Saison (2021) gesetzt ist. Er hatte auch 2025 wieder (gemeinsam mit seinem Ex-Teamkollegen Joe Thuney) mit 98 % die höchste Pass Block Win Rate aller Interior Linemen. Auch sein PFF-Grade war mit 88,1 unter allen qualifizierten Centern auf #1. Das war für ihn gleichwohl ein „down year“, denn im Vorjahr hatte er mit 92,4 mit weitem Abstand den ersten Platz belegt. 2025 erlaubte er bei 742 Pass-Snaps immerhin 8 Pressures und einen Sack.

    RG Trey Smith (6-6, 321 lbs, Tennessee) ist neben ihm eine Bank, auch wenn seine 2025er Saison nicht die beste war. Er kam aber immer noch auf eine PBWR von 93,3 % (#10 aller Guards) und einen PFF-Grade von 78,0 (ebenfalls #10).

    Bei Humphrey und Smith haben zudem Penalties einen Seltenheitswert – jeweils 2 in der abgelaufenen Saison, von denen eine abgelehnt wurde.

    Kingsley Suamataia (6-4, 326 lbs, BYU) kam nach seinem Wechsel von LT auf LG wesentlich besser zu Recht und hat dort eine neue Heimat gefunden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und schwachen Pass-Block-Noten zu Saisonbeginn stabilisierte er sich ab Woche 4 massiv und entwickelte sich zu einem zuverlässigen Guard. Sein PFF-Grade von 64,9 lag über die gesamte Saison bereits im guten Mittelfeld (#36 von 81 Guards). Auch mit 5 Penalties (4 akzeptiert) kann man leben. Von ihm ist eine weitere (leichte) Steigerung zu erwarten.

    Schwieriger ist die Situation auf den OT-Positionen. Der letztjährige Erstrundenpick LT Josh Simmons (6-5, 310 lbs Ohio State) verpasste 4 Spiele wegen familiärer Angelegenheiten und mehr als 5 Spiele verletzungsbedingt am Saisonende, stand also nur für weniger als 8 Spiele (526 Snaps) wirklich auf dem Platz. Hierbei erlebte er die klassische Achterbahnfahrt eines jungen Tackles mit tollen Szenen einerseits und Rookie-Fehlern andererseits. Schwachstellen waren sein Run-Blocking (PFF-Grade 48,1) und relativ viele Penalties (8). Sein Elite-Potential deutete er im Pass-Blocking (PFF-Grade 75,5) an und erlaubte bei 367 Pass-Block-Snaps nur 18 Pressures und 2 Sacks. Interessant ist in diesem Zusammenhang seine hohe „Island Rate“ (Situationen ohne Hilfe von RB oder TE) von 70,3 %, welche ein Indiz für das große Vertrauen in seine Fähigkeiten als Passblocker darstellt.

    Auf RT hatte man nach der Entlassung von Taylor eigentlich mit einem Zweikampf zwischen Jaylon Moore und einem stark verbesserten Esa Pole gerechnet. Doch dann wurde Pole überraschend von Benson überholt, der seinerseits um die Starter-Position kämpfte, und zum Schluss verpflichteten die Chiefs auch noch Diego Pounds mit der Folge, dass Pole seine Chancen schwinden sah und sich schließlich der Practice Squad der Commanders anschloss.

    Starting RT dürfte voraussichtlich Jaylon Moore (6-4, 311 lbs, Western Michigan) sein, der im Vorjahr für 30 Mio./2 Jahre verpflichtet und eigentlich als LT eingeplant war, diesen Spot dann aber an den überraschende gedrafteten Simmons verlor. Moore fungierte dann primär als Swing Tackle und kam aufgrund der zahlreichen Ausfälle zu vielen Einsätzen (insgesamt 427 Snaps), bis er sich selbst verletzte. Seine Leistungen lagen eher auf solidem Backup-Niveau, z . B. mit 27 Pressures und 3 Sacks in 6 Starts und einem PFF-Grade von ca. 63, was ein spürbarer Abfall gegenüber der Vorsaison bei den 49ers (74,9) war. Moore spielt äußerst diszipliniert und hat in seiner gesamten Karriere kaum Penalties zugelassen (keine in 2024 und 2025). Dennoch war er gemessen an seinem Gehalt eine Enttäuschung.

    Ihm im Nacken sitzt der ungedraftete Rookie Kahlil Benson (6-6, 319 lbs, Indiana). Er ist wahrscheinlich die größte Cinderella Story der Chiefs: Er bekam zunächst nur ein Tryout für das Rookie-Minicamp, überzeugte aber schnell durch seine Physis (6-6, 319 lbs), seine Athletik, seine starken Hände, seine Auffassungsgabe („Er macht denselben Fehler normalerweise nicht zweimal“) und seinen Ehrgeiz. Aber er ist natürlich sehr „raw“. Für Benson spricht zudem, dass er auch als Guard eingesetzt werden kann (und in der Preseason auch wurde).

    Eine ähnliche, aber etwas weniger dramatische Cinderella Story war 2022 auch OG Mike Caliendo (6-4, 301 lbs, Western Michigan), allerdings im ersten Jahr in der Practice Squad und erst im zweiten Jahr im Kader. Er ist aber realistisch nicht mehr als ein günstiger Backup. So kam er 2025 aufgrund der zahlreichen Verletzungen vermehrt zum Einsatz (423 Snaps), belegte aber mit einem PFF-Grade von 54,7 lediglich Rang 59 von 81 Guards. Seine Stärke liegt zudem im Run-Blocking, wohingegen er 21 Pressures, 4 Hits und 2 Sacks zuließ und auch 4 Penalties verschuldete. Gerade gegen Top-Passrusher stößt er schnell an seine Grenzen.

    Schwer zu bewerten ist C/OG Hunter Nourzad (6-3, 317 lbs, Penn State), der aufgrund der großen Konstanz von Creed Humphrey nur selten zum Einsatz kommt. So kam er trotz der vielen Verletzungen und eines Starts gerade einmal auf 92 offensive Snaps (davon 64 beim Start in Woche 18) und 44 ST-Snaps. Dabei kam er allerdings auf eine solide Gesamtnote von 60,1 (PFF) und verursachte keine Strafe. Auch wenn man die Aussagekraft der Preseason nicht überschätzen sollte, ist jedenfalls erwähnenswert, dass Nourzad mit einer Gesamtnote von 90,2 (PFF) der am besten bewertete Spieler der Chiefs war und bei 88 Pass-Block-Snaps keinen einzigen Pressure zuließ. Er könnte auch in „Jumbo-Sets“ mit zusätzlichem O-Liner vermehrt zum Einsatz kommen.

    Zudem haben die Chiefs kurz vor Saisonbeginn mit zwei Trades die Situation hinsichtlich der O-Line noch einmal tüchtig durcheinander geworfen.

    G/T Joshua Ezeudu (6-4, 310 lbs, North Carolina) war der 2022er Drittrundenpick der Giants. Dort absolvierte er 33 Spiele (10 als Starter) auf LG (317 Snaps) und LT (402 Snaps). Sein PFF-Grade lag 2024 bei verletzungsbedingt lediglich 182 offensiven Snaps bei 62,7 (2 Sacks, 3 Strafen), was eine enorme Steigerung gegenüber 2023 (PFF-Grade 42,4, 5 Sacks, 7 Hurries, 12 Pressures) darstellte. 2025 verpasste er die gesamte Saison wegen einer Wadenverletzung. In der Preseason zeigte er sich bei 74 Snaps auf RG/RT fehlerfrei (100 % Pass-Blocking Efficiency, 0 Pressures). Er ist sehr athletisch und vielseitig einsetzbar. Er ist primär als Guard eingeplant, stellt aber auch eine Absicherung auf T dar.

    T Diego Pounds (6-6, 325 lbs, Ole Miss) war in den letzten beiden Jahren unumstrittener Starter auf LT bei Ole Miss. Trotz seiner enormen Physis wurde er nicht gedraftet, hatte eine sehr gute Preseason bei den Ravens mit einem PFF-Grade von 90,9 und makellosen 0 Pressures bei 26 Pass-Block-Snaps.

    Aktuell leidet LT Josh Simmons schon seit einiger Zeit unter einer schmerzhaften Entzündung im Rücken. Die Teamärzte haben ihm wohl die Freigabe erteilt, aber Simmons fühlt sich dabei nicht gut und hat eine Zweitmeinung eingeholt. Die Chiefs glauben, dass er eigentlich mit dem Schmerz spielen könnte, respektieren aber seine Einschätzung. Das führt natürlich zu gewissen Unstimmigkeiten, aber letztlich kann niemand in den Körper eines anderen hineinfühlen. Im praktischen Ergebnis wird Simmons mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens für das erste Spiel ausfallen, wobei es durchaus noch mehr werden können. Derzeit scheint geplant zu sein, dass Kahlil Benson auf LT startet, was insofern riskant ist, als er auf dieser Position zwar schon trainiert, aber noch nie in einem regulären Spiel einen Snap genommen hat. Hinter ihm dürfte Diego Pounds die Absicherung sein. Die Alternative wäre ein Einsatz von Moore auf LT und Benson auf RT.

    Fazit: In gesundem Zustand haben die Chiefs von LT bis RG vier sehr vernünftige Spieler. Auf RT ist man bestenfalls durchschnittlich besetzt und muss hoffen, dass Benson weiter Fortschritte macht. Wenn Simmons längere Zeit ausfällt, dürfte man ein Problem haben. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Chiefs nach den letzten Trades mit mehr Tiefe als im Vorjahr in die neue Saison gehen.

    Exclusive Rights Free Agents:

    Die Verträge von

    WR/Returner Nikko Remigio

    P Matt Araiza

    wurden jeweils zum maßgeblichen Mindestgehalt (1,075 Mio.) per Tender um ein Jahr verlängert.


    Vertragsverlängerungen:

    • QB Patrick Mahomes verlängerte seinen Vertrag um zwei Jahre bis einschließlich 2033. Der Deal umfasst von 2026 bis 2033 insgesamt 504,75 Mio.

    • Travis Kelce verlängerte formal betrachtet für 57,7 Mio./3 Jahre. Allerdings ist der Vertrag so strukturiert, dass er faktisch nach jedem Jahr beendet werden kann. Garantiert sind lediglich 12 Mio. Alles andere als ein Karriereende nach der 2026er-Saison wäre eine große Überraschung.

    • LS James Winchester verlängerte für 1,75 Mio./1 Jahr und ist damit in seiner 12. NFL-Saison bestbezahlter Longsnapper der NFL

    • OG Mike Caliendo hat für 1,35 Mio./1 Jahr verlängert.

    • LB Jack Cochrane hat für 1,41 Mio./1 Jahr verlängert.

    • WR Tyquan Thornton hat für 11-14 Mio./2 Jahre verlängert.


    Offene Vertragsverhandlungen

    Aktuell stehen keine dringenden Vertragsverhandlungen an.


    Neuverpflichtungen (Free Agents)

    RB Kenneth Walker III (Seahawks, 43-45 Mio./3 Jahre)

    Walker spielte am College für Wake Forest (2019-2029) und Michigan State (2021). Er war 2022er Zweitrundenpicks der Seahawks. Mit Ausnahme des von Verletzungen geplagten Jahres 2024 erzielte er im Schnitt etwa 1000 Yards pro Saison. Sein Karriere-Schnitt liegt bei 4,3 yards/Lauf. Bekannt wurde er vor allem durch 135 yards im Superbowl, die ihm den MVP einbrachten. Er ist explosiv, kann Tackles brechen und auch Pässe fangen.

    S Asai Alohilaniokala „Alohi“ Gilman (Ravens, 24,75 Mio./3 Jahre)

    Gilman spielte am College zunächst für die Navy (2016) und dann bei Notre Dame (2017-2019). Er war 2020er Sechstrundenpick der Chargers, wo er zunächst hauptsächlich als Backup und seit 2023 – abgesehen von verletzungsbedingten Ausfällen – als Starter fungierte. Er wurde nach 5 Spielen der 2025er-Saison zu den Ravens getradet. ist hauptsächlich ein klassischer Free Safety, kann aber nahezu jede DB-Position oder sogar als LB-Hybrid spielen. Neben seiner Vielseitigkeit zeichnet er sich durch Spielintelligenz, Einsatz („Mentalitätsspieler“) und Führungsqualitäten aus. Defizite liegen in den Bereichen Athletik, Geschwindigkeit, Physis (5-10) und Verletzungsanfälligkeit.

    DT Khyiris Tonga (Patriots, 21 Mio./3 Jahre)

    Tonga spielte am College bei BYU (2017-2020) und war 2021er Siebtrundenpick der Bears. Trotz seiner enormen Physis (6-2, 335 lbs) war er ein Journeyman und schaffte erst im Vorjahr mit immerhin 8 Starts für die Patriots den Durchbruch. Seine Stärke ist die Laufverteidigung, wobei er häufig zwei Blocker bindet. Das sorgt für Begeisterung von Chris Jones, der sich geradezu euphorisch über Tongas Verpflichtung geäußert hat. In Short-Yardage-Situationen kann man ihn auch als FB einsetzen.

    CB L’Jarius Sneed (Titans, bis 5 Mio./1 Jahr)

    Sneed war nach seiner Zeit bei Louisiana Tech (2016-2019) der 2020er Viertrundenpick der Chiefs. Er war praktisch von Anfang an Starter, flexibel outside und im slot einsetzbar und spätestens ab seiner dritten Saison der Top-CB der Chiefs. Nach dem Ablauf seines Rookie-Vertrages (und belegt mit der Franchise Tag) wechselte er – im Wesentlichen für einen Drittrundenpick – 2024 zu den Titans und unterschrieb dort für 76,4 Mio./4 Jahre einen Top-Vertrag. Dort konnte er die Erwartungen in zwei von Verletzungen (Knie, Quadrizeps) geprägten Jahren nicht ansatzweise erfüllen und wurde schließlich im März entlassen. Nun kehrt er „nach Hause“ zurück. Er kennt das System von Spagnuolo und fungiert als erfahrener Leader im Teams. Aufgrund seiner physischen Härte ist er als Starter im Slot vorgesehen.

    CB Kader Kohou (Dolphins, 1,8 Mio/1 Jahr)

    Kohou wurde in der Elfenbeinküste geboren, wuchs aber in Texas auf und spielte bei Texas A&M-Commerce (2016-2021). Er kam 2022 als ungedrafteter Rookie in die NFL und war bis 2025 im Kader der Dolphins, wobei er sich früh einen Stammplatz erkämpfte, die letzte Saison aber mit einem Kreuzbandriss verpasste. Er war eine der frühen Neuverpflichtungen der Chiefs und galt als naheliegender Starter im Slot, konnte sich aber letztlich nicht einmal einen Roster Spot sichern. Nun ist er auf der Practice Squad gelandet.

    DE Emmanuel Ogbah (Dolphins)

    Der in Nigeria geborene Ogbah wuchs in Texas auf und spielte im College bei Oklahoma State (2012-2015). Er war 2016er Zweitrundenpick der Browns und wurde bald zum Starter. 2019 kam er (im Tausch gegen S Eric Murray) zu den Chiefs, musste aber den Rest der Saison nach Woche 10 mit gerissenem Brustmuskel aussetzen. Ab 2020 verbrachte er die besten Jahre seiner Karriere bei den Dolphins. 2025 wechselte er zu den Jaguars, wo er eine durchwachsene Saison hatte. Nachdem der Kontakt zu Spagnuolo nie abgerissen war und die Chiefs auch schon in der Vergangenheit interessiert waren, kehrte Ogbah Anfang August kehrte zu den Chiefs zurück. Auch er konnte sich keinen Platz im Roster erkämpfen, ist aber auf der Practice Squad gelandet.


    Trades (Neuzugänge)

    QB Justin Fields kam im März für einen Sechstrundenpick 2027 von den Jets. Für die Chiefs ist sein Vertrag (3 Mio./1 Jahr) sehr günstig, weil die Jets noch 8 Mio. übernehmen. Denn sie hatten ihm für 2026 noch 10 Mio. vertraglich garantiert.

    Fields ist ein Dual-Threat-QB. Nach einer erfolgreichen College-Karriere bei Georgia und vor allem bei Ohio State wurde er 2021 von den Bears in der ersten Runde (#11) gedraftet, konnte aber die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen. Nach seinem Trade zu den Steelers hatte er dort 2024 bei beschränkten Einsatzzeiten seine beste Saison (65,8 % Completions, 6,9 yards/attempts, 62 Läufe für 289 yards) einen besseren Eindruck und wurde prompt für 40 Mio./2 Jahre von den Jets als Starter verpflichtet, wo er überwiegend enttäuschte und die Saison verletzungsbedingt auf IR beendete.

    OL Joshua Ezeudu kam Ende August für einen Siebtrundenpick 2028 von den Giants und spielt noch ein Jahr unter seinem Rookie-Vertrag. Nach seiner Collegezeit bei North Carolina (2018-2021) war er 2022 ein Drittrundenpick, schaffte aber verletzungsbedingt (Zehenverletzung 2023, Wadenverletzung 2025) nie den Durchbruch. Seine Stärke ist seine vielseitige Einsetzbarkeit auf allen Positionen außer Center.

    OT Diego Pounds kam Ende August für einen Sechstrundenpick 2028 von den Ravens. Auch er spielte am College zunächst bei North Carolina (2021-2023), die letzten beiden Jahre aber bei Ole Miss. Er kam als ungedrafteter Rookie ins Trainingscamp der Ravens und machte in der Preseason einen guten Eindruck. Die Chiefs haben seinen Dreijahresvertrag über gut 3,1 Mio. übernommen. Er verfügt über eine enorme Physis (6-6, 330 lbs).


    Ungedraftete Rookies

    Von den eigenen undraftet Free Agents haben es OL Kahlil Benson (Indiana) und S Xavier Nwankpa (Iowa) in den Kader geschafft.

    OL Kahlil Benson (6-6, 321 lbs) spielte am College in Indiana (2020-23), Colorado (2024) und wieder Indiana (2025), wo er als Starter auf RT sensationell die Collegemeisterschaft gewann. Nach der Draft wurde er nicht einmal als regulärer undraftete Free Agent verpflichtet, sondern erhielt lediglich eine Einladung zu einem Tryout, überzeugte dort aber so sehr, dass er gleich einen Dreijahresvertrag über 3,1 Mio. erhielt. Er gilt als physischer „mauler“ mit starken Händen, aber er ist noch „raw“ und muss an seiner Technik arbeiten.

    S Xavier Nwankpa (6-2, 208 lbs) spielte am College in Iowa. Er galt als eines der Top-Talente aus der Highschool, zeigte aber erhebliche Leistungsschwankungen und wurde nach seinem letzten Jahr ins 3rd-Team All-Big Ten gewählt. Er ist schnell (4,48 s/40 yards), wurde aber für mäßige play recognition und schlechte Winkel gegen den Lauf kritisiert. Nwankpa entschied sich wegen des Erfolgs bei der Entwicklung junger DBs unter verschiedenen Angeboten bewusst für die Chiefs und erhielt früh einen Dreijahresvertrag. Nach überraschend gutem Trainingscamp konnte er sich ebenfalls einen Roster Spot sichern.

    Ebenfalls im Kader stehen mit EDGE Jack Pyburn (bislang Buccs) und DT Bryson Eason (bislang 49ers) zwei waiver claims.

    EDGE Jack Pyburn (6-4, 258 lbs) spielte am College für Florida (2022-2024) und LSU (2025). Er gilt als guter Laufverteidiger und fiel in der Preseason durch vier Sacks auf. Er wird für seinen unermüdlichen Einsatz („High Motor“) und seine Fähigkeiten als Edge Setter gelobt. Als ehemaliger Ringer vermag er seine Kraft funktional einzusetzen. Problematisch sind seine kurzen Arme, ein geringes Passrush-Repertoire und geringe Athletik und Beweglichkeit.

    DT Bryson Eason (6-2, 323 lbs) spielte am College für Tennessee (2020-2025), zunächst als LB und später als DT. Er war zuletzt 3 Jahre Starter und nicht verletzungsanfällig. 2026 erhielt er eine Einladung zum Senior Bowl. In der Preseason machte er einen guten Eindruck. Er kommt trotz seiner Masse tief in den Block und ist erstaunlich explosiv bei exzellenter Fitness. Allerdings hat er Schwächen gegen Double Teams und strahlt kaum Gefahr als Passrusher aus.

    Immerhin auf die Practice Squad haben es RB Jadyn Ott, WR Omari Evans, C Pete Nygra, CB D’Arco Perkins-McAllister und S DeShon Singleton geschafft.

    Spieler (wichtige Verträge, Trades und Entlassungen)


    Entlassung/keine Vertragsverlängerung

    CB Jaylen Watson ging für 51 Mio./3 Jahre zu den Rams

    Watson war nach seiner Verletzung in 2023 in der Saison 2024 noch nicht ganz in Form, was er aber 2025 nachholte und zum klaren #2-CB der Chiefs wurde. Den Lohn erntete er nun mit einem lukrativen Vertrag der Rams.

    S Bryan Cook geht für 40,25 Mio./3 Jahre zu den Bengals

    Cook war der stärkste Safety der Chiefs in 2025 und konnte nach Ablauf seines Rookie-Vertrages ebenfalls einen schönen Lohn ernten.

    QB Gardner Minshew geht für 5,75-8,25 Mio./1 Jahr zu den Cardinals

    Minchew kam nach der Mahomes-Verletzung eingeschränkt zum Einsatz, konnte aber nicht wirklich überzeugen und hat einen leistungsbezogenen Vertrag in Arizona unterschrieben.

    RB Isiah Pacheco zu den Lions (1,81 Mio./1 Jahr)

    Pacheco konnte seine guten Ansätze aus der Rookie-Saison leider nie weiter ausbauen, sondern wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Leider ist sein charakteristischer „wütender“ Laufstil auch nicht gerade dazu geeignet, Verletzungen vorzubeugen. Bei den Lions erhält er eine weitere Chance, ist aber aktuell schon wieder auf IR und verpasst mindestens 4 Spiele.

    RB Kareem Hunt (vertragslos)

    Hunt kam im Vorjahr bei 163 runs auf 611 yards (3,7 yards/carry). Sein längster Lauf (33 yards) zeigt schon, dass die Explosivität fehlte. Er ist extrem ballsicher und war stark in short-yardage-Situationen. Ich hätte ihn mir bei den Chiefs zurück gewünscht, aber rational betrachtet haben die Chiefs wohl die bessere Entscheidung getroffen. Zuletzt hatte Hunt ein Probetraining bei den Lions, steht aber weiter vertragslos da.

    RB Elijah Mitchell ging zu den Eagles (1,2 Mio./1 Jahr, jetzt auf IR)

    Mitchell war erfolgreich bei den 49ers, dann aber 2024 verletzt. Bei den Chiefs war er 2025 eine maximale Enttäuschung und schaffte es mit Ausnahme eines einzigen Spiels nicht einmal in den aktiven Kader.

    CB Joshua Williams ging für 6.75 Mio./2 Jahre zu den Titans, jetzt auf IR (Brustmuskelverletzung)

    Williams war der 2022er Viertrundenpick der Chiefs. Dort blieb er immer Backup und hatte Schwierigkeiten, mit seinem Draftkollegen Jaylen Watson (Siebtrundenpick des gleichen Jahrgangs) mitzuhalten. 2025 kam er fast nur noch in den Special Teams zum Einsatz.

    LB Leo Chenals geht für 24,75 Mio./3 Jahre zu den Commanders

    Chenal hat sich nach seiner Draft gut entwickelt. Er war hinter Bolton und Tranquill dritter LB der Chiefs, sehr stark gegen den Lauf und insgesamt eine flexible Allzweckwaffe. Die Chiefs hätten ihn gerne behalten, aber nach dem Ablauf des Rookie-Vertrages gab es in der Hauptstadt deutlich mehr Geld zu verdienen.

    DT Malik Herring geht zu den Dolphins (1,7 Mio./1 Jahr)

    Herring war 5 Jahre lang bei den Chiefs, aber im Wesentlichen an der Grenze zwischen Backup und Practice Squad. Im März unterschrieb er zunächst bei den Titans, fiel aber den finalen Roster Cuts zum Opfer. Nun haben ihn die Dolphins verpflichtet.

    DT Derrick Nnadi ging zu den Colts, wurde dort aber entlassen

    Nnadi war der 2018er Drittrundenpick der Chiefs. Obwohl er die Hoffnungen nie so richtig zu erfüllen vermochte und man seit vielen Jahren mit seiner Entlassung rechnete, wurde er letztlich immer wieder verpflichtet. Das Highlight der Kuriosität gab es im Vorjahr, als er zunächst entlassen und von den Jets verpflichtet wurde, die Chiefs ihn dann aber per Trade zurückholten. Im März 2026 unterschrieb er bei den Colts, fiel aber den finalen Roster Cuts zum Opfer und ist nun Free Agent.

    DL Charles Omenihu geht für 4-7 Mio./1 Jahr zu den Commanders

    Omenihu wurde 2019 von den Texans gedraftet, wurde dann zu den 49ers getradet und unterschrieb schließlich 2023 bei den Chiefs, wobei er für 6 Spiele gesperrt war. Er ist groß, hat eine riesige „wingspan“, ist flexibel in der DL einsetzbar und produziert QB-Pressures. Aber er hat Schwächen gegen den Lauf und ist nicht außergewöhnlich explosiv. 2023 spielte er gut, riss sich aber im AFC Championship Game das Kreuzband. 2024 war er weitgehend auf der PUP-Liste und wurde erst Ende November aktiviert. 2025 suchte er einen besser dotierten Vertrag und kehrte schließlich zähneknirschend für bis zu 7 Mio./1 Jahr zu den Chiefs zurück. Seine Leistungen waren okay, aber für die Chiefs nicht gut genug, um ihn erneut zu verpflichten.

    WR Marquise „Hollywood“ Brown ging zu den Eagles (bis zu 6,5 Mio./1 Jahr)

    2024 kam Brown hochmotiviert zu den Chiefs, zog sich aber im ersten Play der Preseason eine Schlüsselbein-/Schulterverletzung zu, die sich mit der Zeit als immer schwerwiegender darstellte. Er fiel fast die gesamte Saison aus und war dann – auch in den Playoffs – ein Schatten seiner selbst. 2025 war er halbwegs fit und zeigte akzeptable Leistungen, ohne aber die in ihn gesetzten Hoffnungen zu erfüllen. Nun ist er bei den Eagles als #4 vorgesehen.

    DT Jerry Tillery geht zu den Colts (ca. 1,5 Mio./1 Jahr)

    Tillery stand 2025 zwar zuverlässig auf dem Feld, konnte aber nur selten überzeugen. Bei den Colts hat er es in den Kader geschafft und ist als Backup eingeplant.

    DE Mike Danna geht zu den Bills (ca. 1,4 Mio./1 Jahr)

    Danna konnte sich während seines Rookie-Vertrages sukzessive verbessern und hatte 2023 sein vermutlich bestes Jahr, welches mit einem Dreijahresvertrag über 24 Mio. belohnt wurde. Leider konnte er sich danach nicht weiter steigern und zeigte insbesondere 2025 keine Leistungen mehr, die „starter-money“ rechtfertigen konnten. Dementsprechend erhielt er nach seiner Entlassung bei den Bills auch nur noch einen niedrig dotierten Vertrag, hat aber den Sprung in den Kader geschafft und ist als Backup vorgesehen.

    WR JuJu Smith-Schuster ging zu den Giants, wurde dort aber wieder gecuttet

    Nach einem starken Jahr 2022 bei den Chiefs erhielt Smith-Schuster 2023 von den Patriots einen gut dotierten Vertrag, enttäuschte dort aber (auch verletzungsbedingt) und kehrte zu den Chiefs zurück, wo er 2024 und 2025 solide spielte, aber keine Bäume mehr ausreißen konnte. Nachdem Äußerungen von ihm eigentlich für eine Rückkehr zu den Chiefs sprachen, erhielt er keine Vertragsverlängerung mehr. Er unterschrieb zwar bei den Giants, wurde aber von Kniebeschwerden zurückgeworfen und schließlich entlassen.


    Trades (Abgänge)

    CB Trent McDuffie wechselte für einen Erst-, Fünft- und Sechstrundenpick 2026 (#29, 169, 210) und einen Drittrundenpick 2027 zu den RamsLG Joe Thuney (Bears, Viertrundenpick 2026)

    Für OT Wanya Morris und den Siebtrundenpick 2027 erhielten die Chiefs den Sechstrundenpick 2027 der Falcons. Morris wurde dort bereits wieder entlassen.

    Coaching Staff/Front Office


    Die wichtigsten Personen:

    Front Office:

    Chairman/CEO Clark Hunt

    President Mark Donovan

    GM Brett Veach


    Coaching Staff:

    HC Andy Reid

    OC Eric Bieniemy Matt Nagy (Offensive Assistant: Dylan Street Kevin Saxton)

    PGC Joe Bleymaier

    QB David Girardi (Assistant: Dan Williams)

    RB DeMarco Murray Todd Pinkston (Assistant: Mark DeLeone)

    TE Tom Melvin

    WR Chad O’Shea Connor Embree

    OL Andy Heck (Assistant: Corey Matthaei)

    Offensive Quality Control: Nate Pagan

    DC Steve Spagnuolo

    DL Joe Cullen (Assistant: Terry Bradden)

    LB Brendan Daly

    OLB Matt House Rod Wilson

    DB Dave Merritt, Andre Curtis

    Defensive Quality Control: Chris Orr

    ST/Ass.HC Dave Toub (Assistant: Porter Ellett)

    Strength & Conditioning: Ryan Reynolds (Assistants: Spencer Reid, Nick Cassetta, Greg Carbin)


    Die zentralen Positionen im Front Office blieben unverändert. President Donovan, GM Veach und HC Reid stehen einheitlich bis 2029 unter Vertrag.

    Dagegen kam es nach der enttäuschenden Saison hinsichtlich der Coaching Staff zu ungewöhnlich umfangreichen Veränderungen:

    In der Offensive wurde mit OC Matt Nagy nicht verlängert. Sein Assistent Kevin Saxton wurde entlassen. Die beiden wurden durch den Heimkehrer Eric Bieniemy sowie durch Dylan Street ersetzt. Bieniemy war schon ab 2013 RB-Coach und ab 2018 Offensive Coordinator der Chiefs – mit großem Erfolg. Da er immer wieder Kandidat für HC-Posten war, aber letztlich nie berufen wurde, wechselte er 2023 zu den Commanders, war dann 2024 bei den UCLA Bruins und 2025 RB-Coach der Bears. Er ist berühmt-berüchtigt für seinen extrem fordernden und lautstarken Führungsstil (mit häufig nicht zitierfähigen Formulierungen) und damit als „Bad Cop“ ein passender Gegenpart zu Andy Reid. Bieniemy legt großen Wert auf Laufrouten und die fundamentalen Basics. Man hat den Eindruck, dass Spieler wie Mahomes und Kelce hoch erfreut über seine Rückkehr sind.

    Nach den extrem schwachen Leistungen der RBs mussten auch RB-Coach Todd Pinkston und sein Assistent Mark DeLeone gehen. Hier hat man mit DeMarco Murray lediglich einen Coach verpflichtet, weil Eric Bieniemy ebenfalls jahrelang als RB-Coach gearbeitet hat und zudem die gesamte Offense durch den neu eingestellten Nate Pagan unterstützt wird. Murray war selbst ein toller RB, der 2014 mit 1.845 rushing yards seine beste Saison hatte und zum Offensive Player of the year gewählt wurde. Er wurde dann 2019 College-Coach und trainierte ab 2020 die RBs der Oklahoma Sooners, wobei er sich den Ruf erarbeitete, ein exzellenter Mentor zu sein und großen Wert auf Pass Protection und Ballsicherheit zu legen.

    Schließlich musste auch WR-Coach Connor Embree gehen und wurde durch den hochdekorierten NFL-Veteranen Chat O’Shea ersetzt. Er coacht schon seit über 24 Jahren und gewann in seiner Zeit bei den Patriots (2009-2018) dreimal den Superbowl. Danach war er Offensive Coordinator bei den Dolphins (2019) und zuletzt WR-Coach/PGC bei den Browns (2020-2025). Für ihn, der 2003 als Volontär bei den Chiefs unter HC Richard „Dick“ Vermeil angefangen hatte, schließt sich nun der Kreis. Er gilt als Detailarbeiter, der großen Wert auf präzise Laufrouten legt.

    In der Defense entschloss sich OLB-Coach Rod Wilson, bei den Cardinals unter Mike LaFleur die ILB zu übernehmen. Er wurde durch den bereits im Vorjahr als „Senior Defensive Assistant“ zurückgekehrten Matt House, der bereits 2019-2021 LB-Coach der Chiefs und dann zu LSU gewechselt war, nahtlos ersetzt. Wie hoch die Chiefs ihn einschätzen, erkennt man auch daran, dass sie im Februar mehrere Interview-Anfragen anderer Teams im Hinblick auf DC-Jobs aktiv blockiert haben.

    Nachdem sich Dave Merritt im Vorjahr alleine um die DBs kümmern musste, kommt nun mit Andre Curtis wieder ein zweiter Mann dazu, der vor allem für die Safeties zuständig sein soll. Auch er ist mit 21 Jahren Coaching-Erfahrung ein NFL-Veteran, der schon bei vielen Teams unter Vertrag stand. Zuletzt war er von 2022 bis 2024 Safeties-Coach der Bears und 2025 Defensive PGC der Cowboys. Auch er ist in gewisser Weise ein Heimkehrer, denn bei seiner ersten Station (Giants, 2006-2008) arbeitete er bereits mit Spagnuolo und Merritt zusammen.

    Generell verfügen die Chiefs weiterhin über eine starke Coaching Staff. Andy Reid ist aus meiner Sicht der Top-Headcoach. DC Steve Spagnuolo wird nach anfänglicher Kritik nun fast durchweg gefeiert. Eine seiner größten Stärken sehe ich darin, dass er in der Lage ist, auf die jeweilige gegnerische Offense und deren Stärken maßgeschneiderte Konzepte zu entwicklen. Die Hauptkritik richtete sich in den letzten Jahren gegen OC Matt Nagy. Nachdem er und mehrere Assistenten nun durch „proven veterans“ ersetzt wurden, ist zu hoffen, dass es nun wieder mehr aus dem vorhandenen Talent herausgeholt wird. Das können die Chiefs nämlich „eigentlich“ sehr gut, denn nach einem Wechsel habe ich häufig den Eindruck, dass ehemalige Chiefs bei ihren neuen Teams nicht mehr ganz so gut aussehen.

    Draft 2026

    Die Chiefs hatten zu Beginn der Draft insgesamt 9 Picks, nämlich

    • den eigenen Erstrundenpick (#9) und den Erstrundenpick der Rams (#29) aus dem McDuffie-Trade

    • den eigenen Zweitrundenpick (#40)

    • den eigenen Drittrundenpick (#74)

    • den eigenen Viertrundenpick (#109)

    • den eigenen Fünftrundenpick (#148), den Pick der Rams (#169) und einen Kompensationspick (#176)

    • den sechstrundenpick der Rams (# 210)

      Den eigenen Sechstrundenpick hatte man im Herbst 2024 für DE Joshua Uche an die Patriots vertradet, den eigenen Siebtrundenpick für Peyton Hendershot an die Cowboys.


    Draft-Day-Trades

    Während der Draft waren die Chiefs an zwei Trades beteiligt, durch die sich die Anzahl ihrer Draftpicks auf 7 reduzierte.

    Zunächst tauschten sie die Picks 1-9, 3-74 und 5-148 gegen den 1-6-Pick der Browns. Dieser schon viel diskutierte Trade war relativ teuer für die Chiefs. Hintergrund war, dass man CB Mansoor Delane als absoluten Wunschspieler haben wollte, aber die Commanders oder im Falle eines Befürchteten Uptrades auch die Saints die Chance gehabt hätten, sich diesen Spieler zu schnappen, bevor sie an #9 an der Reihe gewesen wären.

    Später tauschten sie die Picks 5-169 und 6-210 gegen die Picks 5-161 und 7-249 der Steelers.


    Draft Picks

    1-6 CB Mansoor Delane, LSU (zuvor Virginia), 6-0, 190 lbs, trotz 4 Jahren College-Erfahrung (44 Spiele, davon 40 Starts; im Vorjahr 45 Tackles, 2 INTs, 11 Breakups, First-Team All-American), erst 22 Jahre alt, flexibel outside und im Slot einsetzbar (mit Tendenz zur Außenseite), gelobt werden technische Qualitäten, Spielintelligenz, Beweglichkeit und Coverage Skills jedenfalls in Zonenverteidigung (bei Manndeckung gehen die Beurteilungen auseinander), stark am catch point. Er ist schnell (4,38 s/40 yards), gilt aber als etwas "grabby". Ausbaufähig sind wohl "ball production" (INTs) und Laufverteidigung, wobei er auch da Qualität mitbringen soll. Vom Spielertyp her scheint er perfekt zu Spagnuolo zu passen. Das klingt alles nach einem McDuffie-Klon, nur in größer. In 2025 hat er keine einzige Strafe und lediglich zwei Receptions über 20 yards zugelassen, gilt als Day-1-Starter ("pro-ready"), soll einen hohen Floor und hohe Upside mit Potential zum lockdown corner haben. Offensichtlich waren die Chiefs von ihm total begeistert (laut Veach ein "Top-5 prospect" auf ihrem Board). Damit waren sie auch nicht die einzigen, denn Delane hat beispielsweise den dritthöchsten Grade bei nfl.com.

    Delane war in der Offseason an der Schulter verletzt und konnte nur eingeschränkt trainieren. Er ist aber unglaublich motiviert, und alles, was man bislang von ihm sehen konnte, wirkte sehr vielversprechend. Er dürfte als Starting Outside CB gesetzt sein.


    1-29 DT Peter Woods, Clemson, 6-3, 310 lbs (bei der Combine 298 lbs), 3 Jahre am College (35 Starts), erst 21 Jahre alt. Er hatte in einem generell relativ enttäuschenden Clemson-Team eine relativ schwache 2025er-Saison mit 30 Tackles (3,5 TFL) und 2,5 Sacks. Auch seine körperlich-athletischen Fähigkeiten reißen niemanden so richtig vom Hocker - er ist vergleichsweise "klein" und "leicht", hat verhältnismäßig kurze Arme, keine überragende Power. Er hat bislang keine richtigen pass-rushing moves, gilt als relativ "planlos" und "raw". Warum haben die Chiefs ihn dennoch so hoch gedraftet? Er war schon nach der High School der #1-Recruit auf seiner Position. Nach einer starken 2024er-Saison mit 28 Tackles (8,5 TFL) und 3,5 Sacks galt er zu Saisonbeginn als Kandidat für den #1-overall-pick. Er gilt als explosiv, disruptiv, beweglich, stark gegen den Lauf. Vor allem aber soll er Upside als potentieller Passrusher haben, auch wenn das bislang nahezu reine Projektion ist, denn gezeigt hat er das nur höchst selten. Bei guten Plays ist er ein toller gap-shooter. Das klingt vom Spielertyp her nach großer Ähnlichkeit zu Chris Jones, aber auch nach Bust-Potential.

    Woods wurde für sein Trainingscamp sehr gelobt, aber seine Einsätze in der Preseason haben noch keine Begeisterung ausgelöst. Er wird in der Rotation erwartet.


    2-40 EDGE R Mason Thomas (6-2, 240 lbs, Oklahoma) ist erneut eine Überraschung, und das gleich aus zwei Gründen: Zum einen wurde er als OLB in einer 3-4-Defense erwartet, zum anderen ist er undersized und passt damit eigentlich nicht zu dem "Edgesetter-Type" von DEs, auf die Spanguolo sonst so steht. Thomas ist bislang ein reiner speed rusher, der 2024 auf 9 Sacks und 2025 (verletzungsbedingt) auf 6,5 Sacks kam. Generell sind Verletzungen ein Problem, denn bereits in seinen ersten beiden Jahren am College kam er wegen high ankle sprains (beidseitig) nur auf 19 Spiele und 1,5 Sacks. Er ist explosiv, schnell, gewinnt nicht selten mit dem ersten Schritt und jagt QB und Ball gleichermaßen, wobei er es an Einsatz und Energie nicht fehlen lässt ("relentless", "motor never stops"). Für seine Körpermaße bringt er überraschend viel Power mit. Er war 2025 trotz seiner quad-Verletzung im 1st All-SEC-Team und 2nd team All-American. Bei den Chiefs könnte er schnell als situational pass rusher in klaren passing downs fungieren. Auch als spy gegen mobile Quarterbacks kommt er in Betracht. Als eindimensionaler Spieler gehen die Meinungen über ihn naturgemäß weit auseinander. Manche feiern ihn als einen Top-Passrusher, andere hätten beispielsweise Cashius Howell oder einen kompletteren Spieler (z. B. Zion Young) bevorzugt. Bei der Combine hat er schlechter als erwartet getestet, weswegen er nicht ganz so hoch gedraftet wurde, wie manche ursprünglich erwartet hatten. Auch gewisse Verletzungsprobleme stellen ein Risiko dar.

    Thomas hat im Trainingscamp und in der Preseason sehr erfreuliche Ansätze gezeigt und wirkte dort gar nicht so eindimensional wie befürchtet. Erkönnte schon früh regelmäßig – gerade in passing downs – zum Einsatz kommen.


    4-109 CB Jadon Canady, 5-10, 180 lbs, Tulane/Ole Miss/Oregon. Er hat vergleichsweise kurze Arme, soll aber cuts gut antizipieren, "quicker than fast" sein, Abstände gut verkürzen können und in der Kontaktsituation über ein sehr gutes Timing verfügen. Im Vorjahr erhielt er von PFF einen Grade von 84,7 und in coverage sogar 87,0, womit er formal zu den besten gehörte. Wenn gegnerische QBs in seine Richtung geworfen haben, kamen sie auf ein Passer-Rating von 48,1. Bei 344 Coverage-Snaps gab es lediglich 17 catches für 104 yards bei 37 Targets. Zudem ließ er nur 5 First-Down-Receptions zu. Gegen den Lauf war er bislang trotz hoher Einsatzbereitschaft nicht sonderlich effektiv. Da er vergleichsweise klein ist, kommt er wohl eher als Slot CB oder auch als Free Safety in Betracht. Allerdings hat er bei Tulane und Ole Miss primär outside corner gespielt, so dass er die nötige Flexibilität mitbringt, die für das System von Spagnuolo nützlich ist. Er wurde in dieser Range erwartet.

    Canady hat im Camp einen ordentlichen Eindruck hinterlassen und ist wohl hauptsächlich als Backup im Slot eingeplant.


    5-161 RB Emmett Johnson, 5-10, 202 lbs, Nebraska. Nach eher sporadischen Einsätzen in 2023 und einer Steigerung in 2024 als change-of-pace back kam er 2025 als junior auf 251 carries für 1451 yards und 12 TDs, war zudem der leading Receiver mit 46 catches für 370 yards und weitere 3 TDs, hatte 151,8 scrimmage yards per game und war damit praktisch der Ein-Mann-Angriff der Cornhuskers (40,7 % der total offensive yards). Er wurde zum Big Ten RB of the year gewählt und war u. a. bei CBS, Sports Illustrated und Sporting News First-Team All-American. Als tendenziell kleiner und leichter RB gewinnt er mit Finesse und weniger mit Power. Gelobt werden seine "downfield vision" und seine jump cuts. Seine Testwerte (z. B. 4,56 s/40 yards) waren eher durchschnittlich, was seine Draftposition vermutlich deutlich negativ beeinflusst hat. Seine "Fans" meine allerdings, dass sein "game speed" deutlich überdurchschnittlich sei und er insbesondere bei cuts kaum Geschwindigkeit einbüße. Mitte der fünften Runde ist das in jedem Fall ein value pick. Er wurde überwiegend in der vierten Runde erwartet. Verschiedene Beobachter sehen in ihm sogar den zweitbesten RB des Jahrgangs und loben den Pick geradezu überschwänglich. Johnson hat große Hände und gilt als sehr ballsicher (1 Fumble in 2025).

    Bei Johnson war lange Zeit nicht klar, wo er in der depth chart einzusortieren sein würde. Letzte Äußerungen von Andy Reid sprechen dafür, dass er die #2 im RB-Ranking der Chiefs ist. Ein Fragezeichen stand hauptsächlich hinter seiner Fähigkeit zur Pass-Protection, aber gerade diesbezüglich wurde seine Entwicklung zuletzt sehr gelobt.


    6-176 WR Cyrus Allen, 5-11, 180 lbs, Louisiana Tech/Texas A&M/Cincinnati. In seinen ersten beiden College-Jahren war er bei LTU der leading Receiver, konnte dann aber nach dem Transfer zu Texas A&M nicht überzeugen. Deswegen wechselte er erneut - nach Cincinnati - und war daraufhin 2025 mit 51 receptions für 674 yards und 13 TDs der leading Receiver seines Teams und wurde ins 2nd-Team All-Big 12 gewählt. Er zeigte bei der Combinie nur mittelmäßige Wert und war insbesondere mit 4,49 s/40 yards für einen Receiver nur minimal überdurchschnittlich schnell, obwohl Beobachter sowohl seinen "burst" als auch seine Endgeschwindigkeit loben. Allerdings machte er beim Senior Bowl, bei dem die Chiefs traditionell stark vertreten sind, einen sehr guten Eindruck. Seine größte Stärke soll sein, dass er dank seiner Agilität und seiner Richtungswechsel sowie als guter route runner sehr schnell und effizient Seperation kreieren kann. Manche kritisieren seine Fähigkeiten bei contested catches, aber immerhin hatte er eine Drop Rate von lediglich 1,5 % und zudem rund 12 % catch rate over expectation, was eher für sichere Hände spricht. Da er für einen Footballspieler sehr schmal gebaut ist, ist vermutlich die wichtigste Frage, ob er mit dem physischen Spiel in der NFL klar kommt. Schon rein körperlich kommt er wohl nur als Slot-WR in Betracht.

    Allen hat von Anfang an einen guten Eindruck hinterlassen. Er könnte schnell der beste route runner der Chiefs sein und wird auf jeden Fall Spielzeit bekommen.


    7-249 QB Garrett Nussmeier, 6-2, 203 lbs, LSU, ist der Sohn von Doug Nussmeier und Bruder von Colton Nussmeier, der 2027 als einer der Top Prospects erwartet wird. Nachdem Garrett als Junior 2024 für mehr als 4000 yards, 29 TDs bei 12 INTs und einer completion percentage von 64,2 % geworfen hatte, Finalist beim Manning Award und Texas Bowl MVP war, erhielt er einigen Hype und galt als einer der Top-QBs und potentieller Erstrundenpick. Aber 2025 konnte er hieran nicht anknüpfen und kam in 9 Starts nur auf 1.927 yards mit 12 TDs und 5 INTs, auch wenn die completion percentage mit 67,4 % verbessert war. Er ist "undersized", ein pocket passer mit starkem Arm, ausreichender Mobilität (wenige unnötige Sacks), gilt als "tough" und "fearless" und als typischer "gunslinger". Leider stellen sowohl mangelnde Ballsicherheit (z. B. viele riskante Würfe) als auch Schwächen bei der Reaktion auf Verteidigungsformationen ein ernstes Problem dar. Allerdings litt er an gesundheitlichen Problemen mit einer Entzündung im Knie und Schmerzen im Bereich der Bauchmuskulatur. Rückblickend stellte man eine Zyste fest, welche auf einen Nerv in der Wirbelsäule drückte. So kam 2025 nur in 9 Spielen zum Einsatz. Er erhielt die medizinische Freigabe, aber die diesbezüglichen Bedenken ließen ihn gleichwohl bis an das Ende der siebten Runde fallen. Auch wenn auf QB natürlich kein Need existierte, erhalten die Chiefs so einen sehr talentierten Spieler auf der wichtigsten Position fast umsonst. So spät ist das erneut ein Value-Pick, der allseits gelobt wird. Natürlich war Nussmeier extrem enttäuscht, so spät gedraftet zu werden. Aber bei den Chiefs kann er, sofern sich sein Talent bestätigt, in Ruhe lernen.

    Auch Nussmeier hat sich – gemessen an seinem Draft-Status – bislang gut entwickelt und in der Preseason einen ordentlichen Eindruck gemacht. Gleichwohl wird er – von gravierenden Verletzungen einmal abgesehen – wohl kaum zum Einsatz kommen, sondern in erster Linie lernen. Einziger Nachteil: Im Gegensatz zu den Vorjahren müssen die Chiefs einen Roster Spot für einen dritten QB opfern.


    Vorläufiges Fazit:

    Natürlich sollte man die Draft-Klasse erst nach ein paar Jahren abschließend beurteilen. Aber man kann jetzt schon festhalten: Bei abweichenden Meinungen im Detail wurde die Draft der Chiefs generell sehr gelobt. Bislang gab es keine Enttäuschungen und alle Spieler haben es in den Kader geschafft. Mit Ausnahme von Nussmeier sollten auch alle Einsatzzeiten sehen, zumindest Delane auch als fixer Starter mit hohem Potential.

    Offseason im Überblick

    • Die Chiefs-Führung hat offenbar Defizite im (offensiven) Coaching ausgemacht. Dazu passt, dass ausweislich der NFLPA 2026 report cards der OC und die Position Coaches mit „C+“ deutlich schlechter abgeschnitten hatten als Headcoach (A), DC (A), GM (B+) und STC (B). Dementsprechend kam es vor allem im Bereich des OC, RB- und WR-Coachings zu erheblichen Wechseln, wohingegen die Änderungen hinsichtlich der Defense überschaubar blieben (Details s. u.)

    • Travis Kelce war jedenfalls über die sich frühzeitig anbahnende Rückkehr von OC Eric Bieniemy hoch erfreut und hat sich zu meiner Überraschung entschieden, doch noch eine weitere Saison dran zu hängen.

    • Um Cap Space einzusparen, haben die Chiefs erwartungsgemäß RT Jawaan Taylor (zu den Falcons, dort als Starter auf RT vorgesehen) und nach enttäuschender Saison auch DE Mike Danna (zu den Bills) entlassen, wodurch 20 Mio. bzw. 8,9 Mio. eingespart wurden.

    • Die Chiefs gaben ihren Top-CB Trent McDuffie für insgesamt 4 Draftpicks an die Rams ab und verloren diverse weitere Verteidiger, vor allem in der Secondary (Details s. u.).

    • 54,45 Mio. des Gehalts von Mahomes wurden in einen SB umgewandelt (und damit 43,56 Mio. Cap Space für 2026 eingespart).

    • In Bezug auf LB Drue Tranquill wurde das Gehalt einvernehmlich um 2,5 Mio. reduziert. Der Vertrag von DE George Karlaftis wurde umstrukturiert und knapp 9,7 Mio. in einen SB umgewandelt. Der Vertrag von RG Trey Smith wurde umstrukturiert und 18,5 Mio. in einen SB umgewandelt.

    • Der Vertrag mit Mahomes wurde ab 2027 angepasst und um die Jahre 2032 und 2033 verlängert. Der Vertrag ist wieder so strukturiert, dass die Chiefs Gehalt in SB umwandeln und damit cap-technisch jeweils auf 5 Jahre verteilen können. Beispielsweise könnte man 2027 mutmaßlich bis zu 55,5 Mio. umwandeln und damit bis zu 44,4 Mio. Capspace freimachen.

    • Der wegen eines „Autobahnrennens“ mit Verkehrsunfall unter Bewährung stehende WR Rashee Rice stand in der Offseason gleich mehrfach wegen off-the-field-problems in den Schlagzeilen:

      • Zunächst wurden von der Mutter zweier gemeinsamer Kinder Vorwürfe wegen des Verdachts der „domestic violence“ gemacht. Ein Zivilverfahren läuft. Zu einer strafrechtlichen Anklage kam es nicht. Erst lautete der Vorwurf, Rice habe Dinge nach ihr geworfen und u. a. „bleeding, swelling, bruising, and other pain and physical injury to her neck, face, mouth, arms, legs, chest, and shoulder" hervorgerufen, angeblich überwiegend während der Schwangerschaftsphase(n). Später scheint sie eingeräumt zu haben, dass er sie nicht geschlagen habe. Wie so häufig wirkt das von außen recht undurchsichtig. Auch von der NFL droht diesbezüglich keine Sperre.

      • Dann wurde Rice mit Marihuana erwischt, was einen Verstoß gegen seine Bewährungsauflagen darstellte. Deswegen musste Rice eine ursprünglich flexibel absitzbare 30-Tages-Haftstrafe im Frühjahr sofort absitzen und fehlte damit beim ersten Trainingscamp. Eine Sperre durch die NFL droht aber wohl auch insofern nicht. Immerhin hat er die Inhaftierung genutzt, um sich schnell noch am Knie operieren zu lassen und in Haft dann die Reha voran zu treiben.

    • DB-Coach Dave Merritt wurde wegen des Vorwurfs häuslicher Gewalt verhaftet. Das strafrechtliche Verfahren wurde aber Anfang Mai eingestellt, und auch die NFL hat keine hinreichenden Anhaltspunkte für ein Einschreiten gefunden.

    • Die Frau von OC Eric Bieniemy wurde Ende Juli – offenbar vom eigenen Sohn – angeschossen. Deswegen musste man in der ersten Woche des Trainingscamps ohne OC auskommen.

    • Seit Januar wird über eine potentielle Rückkehr von WR Tyreek Hill spekuliert, aber nach schwerer Verletzung ist er noch nicht wieder fit und es wird wild spekuliert, wann dies der Fall sein könnte und ob er überhaupt nach der Verletzung wieder halbwegs an alte Leistungen anknüpfen könnte. Er selbst befeuert die Spekulationen jedenfalls mit gelegentlichen Socia-Media-Auftritten und Andeutungen in Richtung der Chiefs.

    Nachfolgend kommt nun meine Preview für die Saison 2026. Beim Kopieren des Textes wird erfahrungsgemäß die Formatierung etwas zerschossen, wofür ich vorab um Nachsicht bitte. Ich werde das dann sukzessive korrigieren.

    Rückblick:
    Nach langen Jahren der Tristesse begann die erfolgreiche Phase der Chiefs 2013 mit der Verpflichtung von President Mark Donovan, GM John Dorsey und HC Andy Reid. Auch Eagles-Scout Brett Veach kam schon 2013 als „Pro and college personnel analyst“, mit zu den Chiefs, stieg 2015 zum „Co-Director of Player Personnel“ auf und löste 2017 Dorsey als GM ab.

    Nach zwölf winning seasons in Folge [2013 (11-5), 2014 (9-7), 2015 (11-5), 2016 (12-4), 2017 (10-6), 2018 (12-4), 2019 (12-4), 2020 (14-2), 2021 (12-5), 2022 (14-3), 2023 (11-6) und 2024 (15-2)] gab es allerdings 2025 mit einer desaströsen 6-11 Bilanz die erste losing season, wodurch zugleich zum zweiten Mal nach 2014 die Playoffs verpasst wurden. Das war ein gewaltiger Absturz nach 3 SB-Teilnahmen und sogar 7 AFC Championship Game-Teilnahmen in Folge.

    2025

    #1 @ Chargers 21-27 (0-1)

    #2 EAGLES 17-20 (0-2)

    #3 @ Giants 22-9 (1-2)

    #4 RAVENS 37-20 (2-2)

    #5 @ Jaguars 28-31 (2-3)

    #6 LIONS 30-17 (3-3)

    #7 RAIDERS 31-0 (4-3)

    #8 COMMANDERS 28-7 (5-3)

    #9 @ Bills 21-28 (5-4)

    #10 BYE

    #11 @ Broncos 19-22 (5-5)

    #12 COLTS 23-20 (6-5)

    #13 @ Cowboys 28-31 (6-6)

    #14 TEXANS 10-20 (6-7)

    #15 CHARGERS 13-16 (6-8)

    #16 @ Titans 9-26 (6-9)

    #17 BRONCOS 13-20 (6-10)

    #18 @ Raiders 12-14 (6-11)

    Vor der 2025er Saison hatten die Buchmacher die Chiefs meist bei Over/Under 11,5 Siegen. Ich hatte auf „over“ getippt und mit einer deutlich besseren Offense (vor allem nach Ablauf der 6-Spiele-Sperre gegen Rashee Rice) und einer Defense auf dem Niveau von 2024 gerechnet. Dem stand gegenüber, dass aufgrund einer Regression zum Mittelwert nicht davon auszugehen war, dass die Chiefs auch weiterhin alle One-Score-Games gewinnen würden. Dennoch war ich von mindestens 6-3 nach 9 Spielen und einer relativ dominanten Performance in der zweiten Saisonhälfte ausgegangen.

    Tatsächlich war man trotz ungünstigen Saisonstarts (0-2) nach 8 Wochen wieder halbwegs im grünen Bereich (5-3), aber danach folgten – mit Ausnahme des einzigen knappen Sieges gegen die Colts – nur noch Niederlagen. Formal war man nach Woche 15 aus dem Playoff-Rennen ausgeschieden, wobei die Kreuz- und Außenbandriss von Mahomes im gleichen Spiel nur das i-Tüpfelchen auf eine verkorkste Saison war. Rückblickend hätten die Chiefs aber aufgrund eines ungewöhnlichen Saisonverlaufes 11 oder 12 Siege benötigt, um in die Playoffs einzuziehen.

    Die Niederlage im Auftaktspiel war mehr als verdient, zumal die Defense in Sao Paulo wenig auf die Reihe brachte. Dennoch hätte man kurz vor Schluss fast noch einmal den Ball und damit eine Siegchance bekommen. Dagegen war die Defense ab Woche 2 gut und die Niederlage gegen die Eagles unnötig. In den folgenden 6 Spielen gab es 5 relativ souveräne Siege (gegen meist schwächere oder ersatzgeschwächte Gegner) und eine ebenso knappe wie unnötige Niederlage gegen die Jaguars. Die folgende Niederlage bei den Bills war verdient und etwas zu klar, aber kein Beinbruch. Nach der Bye-Week gab es erneut eine unglückliche Niederlage (bei den Broncos), aber auch den einzigen knappen Sieg (gegen die Colts). Verhängnisvoll war dann das Thanksgiving-Spiel bei den Cowboys, in dem die Chiefs-Defense ihre zweite schlechte Saisonleistung ablegte und vor allem Top-CB Trent McDuffie gegen CeeDee Lamb einen rabenschwarzen Tag erwischte. Hinzu kamen dann noch mehrere schwere Verletzungen. Im Rahmen der bis zum Saisonende andauernden Serie von Niederlagen verletzten sich dann noch Wanya Morris (gegen die Texans), Patrick Mahomes (gegen die Chargers) und Rashee Rice (bei den Titans) so, dass sie nicht mehr eingesetzt werden konnten. Nach dem Ausfall von Mahomes gingen die Chiefs auch bei angeschlagenen Spielern kein Risiko mehr ein und waren gerade offensiv (34 Punkte in 3 Spielen) hilflos.

    Hinsichtlich der Ursachen für diesen Einbruch gibt es ungefähr so viele Thesen wie Kommentatoren. Aus meiner Sicht standen im Vordergrund:

    • Bei den One-Score-Games ging die Entwicklung weit über eine Regression zum Mittelwert hinaus: Nach 17 Siegen in Folge bei knappen Spielen (darunter 11/11 in 2024) gingen in 2025 gleich 9 von 10 derartigen Duellen verloren.

    • Verletzungswelle und sonstige Ausfälle in der O-Line: Schon zu Saisonbeginn ahnte man, dass es hinter den Startern und Swing Tackle Jaylon Moore ab dem siebten Mann problematisch werden könnte. So war es dann leider auch: Lediglich C Creed Humphrey und LG Kingsley Suamataia standen in allen 17 Spielen auf dem Platz. LT Josh Simmons verpasste vier Spiele aufgrund von Familienangelegenheiten. Er zog sich in Woche 13 gegen die Cowboys einen komplizierten Bruch sowie eine Verrenkung des linken Handgelenks zu und verpasste den Rest der Saison. RT Jawaan Taylor zeigte gewohnt mäßige Leistungen, zog sich dann auch noch gegen die Cowboys eine schwere Trizeps- und Ellenbogenverletzung im linken Arm zu und fiel ebenfalls für den Rest der Saison aus. RG Trey Smith musste drei Spiele wegen starker Rückenschmerzen und zwei Spiel wegen einer Sprunggelenksverletzung aussetzen. Von den Backups war Jaylon Moore mit Ausnahme der Wochen 2 (Vaterfreuden) und 12 (Oberschenkelzerrung) immerhin weitgehend verfügbar und qualitativ okay. Im Gegensatz dazu „überlebte“ Wanya Morris gegen die Texans genau einen Snap als Starter, bevor er mit schwerer Knieverletzung die Saison beenden musste. Letztlich setzten die Chiefs gerade im letzten Saisondrittel auf Mike Caliendo, Esa Pole, Chukwuebuka Godrick sowie punktuell Ethan Driskell, was erwartungsgemäß nur von wenig Erfolg gekrönt war.

    • Schwaches Laufspiel: Obwohl sich gegnerische Verteidigungen meist mit „light boxes“ auf das Paßspiel der Chiefs kozentrierten, war das reguläre Laufspiel der Chiefs häufig ineffizient. Angesichts der an sich stark besetzten interior Offensive Line fällt dies doppelt und dreifach auf die RBs zurück. Isiah Pacheco vermochte auch nach überstandener Verletzung nicht mehr an seine ursprünglichen Leistungen anzuknüpfen und war erneut häufig angeschlagen. Kareem Hunt war gewohnt ballsicher und zuverlässig in short-yardage-Situationen, verfügte aber längt nicht mehr über seine ursprüngliche Explosivität. Siebtrundenpick Brashard Smith zeigte ordentliche Ansätze, war aber nicht in der Lage, die Last des Angriffs zu tragen. FA-Verpflichtung Elijah Mitchell war eine einzige Enttäuschung und kam nur in einem Spiel für 7 Snaps zum Einsatz.

    • Defizite bei den Passempfängern: Aufgrund des praktisch nicht vorhandenen Laufspiels lag die gesamte Last auf dem Passangriff, auf den sich die gegnerische Defense konzentrieren konnte. Dabei fehlte es überwiegend an der Qualität der Passempfänger. TE Travis Kelce war im Herbst seiner Karriere mit 76 catches für 851 yards noch der leading Receiver. Rashee Rice fiel in den ersten 6 (Sperre) und den letzten 3 (Gehirnerschütterung) Spielen aus, war dazwischen zwar der beste WR (53 catches für 571 yards), konnte aber die Hoffnungen auch nicht ganz erfüllen. Marquise Brown und Xavier Worthy waren fast durchgängig angeschlagen. JuJu Smith-Schuster konnte mit 33 catches für 345 yards nicht mehr an die Leistungen früherer Tage anknüpfen. Ein kleiner Lichtblick war Tyquan Thornton mit 35 catches für 438 yards, wobei man sich mehr Einsätze für ihn gewünscht hätte. TE Noah Gray konnte nicht an die Leistungen aus 2024 anknüpfen. Insgesamt spielte niemand richtig schlecht, aber fast alle leicht unter den ohnehin nicht allzu hohen Erwartungen.

    • Abhängigkeit von Patrick Mahomes und dessen Verletzung: Obwohl Mahomes – vor allem aufgrund der Ausfälle in der O-Line und der mangelnden Unterstützung durch das Laufspiel – praktisch unter Dauerdruck stand, sah er sich häufig genötigt, die Chiefs praktisch im Alleingang zu retten. Dass die Teamstatistiken im Laufspiel nicht völlig unterirdisch waren, ist im Wesentlichen auf erfolgreiche Scrambles von Mahomes zurückzuführen, der allzu oft „Heroball“ spielen musste. Im praktischen Ergebnis bekam er aber viel zu viele Hits ab und zog sich schließlich bei einer vergleichsweise harmlos aussehenden Situation einen vollständigen Riss des vorderen Kreuzbandes und des Außenbandes im linken Knie zu. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie wichtig er für die Chiefs ist, hätte man es anhand der offensiven Hilflosigkeit erkennen können, als er nicht mehr auf dem Platz stand.

    • Die Defense spielte insgesamt weitgehend gut, erwies sich aber in Schlüsselsituationen gegen Spielende nicht als stabil genug, was zu den knappen Niederlagen beitrug.

    Das klingt gleichwohl alles schlimmer, als es aus meiner Sicht wirklich war: Solange Mahomes an Bord war, erzielten die Chiefs eine Punktedifferenz von +60 (328:268). Damit würde man im statistischen Mittel je nach Quelle bei 8 bis 10 Siegen liegen, dementsprechend am Saisonende bei 10 bis 12 Siegen. Das hätte immer noch nicht zu großen Begeisterungsstürmen geführt, legt aber nahe, dass die Chiefs qualitativ deutlich besser waren, als es ihr Record aussagt.

    Insgesamt war die Offense statistisch noch schwächer als 2024 (z. B. #16 nach Passyards, #20 nach Rushing yards und Total Offense, #21 nach Scoring). Mit 47 kassierten Sacks lag man sogar im letzten Drittel der NFL. Allerdings kam der Zusammenbruch erst nach dem Cowboys-Spiel. Mit Mahomes und gesunden Tackles war man zwar weniger explosiv als früher, aber durchaus effizient und nach fortgeschrittenen Metriken (z. B. Football Power Indes von ESPN) in den Top 5 der Liga. Ab Woche 14 erzielte die Offense nur noch 11,4 Punkte pro Spiel, kassierte dafür aber 20 Sacks.

    Dagegen war die Defense (trotz nur eingeschränkter Entlastung durch die Offense) mit Ausnahme des Auftaktspiels und der Niederlage in Dallas, wo man auch unter einer ungewöhnlich restriktiven Regelauslegung der Refs litt und zahlreiche Strafen (PI/Holding) kassierte, eigentlich recht gut. Vor allem nach zugelassenen Punkte (19,3/Spiel) lag man trotz dieser beiden Ausreißer am Saisonende auf #6, nach Passyards auf #7, nach Rushyards auf #13 und nach Total Defense auf #10.

    Ich hätte den Vertrag mit Trey Smith nicht verlängert. ...

    Ich bin mir auch unsicher, ob das Geld für die O-Line so effizient eingesetzt ist. Am Anfang hatte man mit den Rookie-Verträgen von Humphrey und Smith und einem teuren, aber sehr guten Joe Thuney sehr viel mehr Erfolg als zuletzt mit anderen Draftpicks oder Free Agents wie Taylor. Immerhin hat man jetzt eine gute Aufgabe für Suamataia gefunden.

    Aber der Vertrag mit Trey Smith wurde m. E. nicht verlängert, sondern einfach nur umstrukturiert.

    Schwer zu sagen, ob das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, aber jedenfalls drehen die Chiefs jeden Stein um, um ein möglichst gutes Team auf die Beine zu stellen. Kurz vor dem Wochenende waren nicht weniger als 10 Spieler - davon 5 TEs und 2 WR - zu Tryouts vor Ort. Primär geht es natürlich um Leute für die Practice Squad. Für diese wurde auf jeden Fall schon einmal TE Thomas Odukoya für die PS verpflichtet. Er wurde in Amsterdam geboren und fällt - wie es in den letzten Jahren mit OT Chu Godrick der Fall war - unter die international player exemption, darf also als zusätzlicher (17.) Spieler auf der PS gehalten werden.

    Für mich etwas überraschend haben die Chiefs injury settlements mit QB Chris Oladokun, OG CJ Hanson und RB EJ Smith geschlossen und sie von ihrer IR entlassen (waived). Das hat zur Folge, dass sie nach der vereinbarten Zeit, für die sich ein anteiliges Gehalt erhalten, zunächst als Free Agents bei einem beliebigen anderen Team anheuern dürfen, wohingegen sie erst nach weiteren drei Wochen auch zu den Chiefs zurückkehren dürften. Das Interesse der Chiefs scheint demnach nicht so groß zu sein.

    Aktuell ist man laut OTC für 2027 bereits mit 43 Spielern knapp 12,9 Mio. über der erwarteten Salary Cap. Das klingt erst einmal schlimm. Aber ich hatte ja schon mal geschrieben, dass man bei Mahomes im nächsten Jahr vermutlich bis zu 55,5 Mio. Gehalt in einen Signing Bonus umwandeln könnte mit der Folge, dass bis zu 44,4 Mio. Cap-Hit in die Zukunft verlagert würden. Das erklärt, warum jetzt der Move mit Trey Smith möglich war, ohne dass man sich riesige Sorgen im Hinblick auf 2027 machen müsste. Im Gegenteil hat der umstrukturierte Vertrag von Mahomes wieder deutlich mehr Flexibilität geschaffen.