Beiträge von Chief

    so what. Deine Einlassung mag korrekt sein aber ändert nix daran das es da steht und wenn man es gelesen hätte , es einem klar sein sollte.


    Wir brauchen auch nicht darüber reden das vieles im Leben unterschrieben wird ohne es zu lesen.

    Aber der Punkt ist das es laut adi die Information gab und man selber schuld ist wenn man es nicht gelesen hat.

    Aber das stimmt doch gerade nicht.


    Das "selbst schuld" Argument gilt für die Arzthaftung nach erfolgter Impfung, nicht für die Verweigerung der Impfung.


    Du wirst in dem Aufklärungsbogen als Patient darüber aufgeklärt, dass erst ab mindestens 6 Monaten die Auffrischungsimpfung erfolgen "soll". Das dient (aus Perspektive des Patienten) der Aufklärung zur Ermöglichung einer selbstbestimmten Entscheidung (des Patienten!) und (aus der Perspektive des medizinischen Personals/Anbieters) der Vermeidung einer Haftung wegen Körperverletzung/Vertragsverletzung. Normalerweise würde Dir der Arzt die Formulare sogar erst vor Ort in die Hand drücken (und hoffentlich ein paar erläuternde Worte verlieren). Dass Du es online vorab aufrufen und ausfüllen sollst, dient nur der beschleunigten Abwicklung in einem Massenverfahren.


    Selbst wenn man es gelesen hat, ergibt sich daraus nur der Ratschlag an den Patienten, sich vor Ablauf von 6 Monaten noch nicht impfen zu lassen. Wenn der Patient sich anders entscheidet, ist das seine selbstbestimmte Entscheidung. Es steht da - ganz abgesehen davon, dass man es in einem solchen Aufklärungsbogen nicht erwarten würde, weil der eben einen völlig anderen Zweck hat - kein Wort davon, dass man die Impfung verweigert.

    das jetzt aber auch hohe Transferleistung. Dasteht nicht das man die Informationen auch lesen muss.

    Also ganz abgesehen von den Kommunikationsdefiziten:


    Der Zweck der Aufklärung besteht darin, dem Patienten eine selbstbestimmte Entscheidung zu ermöglichen. Das ist für die "Arzthaftung" relevant: (Nur) Wenn er ordnungsgemäß aufgeklärt wurde, ist seine Einwilligung in die Behandlung (hier: Impfung) rechtlich wirksam (s. §§ 630d, 630e BGB). Leicht überspitzt formuliert: Man muss das alles nicht lesen, man darf sich nur hinterher nicht beschweren, dass man über Wirkungsweise, Nebenwirkungen, Risiken etc. nicht informiert worden wäre. Manche lesen das alles, andere nicht. Das ist in gewisser Weise wie bei allgemeinen Geschäftsbedingungen - auch wenn der Vergleich etwas hinkt.


    Unabhängig davon steht da nicht, dass man Dir die gewünschte Impfung verweigert, sondern dass die Empfehlung ("soll") lautet, erst nach 6 Monaten die Auffrischungsimpfung durchzuführen. Von sonstigen Priorisierungsanforderungen steht auch in dem Formular (naturgemäß) nichts. Es war auch jemand da, der extra vom Hausarzt wegen Immunschwäche (?) hingeschickt wurde. Der Hausarzt war ersichtlich davon ausgegangen, dass die Impfung problemlos funktionieren würde. Der Patient wurde zurückgeschickt, um sich vom Hausarzt eine schriftliche Bescheinigung geben zu lassen.

    Chief: Na komm schon, Du kennst Dich doch am besten mit Fristenberechnungen aus :tongue2: - Bürokratie at its best eben...

    Im Prinzip ist gegen eine solche Regelung nichts einzuwenden. Aber dann soll man es doch klar kommunizieren. Ich kann der offiziellen Homepage jedenfalls nicht entnehmen, dass man erst nach mehr als 6 Monaten geimpft wird. Man soll Impfausweis, ausgefüllte Aufklärungs-, Anamnese- und Einwilligungserklärungen, den Personalausweis und ggf. die Versicherungskarte mitbringen.


    Das war übrigens keineswegs das einzige einschränkende Kriterium, das vorab nicht mitgeteilt wurde: Wer nicht zu einer hochgradig priorisierten Gruppe gehörte (oder das nicht nachweisen konnte), wurde auch wieder weggeschickt, weil gar nicht genug Impfstoffe vorhanden waren. Die Leute sind teilweise in Tränen ausgebrochen. So frustriert man sogar die Impfwilligen.

    Die Aufregung um die Höhe von Dividenden erschließt sich mir (in den verschiedensten Zusammenhängen) regelmäßig nicht.


    "Dividende" bedeutet nur, dass das Geld, das ohnehin wirtschaftlich den Aktionären gehört, an sie ausgeschüttet wird. Grob formuliert: Wenn der Aktionär 10 € Dividende erhält, wird sein Anteil am Unternehmen 10 € weniger wert. Sein Vermögen ändert sich dadurch nicht, höchstens die Vermögenszusammensetzung. Maßgeblich für sein Vermögen ist die Frage, ob das Unternehmen erfolgreich wirtschaftet.

    Ein kleine Alltagserfahrung:


    In der öffentlichen Darstellung wird viel Druck auf die "Impfgegner" bzw. "Impfskeptiker" ausgeübt, sich impfen zu lassen. "2G" breitet sich aus. Die "Inzidenzwerte" - wie aussagekräftig sie auch immer sein mögen - steigen. Hier in Hessen wird jedenfalls offiziell fleißig damit geworben, dass man zu Erst- oder Auffrischungsimpfungen kommen soll.


    Coronaimpfung
    Informationen für Bürgerinnen und Bürger sowie Fragen und Antworten zum Thema SARS-CoV2-Impfungen in Hessen.
    soziales.hessen.de


    Alles kein Problem? Weit gefehlt: Nachdem man in Darmstadt ewige Zeiten in der Kälte vor dem Gesundheitsamt gewartet hat - wer noch nicht krank war, ist es jetzt -, kommt man endlich dran ... glaubt man. Denn drinnen werden reihenweise Impfwillige, die zu einer Auffrischungsimpfung kommen, wieder weggeschickt. Begründung: Es sind noch keine 6 Monate seit der letzten Impfung vergangen! Teilweise fehlen nur wenige Tage, selbst bei Personen über 80. Von derartigen Einschränkungen steht auf der Homepage nichts.


    Da soll man sich als Bürger nicht veräppelt vorkommen.

    Chief darf man da nach deiner fachlichen Expertise fragen? Wie kann eine Richterin das so urteilen und dann noch mit so einem Kommentar? Das macht einen doch „im Namen des Volkes“ mehr als wütend :angry

    Ich kann zu dem Fall inhaltlich wenig sagen, weil mir die gesamte Thematik des "Drachenlords" bis zu dem verlinkten Artikel völlig unbekannt war.


    Die Spiegel-Kolumne von Sascha Lobo ist im Grunde völlig inhaltsleer - eine bloße Aneinanderreihung von Meinungen. Er scheint nicht mal vor Ort gewesen zu sein und weder von den ermittelten Fakten noch von den juristischen Grundlagen eine Ahnung zu haben. Aber wer braucht schon Ahnung, wenn er eine starke Meinung hat?


    Aus dem bei ihm verlinkten Artikel auf T-Online ist immerhin ansatzweise zu entnehmen, worum es offenbar ging. Zwei Artikel im Spiegel

    YouTuber »Drachenlord« zu zwei Jahren Haft verurteilt
    Seit Jahren verfolgen ihn seine Gegner im Netz, demonstrieren vor seinem Haus – dann attackierte er zwei Männer. Dafür muss der YouTuber »Drachenlord« jetzt…
    www.spiegel.de

    und in der NZZ :

    Fall «Drachenlord»: die Hilflosigkeit der Justiz bei Cybermobbing
    Ein junger Mann rastet nach jahrelangen Quälereien aus. Der Mob kommt ungeschoren davon.
    www.nzz.ch

    helfen noch etwas weiter.


    Wenn ich mal die dürren Faktenlage aus den Artikeln zusammenfasse, dann haben wir es mit einem intelligenzgeminderten Angeklagten mit narzisstischer Störung zu tun, der vorbestraft (7 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung) ist, weil er jemandem Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hat. Ob er weitere Vorstrafen hat, ist nicht bekannt.

    Nun hat der Angeklagte - zumindest im weitesten Sinne provoziert, wobei die Details nicht mitgeteilt sind - bei verschiedenen Gelegenheiten einen oder zwei Medizinstudenten gestoßen, einem Mann eine Taschenlampe ins Gesicht gestoßen, einen weiteren mit einem Backsteinwurf am Arm getroffen, einem weiteren ins Gesicht geschlagen und dabei die Brille zerstört. Polizisten soll er auch noch beleidigt haben. Insgesamt gab es 7 Tatopfer. Mindestens teilweise muss er die Taten unter laufender Bewährung begangen haben.


    Was bedeutet das strafrechtlich?

    1. "Tatbestandlich" liegen mindestens vier Körperverletzungsdelikte ("einfache" [§ 223 StGB] bzw. "gefährliche" [§ 224 StGB] Körperverletzung) vor, einmal vermutlich kombiniert mit Sachbeschädigung (§ 303 StGB), zusätzlich noch Beleidigungsdelikte (§§ 185 ff. StGB).


    2. Es stellt sich die Frage nach einer Rechtfertigung (insbesondere der Körperverletzungsdelikte) wegen Notwehr (§ 32 StGB). Die Voraussetzungen lagen mutmaßlich nicht vor, sonst wäre er nicht verurteilt worden. Notwehr darf man nur üben gegen einen "gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff". Wenn man gerade aktuell nicht "angegriffen" wird, gibt es keine Notwehr.


    3. Anhaltspunkte für Schuldunfähigkeit ergeben sich nicht.


    4. Die Strafhöhe (Freiheitsstrafe von 2 Jahren) erscheint jedenfalls nicht absurd hoch, sondern nach den gesetzlichen Maßstäben moderat.

    Für (jede) tatmehrheitlich (§ 53 StGB) begangene Körperverletzung gibt es Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren. Für gefährliche Körperverletzung gibt es im Normalfall Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren. Die in einem Fall tateinheitlich (§ 52 StGB) begangene Sachbeschädigung (§ 303 StGB) und die vermutlich tatmehrheitlich begangenen Beleidigungsdelikte kann man daneben weitgehend (aber eben auch nicht völlig) vernachlässigen. Es gibt einen "Mengenrabatt" (§§ 53, 54 StGB) in der Form, dass im Ergebnis die höchste Einzelstrafe erhöht wird, aber die Summe der Einzelstrafen nicht erreicht werden darf.

    Bei der Strafzumessung wird zu seinen Gunsten berücksichtigt, dass er provoziert wurde und die Tatopfer partiell "selbst schuld" sind. Auch seine psychiatrischen Defizite wirken sich zu seinen Gunsten aus. Aber andererseits wirkt sich zu seinen Lasten aus, dass er nicht nur (einschlägig) vorbestraft ist, sondern dass er die (gleichartigen) Taten mutmaßlich innerhalb der Bewährungszeit begangen hat. Sonderlich einsichtig in sein Fehlverhalten scheint er auch nicht gewesen zu sein. Und bei einem Backsteinwurf auf Menschen oder dem Schlag mit der Taschenlampe ins Gesicht hört der Spaß auf.


    5. Die Voraussetzungen einer Strafaussetzung zur Bewährung habe ich an anderer Stelle schon mal ausführlich dargelegt. In Kurzfassung: Eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr und maximal 2 Jahren kann zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn (a) dem Täter eine positive Prognose gestellt werden kann (= er wird wahrscheinlich keine Straftaten mehr begehen) und (b) besondere Umstände vorliegen. Hier dürfte es schon an der positiven Prognose scheitern. Es spricht eigentlich alles dafür, dass er sich in vergleichbarer Situation wieder vergleichbar verhalten wird. Die Richterin hat wohl (aus strafrechtlicher Perspektive) versucht, ihm eine "goldene Brücke" zu bauen und ihn dazu zu bewegen, künftig nicht mehr als Youtuber tätig zu sein. Dann hätte sie ihm mit viel Bauchschmerzen vermutlich noch einmal Bewährung gegeben (nach dem Motto: Die Situation ist jetzt völlig anders.) Das wäre mehr als gnädig gewesen. Er wollte darauf nicht eingehen, wohl weil er mit Youtube gut verdient. Das kann man nachvollziehen, aber für die Frage der Bewährung ist das "tödlich".


    Fazit: Die Verurteilung, die Strafhöhe und die Nichtaussetzung der Strafe zur Bewährung sind nachvollziehbar. Natürlich kann man über Details immer streiten.


    Ein paar Anmerkungen:

    1. Es ist richtig, dass "Mobbing" an sich nicht unter Strafe steht, sondern immer nur Einzelaspekte (z. B. Beleidigung oder Körperverletzung oder Sachbeschädigung). Das ist einerseits unbefriedigend, aber andererseits hat für dieses Problem bislang nach meinem Kenntnisstand keiner eine gute Lösung. Denn strafrechtlich muss man die Tat im Gesetzestext möglichst klar und bestimmt definieren - und am Ende muss man jedes einzelne Merkmal auch nachweisen können. Deswegen sind komplexe Vorgänge so schwer strafrechtlich zu erfassen.

    2. Auch wenn es Nichtjuristen schwer fällt: Es ging in diesem Prozess im Kern ausschließlich um das (strafrechtlich relevante) Fehlverhalten des Angeklagten. Es mag sein, dass sich ihm gegenüber zahlreiche Personen auch falsch, rechtswidrig, möglicherweise sogar strafbar verhalten haben. Aber in diesem Prozess ging es nicht um die anderen, sondern um ihn. Fehlverhalten der anderen war höchstens insoweit relevant, als es für eine mögliche Notwehr oder für die Strafzumessung gegenüber diesem Angeklagten von Bedeutung war.

    3. Relativ absurd ist es, wenn in der Spiegel-Kolumne der Eindruck erweckt wird, hier seien eine Staatsanwältin und eine Richterin völlig ausgeflippt. Der Fall kommt überhaupt nur vor Gericht (Anklage), wenn die Staatsanwaltschaft nach Abschluss der Ermittlungen aufgrund eigener Beurteilung zu der Überzeugung gelangt, dass wahrscheinlich mit einer Verurteilung zu rechnen ist (hinreichender Tatverdacht). Häufig ist der Staatsanwalt, der bei Gericht auftritt, nicht einmal der gleiche, der auch die Anklageschrift verfasst hat. Wie dem T-Online-Artikel zu entnehmen ist, war die Richterin dem Angeklagten gegenüber aufgrund der Rahmenbedingungen noch milde gestimmt. Die (offenbar zu Lasten des Angeklagten) eingelegte Berufung zeigt, dass man hier durchaus auch eine höhere Strafe verhängen könnte. Staatsanwälte machen sich sich durch das Einlegen einer Berufung noch mehr Arbeit, als sie ohnehin schon haben. Das macht erfahrungsgemäß kein Staatsanwalt, wenn er mit dem Urteil des Gerichts halbwegs leben kann. Gerade in einem solchen Fall wird das vermutlich auch mit dem Vorgesetzten innerhalb der Staatsanwaltschaft abgesprochen sein. Die Berufungseinlegung der Staatsanwaltschaft spricht also dafür, dass nach deren Auffassung das Gericht deutlich zu günstig für den Angeklagten entschieden hat - beantragt hatte die Staatsanwaltschaft 2 Jahre und 6 Monate.

    Nebenbei: Sogar der Verteidiger hatte bis zu 2 Jahren (mit Bewährung) beantragt - und für "Bewährung" spricht hier von außen betrachtet erst einmal gar nichts.

    Wenn ich mich nicht irre, steht ihr auf die Saison gesehen bei einer Turnover-Differenz von -1. Wo soll da eine Regression zum Mittelwert stattfinden?

    Meine Aussage bezog sich nicht nur auf die Turnovers, aber sie gilt auch für diese - bloß muss ich da etwas weiter ausholen:


    Die Chiefs haben unter Andy Reid (= seit 2013) erfahrungsgemäß sehr gute Turnover-Bilanzen. Dabei dürften 8 Jahre eine ausreichende statistische Datenmenge darstellen, um die statistischen Tendenzen für aussagekräftig zu halten.


    Mit Alex Smith als QB hat man ohnehin sehr auf Fehlervermeidung gespielt und hatte mit Ausnahme der Saison 2014 (-3) immer signifikant positive Turnover-Ratios (2013: +18; 2015: +14; 2016: +16; 2017: +15). Seit Mahomes am Ruder ist, sind die Ratios nicht mehr ganz so gut, aber mit +9 (2018), +8 (2019) und +6 (2020) immer noch signifikant positiv. Gemessen daran ist die aktuelle Bilanz von -1 schon auffällig schwach, aber natürlich auf geringer Datengrundlage.


    Das ist aber im Grunde noch eine viel zu grobe Betrachtungsweise. Gezielt beeinflussen kann man in erster Linie die verlorenen Turnovers, weil die in erster Linie von der Anfälligkeit des eigenen Spielers für INT/FUM abhängen. In diesem Bereich ist die Bedeutung des Zufalls also eher gering. Eine große zufallsabhängige Schwankung gibt es hingegen bei den gewonnenen Turnovers. Natürlich kann man beispielsweise versuchen, Bälle freizuschlagen, oder man kann einen Top-DB haben, der besonders gut fangen kann, aber die Erfahrung zeigt, dass der Einfluss solcher Faktoren verhältnismäßig gering ist.


    In den letzten Jahren schwankt die Quote der Drives, die mit einem Turnover enden, NFL-weit im Bereich von etwa 11-12 %. Die Chiefs hatten im Zeitraum 2013 bis 2020 (8 Jahre) konstant niedrigere Prozentsätze zwischen 6,3 % (2017) und 10,5 % (2018), wobei die Werte im Schnitt unter 9 % lagen (in den letzten drei Jahren bei durchschnittlich 9,2 %, in den fünf Jahren davor bei durchschnittlich 8,1 %). Demgegenüber lag die Quote der defensiv durch Turnovers beendeten Drives in 7 Jahren überraschend konstant bei 13-16,5 %, wobei ein Ausreißerjahr (6,2 % in 2014) hinzu kommt.


    Mit anderen Worten: Statistisch ist zu erwarten, dass die Chiefs zumindest durchschnittlich viele Turnovers erobern, aber deutlich unterdurchschnittlich viele Turnovers verlieren. Insbesondere hat sich an der offensiven Kaderzusammenstellung nichts geändert, was eine Verschlechterung erwarten ließe: Weder Mahomes noch Edwards-Helaire sind für ihre besondere Turnover-Anfälligkeit bekannt.


    Schauen wir auf die aktuellen Zahlen der Saison 2021, dann ergibt sich - auf der Basis einer niedrigen Grundgesamtheit - ein völlig atypisches Bild: Offensiv endeten 19,5 % aller Drives mit Turnovers - also mehr als doppelt so viele, wie zu erwarten gewesen wäre -, wohingegen die Defense mit 10,5 % auch insoweit unter dem Erwartungswert liegt. Daher dürfte sich eine "Regression zum Mittelwert" auch in diesem Bereich deutlich positiv bemerkbar machen.

    Chief wer spricht von Panik? Es geht um die Einschätzung ob die Chiefs ein SB-Kandidat sind und das sehe ich in dieser Saison einfach nicht.


    Ist alles super was du da statistisch aufgezeigt hast, aber Statistik ist nicht die ganze Wahrheit.

    Die Chiefs sind nicht mehr der Topfavorit in der AFC den es zu schlagen gilt.

    Ich nehme es zur Kenntnis, sehe es aber anders. Daran würde sich auch bei einer Niederlage heute Nacht nichts ändern. Meine These ist weiterhin, dass die Chiefs schon jetzt jeden schlagen können und im Saisonverlauf noch stärker werden sollten - natürlich immer unter dem Vorbehalt gravierender verletzungsbedingter Ausfälle.

    Bei den Buchmachern - und die verdienen immerhin ihr Geld damit - sind die Chiefs übrigens nach aktuellem Stand gleichauf bzw. knapp vor den Bucs der Top-Favorit auf den Superbowl-Sieg.

    Sorgen würden mir als Chiefs Fan vor allem die Defense machen. Und das nicht unbedingt wegen der bisherigen Leistungen. Mit dem Personell hattet ihr mMn von vornherein Potenzial zu einer bottom-five Defense. Ihr habt außerhalb von Chris Jones keinen Pass-Rush und mit Hughes und Ward eins der nominell schlechtesten outside-corner Duos der Liga. Keine gute Kombination. Auf Linebacker sieht es nicht unbedingt besser aus, und nachdem Thornhill sich nicht entsprechend zu entwickeln scheint, ist Safety auch keine wirkliche Stärke mehr.

    Auch das nehme ich zur Kenntnis, kann aber innerlich nur den Kopf schütteln. Die individuelle Qualität ist m. E. wesentlich besser, also Du es darstellst. Die aktuelle Schwäche der Defense beruht m. E. auf einer Kombination aus verletzungsbedingten Ausfällen (vor allem Clark, Gay, Ward, Fenton), schlechtem Tackling und Abstimmungsproblemen in der Passverteidigung. Schlechtes Tackling erleben wir jedes Jahr zu Saisonbeginn. Das bessert sich schon bislang und wird sich weiter bessern. Gleiches sollte nach menschlichem Ermessen für die Abstimmungsprobleme gelten, auch wenn ich einräume, dass ich mir da schnellere Fortschritte erhofft hätte. Schließlich ist keine der Verletzungen so gravierend, dass die genannten Spieler nicht zeitnah wieder einsteigen könnten.


    Aus meiner Sicht:

    Die Offense hat für die eigenen Maßstäbe wacklig begonnen, was natürlich immer noch gut ist. Das war angesichts der völlig runderneuerten O-Line zu erwarten. Die O-Line entwickelt sich von Spiel zu Spiel, und zwar schneller, als ich es erwartet hätte - da bin ich absolut begeistert.

    Die Defense produziert bislang grauenhaft. Aber auch da bin ich aus den genanten Gründen optimistisch, dass es spätestens in der zweiten Saisonhälfte besser wird.

    Mit einer sich steigernden Offense und einer aus meiner Sicht enorm steigerungsfähigen Defense stehen die Chiefs bei 2-2. Das ist nicht wunschgemäß, aber im schlimmsten Fall würde es letztlich reichen, in der zweiten Saisonhälfte in Form zu sein und die Playoffs zu erreichen.

    DE Frank Clark und CB Rashad Fenton haben diese Woche voll trainiert und sind wieder mit dabei.


    DE Chris Jones hat wegen seiner Handgelenksverletzung nicht trainiert, ist aber gleichwohl "nur" questionable. Mutmaßlich deswegen wurde DE Demone Harris von der Practice Squad aktiviert.


    CB Charvarius Ward hat anfangs voll trainiert, aber am Freitag gab es mit "limited practice" wieder einen Rückschritt, so dass auch er "questionable" ist.


    Gleiches gilt für LB Willie Gay jr, der immerhin in letzter Sekunde von IR aktiviert wurde und damit heute spielen dürfte.

    Gute Nachrichten am Rande:


    HC Andy Reid wurde aus dem Krankenhaus entlassen und wird heute oder spätestens morgen früh wieder "back to work" erwartet.


    Wie schon erwähnt wurde, wird mit einer Verpflichtung von WR Josh Gordon gerechnet. Es gab wohl eine Vielzahl interessierter Teams. Sportlich wäre er eine Bereicherung. Allerdings ist seine Karriere-Bilanz an Sperren rekordverdächtig. Mal sehen, wie oft und wie lange er auf dem Platz steht.


    Nach den positiven Meldungen der Vorwoche kann man auch hoffen, dass LB Willie Gay schon in dieser Woche von IR ins Team zurückkehrt.

    Das klingt mir alles nach ergebnisorientiertem Bauchgefühl ohne echte Faktengrundlage. Letztes Jahr war man bei 8 engen Spielen bei 8-0, nun steht man bei 1-2. Das hat aber wenig mit der Qualität an sich zu tun, sondern liegt alles in der natürlichen Schwankungsbreite.


    Schauen wir zunächst mal auf die Offense: Man hatte 9 "echte" Drives.

    #1: 10 Plays, 63 yards, 6x 1st down, 4x 2nd down, INT. Die Chargers-Defense wirkte chancenlos und bekam ein Geschenk.

    #2: 5 Plays, 36 yards, 4x 1st down, 2x 2nd down, Fumble. Erneut erreichte die Chargers-Defense nicht mal ein 3rd down und profitierte erneut von einem groben Fehler.

    #3: 6 Plays, 42 yards, 3x 1st down, 2x 2nd down, 1x 3rd down, Fumble. Erstmals hatten die Chargers bei 3rd & 3 eine kleine Chance auf einen ersten echten Stop (erfolglos). Wieder profitiert man von einem Fumble.

    #4: 3 Plays, 4 yards (3 & out). Der erste echte Stop der Chargers-Defense nach Fehlern in der Chiefs-O-Line.

    #5: 11 Plays, 70 yards, 4x 1st down, 3x 2nd down, 3x 3rd down, FG bei 4th down. In einem Drive, in dem die Chargers-Defense zum zweiten Mal echten Widerstand leistete, schaffen die Chiefs immerhin 70 yards.

    #6: 13 Plays, 75 yards, 7x 1st down, 4x 2nd down, 2x 3rd down, TD. Die Chargers-Defense hatte keinen Zugriff und am ehesten einmal bei 3rd & 6 an der Mittellinie eine Chance auf einen echten Stop.

    #7: 11 Plays, 70 yards, 6x 1st down, 4x 2nd down, 1x 3rd down, TD. Die Chargers-Defense hatte kaum Zugriff und nur einmal bei 3rd & 10 eine Chance auf einen Stop.

    #8: 12 Plays, 72 yards, 6x 1st down, 6x 2nd down, TD. Die Chargers-Defense wirkte chancenlos.

    #9: 3 Plays, 2 yards, INT. Hier gelang den Chargers mal ein guter Stop, denn auch ohne die INT hätten die Chiefs punten müssen.


    Mit anderen Worten: In zwei Drives (#4 und #9) hatten die Chargers-Defense die Oberhand. In einem Drive (#5) hielt man die Chiefs trotz großen Raumgewinns bei einem FG. In sechs Drives war man praktisch nicht in der Lage, die Chiefs aufzuhalten, wobei man dreimal von kapitalen Fehlern der Chiefs profitierte.

    Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass Samuel jr. die erste INT toll gefangen hat und die Chargers-Defense natürlich bei den Fumbles ihren Teil dazu beigetragen hat. Aber letztlich sind das Fehler der Chiefs, die nichts mit der Qualität des Offensivspiels an sich zu tun haben.

    Mit anderen Worten: Die Offense war an sich sehr gut. Besonders bemerkenswert: Sie war sehr gut, obwohl die O-Line noch in der Findungsphase ist. Vorbehaltlich irgendwelcher gravierender Verletzungen ist also davon auszugehen, dass die Offense im Saisonverlauf noch besser wird.


    Die Defense ist natürlich nicht so gut, wie man es sich wünschen würde. Das Hauptproblem ist aktuell die Red Zone Defense. Aber gegen die Chargers hat man (ohne Clark, ohne Ward, ohne Gay, mit angeschlagenem Jones und im Spielverlauf schließlich auch ohne Fenton) deutlich besser mitgehalten. Die Laufverteidigung war gut, und zwar konstant bei 1st, 2nd und 3rd down. Die Passverteidigung war ausreichend, wobei ich keine Zweifel habe, dass man die Abstimmungsprobleme unter den DBs im Saisonverlauf abstellen können wird. Auch der Passrush war zwar noch nicht gut, aber verbessert: Obwohl es lediglich einen Sack gab, lag die preassure rate bei 36,5 %. Das Tackling war deutlich verbessert. Zum Vergleich die 9 "echten" Drives der Chargers:

    #1: 3 & out (5 yards), Punt

    #2: 6 Plays, 23 yards, Punt

    #3: 9 Plays, 51 yards, TD

    #4: 6 Plays, 53 yards, TD

    #5: 5 Plays, 18 yards, Punt

    #6: 3 Plays, -1 yards, Punt

    #7: 11 Plays, 75 yards, TD

    #8: 10 Plays, 69 yards, FG

    #9: 8 Plays, 59 yards, TD


    Der Chiefs-Defense sind also 4 echte Stops und ein halber (FG) gelungen. Von den vier TD-Drives waren drei durch Feldposition nach Turnovers begünstigt (#3, #4, #9). Zudem haben die Chargers zweimal erfolgreich bei 4th down gezockt. Das ist alles noch nicht toll, aber schon mal deutlich besser als in den ersten beiden Spielen. DC Spagnuolo hat es heute treffend auf den Punkt gebracht: "We're right on the verge of things, but we need to get there." Es fehlte wenig, um den Gegner unter 20 Punkten zu halten.


    Die Chargers haben im Grunde strategisch etwas Ähnliches gemacht wie die Bills im Vorjahr in der regulären Saison: Sie haben den Chiefs die Big Plays weggenommen. Dadurch wurde das Spiel langsamer und es gab insgesamt wenige Drives. Je weniger Drives es gibt, desto größer ist die Rolle des Faktors Zufall. Der Zufall begünstigt das an sich schwächere Team. Der Unterschied: Für die Bills hat es sich 2020 im Ergebnis nicht ausgezahlt, für die Chargers 2021 schon.


    Mit einer Turnover-Bilanz von -4 liegt die Siegchance in der NFL statistisch bei 3,8 %. Das ist die naheliegendste Erklärung für diese Niederlage. Prognostisch ist allenfalls interessant, ob die Chiefs weiterhin eine derart schlechte Turnover-Bilanz haben werden. Hiergegen spricht Folgendes:

    1) Hinsichtlich Fumbles und insbesondere verlorener Fumbles zeigen alle statistischen Untersuchungen nahezu keine prognostische Aussagekraft. Einfacher ausgedrückt: Es ist weitgehend Zufall. Lediglich selten gibt es QBs oder RBs, die (beispielsweise aufgrund zu kleiner Hände) eine allgemeine Tendenz zu Fumbles haben. Das gilt aber nach allen vorliegenden Erkenntnissen weder für Mahomes noch für Edwards-Helaire. Eine weitere allgemeine Tendenz ist denkbar bei einer Kombination von schwacher O-Line und QB, der den Ball zu lange hält und dann im Rahmen von Strip Sacks Fumbles kassiert. Auch diesbezüglich gibt es bei den Chiefs keine Anhaltspunkte.

    2) Hinsichtlich INTs gibt es stärkere statistische Korrelationen. Einfacher ausgedrückt: Es gibt QBs, die häufiger INTs werfen als andere. Auch zu denen gehört Mahomes nach allen Erfahrungen nicht.

    3) Umgekehrt werden die Chiefs natürlich auch selbst wieder Turnovers erzielen.


    Mich erinnern die Chiefs aktuell an einige Jahre der Patriots, bei denen es zu Saisonbeginn durchwachsen lief, weil das Team sich nach Umstellungen erst einspielen musste. Bei den Chiefs betrifft das vor allem die O-Line und die DBs.


    Am ehesten würde ich zustimmen, dass die Division schwerer geworden ist, weil die Konkurrenz im Schnitt etwas stärker geworden ist, und dass ein weiterer guter Receiver wünschenswert wäre. Aber ich sehe keinen Grund zur Panik. Die Chiefs haben ein tolles Team. Die qualitativen Probleme waren absehbar und werden sich zumindest teilweise legen. Zufallskomponenten sind nicht prognostizierbar, aber da setze ich auf die Regression zum Mittelwert.

    Das war erneut eine frustrierende Niederlage. Dabei haben sich die Chiefs durch grobe Fehler selbst geschlagen.


    Zur Offense:


    Die völlig neu zusammengestellte O-Line präsentiert weiterhin eine Mischung aus Fortschritten und "growing pains". Das Run-Blocking war sehr gut, was im sehr erfolgreichen Laufspiel der Chiefs zum Ausdruck kam. Dagegen hatte die O-Line im (für die Chiefs-Offense naturgemäß besonders wichtigen) Pass-Blocking einige Probleme. Insbesondere RT Lucas Niang hatte in seinem dritten NFL-Spiel mit DE Joey Bosa seine liebe Müh' und Not - aber wer mag es ihm verdenken?


    QB Mahomes konnte infolge des wackeligen Pass-Blockings selten einmal in Ruhe werfen. Auch seine Fußarbeit war dieses Mal nicht die beste, so dass er seinen Häschern nur selten wie gewohnt entkommen konnte, auch wenn er letztlich nur zwei Sacks kassierte. Seine Pässe ließen wiederholt die letzte Präzision vermissen. Zudem geht die letzte von formal zwei INTs auf seine Kappe, als er es schließlich erzwingen wollte und sein ungenauer Pass in den Händen des gegnerischen Safeties landete. Das ist freilich alles Kritik gemessen ab üblichen Mahomes-Niveau. Auch wenn es nicht sein bester Tag war, sind 27/44 für 260 yards und 3 TD-Pässe nicht so übel, zumal die Receiver noch ein paar catches liegen gelassen haben.


    Die RBs waren leider erneut im Passangriff nur wenig zu sehen (je 2 Catches von Edwards-Helaire und Williams). Aber das Laufspiel war eigentlich recht erfreulich. Beispielsweise kam CEH in 17 Versuchen auf 100 yards (Durchschnitt 5,9 yards/Carry), wobei er den Ertrag sogar relativ konstant zu erzielen vermochte (längster Lauf über 14 yards). Alles hätte gut sein können, hätte er nicht erneut gefumbled.


    Im Receiving Corps gab es Licht und Schatten. Auch wenn TE Travis Kelce dieses Mal keinen TD verbuchen konnte, war er mit 7 Catches für 104 yards am erfolgreichsten. Allerdings fanden auch vier Pässe in seine Richtung nicht ihr Ziel. Auch WR Tyreek Hill "erfreute" sich regelmäßiger Doppeldeckung und kam so nur auf 5 Catches über 56 yards (bei 7 Targets) und einen Lauf über 11 yards. Positiv ist, dass viele Receiver in den Angriff einbezogen wurden: Weiteren 8 Spielern gelangen weitere 15 Catches. Die TD-Pässe gingen auf TE Fortson (sein erster TD-Catch), RB Edwards-Helaire und WR Hardman. Leider gab es aber auch immer wieder Fehler. So verursachte WR Kemp beim einzigen in seine Richtung geworfenen Pass die erste INT, WR Hill hatte einen Fumble und - ebenso wie Byron Pringle -einen Drop im letzten Drive. Überhaupt war die Fangquote von Pringle (2 Catches bei 6 Targets) ausbaufähig.


    Insgesamt war die Chiefs-Offense kaum zu stoppen - und hat trotzdem das Spiel verloren. Die ersten beiden Drives liefen absolut flüssig - die Chargers kamen nicht einmal zu einem 3rd down. Aber erst fälschte WR Kemp einen nicht hundertprozentig präzisen, aber absolut fangbaren "No-look-Pass" von Mahomes so dämlich ab, dass er von Chargers-CB Asante Samuel jr. kurz vor seiner eigener Endzone abgefangen werden konnte (großartiger Catch von ihm!), und im zweiten Drive unterlief WR Hill ein Fumble. Im dritten Drive war es dann RB Edwards-Helaire, der mit seinem Fumble die Aussicht auf Punkte begrub. Im vierten Drive sah dann zur Abwechslung die O-Line nicht gut aus: Erst versemmelte man bei einem erfolgversprechend aussehenden Screen-Pass-Versuch einen Block, und dann ließ der eigentlich gut spielende Rookie-RG Trey Smith einen schnellen Sack von DE Joey Bosa zu. Im fünften Drive trug dann ein Fehlstart von LG Joe Thuney dazu bei, dass es (nur, aber immerhin) kurz vor der Pause nur ein FG gab. In den ersten drei Drives der zweiten Halbzeit konnten die Chargers die Chiefs-Offense nicht stoppen (3 TDs). Als es beim Spielstand von 24-24 mit 2:14 Minuten auf der Uhr so aussah, als könnte Mahomes den Sieg noch unter Dach und Fach bringen, endete der Drive in einer Interception, als er beim dritten Versuch einen Pass auf Kelce erzwingen wollte. Beim Stand von 24-30 mit 32 Sekunden auf der Uhr (und nur einer Auszeit) konnte man nur noch auf ein Wunder hoffen. Dieses hätte durchaus eine Chance gehabt, wenn nicht sowohl WR Hill als auch vor allem WR Pringle fangbare Pässe fallen gelassen hätten. Selbst beim abschließenden Hail Mary hätte man über PI (an Kelce) diskutieren können. Aber so blieb das Wunder aus.


    Zur Defense:


    Die Laufverteidigung war im Vergleich zu den ersten beiden Spielen deutlich verbessert. Auch wenn längst noch nicht alles funktioniert hat, konnte man die Chargers bei 22 Laufversuche auf 77 yards (durchschnittlich 3,5 yards pro Laufversuch) halten und 4 TFL einfahren.


    In der Passverteidigung gab es Licht und Schatten. Trotz des verletzungsbedingten Ausfalls von CB Ward sah die Coverage meistens recht gut aus. CB Fenton fiel leider im 3. Quarter wegen des Verdachts auf Gehirnerschütterung aus, als er ein Knie gegen den Helm bekam. Der Pass Rush war weiterhin zu schwach (z. B. nur ein Sack von Mike Danna, der zudem ein Coverage-Sack war). Zudem gab es leider erneut wiederholte Missverständnisse unter den DBs, so dass den Chargers das eine oder andere relativ leichte Big Play gelang. Insoweit bin ich weiterhin optimistisch, dass sich derartige Abstimmungsprobleme im Saisonverlauf abstellen lassen. Das gilt hoffentlich auch für Strafen zur Unzeit wie beispielsweise ein PI-Call gegen CB Baker bei 4th & 9.


    Individuell wird erneut S Daniel Sorensen kritisiert und an seiner Stelle Juan Thornhill gefordert, aber wenn auch "Dirty Dan" nicht der beste in Coverage sein mag, ist er ein solider Tackler, so dass mir die Kritik völlig überzogen erscheint. Auch an LB Anthony Hitchens scheiden sich die Geister: Teilweise wird er hoch gelobt ("looked as good as he has in a Chiefs uniform"), was im Hinblick auf seine "sichtbaren" Leistungen (Tackles, Passverteidigung) auch gerechtfertigt sein mag. Aber andererseits liegt das defensive Playcalling und vor allem die Red Zone Defense in erheblichem Maße in seinen Händen - aktuell zwei Schwachpunkte der Chiefs. Insgesamt haben die Chiefs im Rahmen der Red Zone Defense gegen die Chargers 4 TDs und ein FG abgegeben, was nach drei Spielen auf insgesamt 12 TDs und ein FG in 13 gegnerischen Anläufen hinausläuft. Das ist offenkundig einfach verheerend, vor allem wenn man bedenkt, dass hier ein Schwerpunkt der Trainingsarbeit lag/liegt. Erfreulich: Rookie-LB Nick Bolton hat erneut ordentlich gespielt.


    Positiv ist, dass man die Chargers bei den 3rd downs relativ gut einbremsen konnte (4/11), wobei das letztlich in mindestens zwei Fällen (durch eine 4th down conversion und eine PI-Strafe) zunichte gemacht wurde.


    Trotz aller Kritikpunkte an der Defense war diese deutlich verbessert. Wenn die Offense mit 2:14 auf der Uhr einen halbwegs normalen Drive hingelegt hätte, hätte die Defense trotz aller Fehler und trotz fehlender Turnovers "nur" 24 Punkte zugelassen, was absolut im Rahmen gewesen wäre.


    Fazit:

    Die Chiefs haben mit insgesamt 437 yards (gegenüber 352 yards der Chargers) und 33 first downs (gegenüber 21 der Chagers) im großen und Ganzen ein Offensivfeuerwerk abgebrannt, das eigentlich für einen Sieg hätte reichen sollen. 186 yards bei 30 Laufversuchen sind für die an sich passlastige Chiefs-Offense hervorragend (6,2 yards/Lauf). Im Vergleich sehen 260 Passyards geradezu "mickrig" aus, wobei da noch mehr drin gewesen wäre. Aber letztlich gewinnt man eben bei einer Turnover-Bilanz von -4 nur selten ein Spiel. Bei 10 Drives (einschließlich des 32-Sekunden-Drives zum Spielende, also eigentlich 9 "echte" Drives) im gesamten Spiel ist das einfach zu kostspielig.


    ---


    Die schlechteste Nachricht gab es dann nach Spielende, als HC Andy Reid mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus gebracht wurde.


    Noch ist die genaue Ursache unklar. Während man es offiziell als eine reine Vorsichtsmaßnahme darstellt, weil er sich "krank gefühlt" habe, sprechen die Nutzung eines Krankenwagens sowie eine Aussage von Tyrann Mathieu ("I’m praying for my Head Coach & I’m hoping you can send up prayers with me!! One of the best men & teachers I’ve been around!!! GOD please show us your mercy!") schon für ernste Gründe.


    Am späteren Abend lautete die offizielle Mitteilung: "Head Coach Andy Reid felt ill at the conclusion of the game. He was evaluated by our medical staff in the locker room, and as a precaution, was transported to The University of Kansas Health System for further evaluation. Coach is doing well, currently resting and in stable condition."

    Im 3. Jahr unter Spags mit den Ressourcen die reingesteckt wurden in die Defense, wäre es mal Zeit nicht wieder Richtung 0 anzufangen am Saisonbeginn.

    Da hätte auch ich mir schon zum Saisonbeginn mehr erwartet.


    Aber man muss auch berücksichtigen, dass die Chiefs generell ein sehr junges Team haben - nach einer aktuellen Analyse von Mike Sando wohl sogar die jüngsten Units der gesamten Liga. Dann schult noch einer der beiden Top-Verteidiger von DT auf DE um und man hatte mit Browns und Ravens vielleicht die beiden laufstärksten Teams gegen sich. Gerade die Ravens haben auch (dank ihres QBs) einen sehr atypischen Stil. Man sieht ja beispielsweise am College, wie schwer sich manchmal Top-Teams tun, wenn sie einmal im Jahr gegen eine völlig ungewohnte Triple Option Offense (o. ä.) spielen müssen.

    Beziehst du das nur auf die Chiefs ( "Einen RB früh zu draften ist das dämlichste was du machen kannst. " ) oder ist diese Aussage allgemein gehalten ?


    Falls Punkt 2 zutrifft , also "allgemein gehalten " würde mich folgendes interessieren : Glaubst du , das die Cleveland Browns das gleiche Team ohne Nick Chubb ( 2.round / pick 35 ) wären oder das sie ( Browns ) schlechter gestellt wären ?

    Ohne Daywalker vorgreifen zu wollen:


    1. Du weißt (positionsunabhängig) ex ante natürlich nie, wie genau sich ein Talent entwickeln wird. Es ist also nicht ganz fair, mit einem Beispiel-Spieler zu argumentieren, nachdem man weiß, wie gut er in der NFL eingeschlagen hat. Außerdem hat Daywalker nicht gesagt, dass Edwards-Helaire (oder allgemein ein früh gedrafteter RB) das Team nicht besser machen würde, sondern dass es nicht gut ("das dämlichste") sei, einen RB früh zu draften. Der Ökonom würde das als "Opportunitätskosten" bezeichnen, denn die Fragestellung lautet nicht "Nehmen wir den RB oder nicht?" sondern "Nehmen wir den RB oder einen anderen talentierten Spieler auf einer anderen Position?"

    2. Speziell bei RBs gibt es folgende Probleme:

    a) Ihre "Halbwertszeit" in der NFL ist im Durchschnitt relativ kurz. Entweder sie setzen sich nicht durch. Oder sie setzen sich durch, dann kriegen sie normalerweise oft den Ball und werden häufig getackelt (beides viel häufiger als z. B. ein vergleichbar guter WR), was dem Körper mittelfristig schwer zusetzt. Deswegen haben RBs im Durchschnitt nur sehr kurze Karrieren in der NFL. Du kriegst also für Deinen Draftpick weniger Qualität pro Zeiteinheit als auf anderen Positionen.

    b) Die Position des RBs hat in der heutigen (passfreundlichen/-lastigen) NFL einen deutlich geringeren Wert als früher. Du kriegst also auch weniger positional value als beim Draften von Spielern auf anderen Positionen.

    c) Prinzipiell ist RB nicht gerade die am schwierigsten zu erlernende Position. Deswegen (sowie wegen a) und b)) kriegst Du im Draft auch in späten Runden noch vergleichsweise aussichtsreiche Talente auf RB. Auch wenn es mal einen Tom Brady gab, kriegst Du in der 6. Runde viel eher einen guten RB als einen guten QB.


    Das alles spricht ganz generell heutzutage dagegen, früh einen RB zu draften.

    Anders als Daywalker bin ich gerade in diesem Jahr sehr optimistisch. Natürlich kann (gerade im Hinblick auf Verletzungen) viel schief gehen, aber das kann man halt schlecht planen.


    Auf die Defense wird schon wert gelegt. Die Chiefs geben durchaus eine Menge Geld für ihre Defense aus. Spieler wie Clark, Jones, Reed, Hitchens, Mathieu und Reed sind alle nicht gerade billig. Leider stimmt die Leistung nicht bei allen. Aber ich gehe weiter davon aus, dass die Chiefs-Defense erhebliches Potential hat. Das Tackling ist beispielsweise zu Saisonbeginn immer furchtbar und wird dann besser. Bolton ist ein Rookie, Gay ist verletzt, Clark ist noch nicht voll einsatzfähig und Abstimmungsprobleme in der Coverage lassen sich beheben.


    Ich bin auch fast vom Stuhl gefallen, als die Chiefs in der ersten Runde 2020 einen RB gezogen haben. Aber "dämlich" halte ich für übertrieben. Es haben viele erwartet, dass er perfekt zu Andy Reid passen würde. Letztes Jahr war er vor der Saison der "Geheimtipp" für Fantasy-Footballer schlechthin. Die erste Saison war mittelmäßig, aber das konnte man noch gut begründen (fehlende Saisonvorbereitung, O-Line nicht auf Laufspiel ausgerichtet und verletzungsgeplagt). Aber dieses Jahr müsste er eigentlich liefern. Zwei Spiele sind noch zu wenig, um es abschließend zu beurteilen, aber bislang läuft es nicht gut (genug).

    Wie gut, dass ich heute Nacht nicht wach geblieben bin, um mir das Spiel anzuschauen. Das war - wie schon wiederholt im Vorjahr - so ein Spiel, in dem man gefühlt alles im Griff hat, aber den Sack nicht zumacht. Irgendwann geht es dann mal schief.


    QB Mahomes hatte trotz der etwas dämlichen INT wieder einen guten Tag. Die O-Line hat einen Schritt nach vorne gemacht, auch wenn noch nicht alles rund läuft. C Humphrey hatte wieder einen miesen Snap dabei, der einen Drive zerstört hat, und vereinzelt missratene Blocks, aber mit derart jungen Spielern muss man Geduld haben. RB Edwards-Helaire hat mich wieder nicht überzeugt (nur 3,5 yards/carry, kein catch) und am Ende durch seinen Fumble auch noch das wahrscheinliche FG zum Sieg weggeworfen. WR Hill war fast dauernd in Doppeldeckung, aber Kelce war wieder stark und außerdem hat Mahomes dieses Mal auch zahlreiche andere Receiver erfolgreich anvisiert. Insgesamt lief der Passangriff gut.


    S Mathieu hatte einen tollen Tag (2 INTs, diverse gute Tackles). Es gab auch immer wieder einzelne gute Aktionen, z. B. von DE Clark, LB Bolton oder S Sorenson. Aber dann gab es auch immer wieder haarsträubende Fehler (z. B. schlechtes Tackling oder Missverständnisse in der Coverage), die dann alles wieder zunichte machten. Wenn man es positiv sieht: Das sind Fehler, die man im Saisonverlauf abstellen kann. Die Chiefs legen keinen großen Wert auf Laufverteidigung, aber insgesamt 481 yards für eine lauflastige Offense des Gegners sind einfach viel zu viel. Das gilt erst Recht, wenn die mit ihrem vierten RB antreten muss. Chris Jones schien bei seinem ersten Einsatz als DE gegen eine solche Offense doch einige Probleme zu haben. Passrush gab es generell relativ wenig. Furchtbar ist die schon im Vorjahr schwache Red Zone Defense: Die TD-Quote der Gegner liegt nach zwei Spielen bei 8/8.


    Das war zumindest in der Defense ein enttäuschendes Spiel, wobei immer noch ein Sieg möglich gewesen wäre, den man leichtfertig weggeworfen hat. Back zu work!

    2 - 0. Nice, 2 Siege an der East Coast in early games.
    Nicht so selbstverständlich, so kann man mal starten.
    Starke Defense der Eagles, aber auch die 49ers mit toller Defense.
    Hoffe die drei verletzten RBs kommen da halbwegs glimpflich raus.

    Am Anfang hat in der Offense das Timing gefehlt, aber es wurde im Verlauf glücklicherweise besser. Die Defense hat super gespielt, bis das Spiel fast gewonnen war, und ist dann wieder in den Tiefschlaf-Modus verfallen. Insofern erinnerte es wieder an Woche 1, wenn auch nicht so extrem.


    Insgesamt kann man auf den trotz der Verletzungen bislang gezeigten Leistungen aufbauen. Die Gegner dürften allerdings besser werden.

    Ruiz auf C, da Clapp auf IR. Mal sehen wie schwer die Verletzung wirklich ist. Ich bin da eher optimistisch gestimmt. Es gab keinen Grund einen angeschlagenen McCoy zurück ins Spiel zu bringen.

    Die Saints verpflichten angeblich den Chiefs-Center der letzten Jahre (Austin Reiter) für die Practice Squad, wobei erwartet wird, dass er für das nächste Spiel bereits aktiviert wird. McCoy soll voraussichtlich nach der Bye week wieder zur Verfügung stehen.

    Im Frühjahr hatte C Austin Reiter noch ein Vertragsangebot der Chiefs abgelehnt, weil er sich bessere Angebote erhofft hatte. Diese Hoffnungen hatten sich bis zu Saisonbeginn nicht erfüllt. Nun wird er von den Saints für die Practice Squad verpflichtet, wobei erwartet wird, dass er bereits für das nächste Spiel aktiviert wird.


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    Auch auf der Practice Squad der Chiefs gibt es weitere Veränderungen: LB Omari Cobb wurde entlassen. Vermutlich benötigen die Chiefs den Platz für einen anderen Spieler. Am Dienstag hatten zwei Spieler ihre Workouts, nämlich WR Kelvin Harman und RB Brenden Knox.

    Nee, Zufall ist sicherlich nicht die naheliegendste Möglichkeit. Dann würde es auch andere Teams ähnlich treffen.

    Das stimmt so nicht. Auch zufällige Verteilungen weisen Häufungen auf. Man weiß, dass in großen Datensätzen (mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwo) Häufungen auftreten werden. Man weiß bloß vorher nicht, wo die Häufung auftreten wird - sonst wäre sie nicht zufällig. Das ist ein Standard-Problem bei der Untersuchung großer Datensätze auf Häufungen/Korrellationen (z. B. in Bereichen wie Medizin oder Ernährung). Es ist analytisch ein riesiger Unterschied, ob man ex ante ein bestimmtes auffälliges Ergebnis voraussagt, dass dann auch eintritt, oder ob man ex post ein bestimmtes auffälliges Ergebnis feststellt (- was man sich an den Lottozahlen leicht klarmachen kann). Das menschliche Gehirn sucht und findet bloß immer Kausalzusammenhänge - auch dort, wo keine sind.


    Das schließt natürlich nicht aus, dass es einen solchen Kausalzusammenhang geben kann - bloß erscheint ein solcher viel wahrscheinlicher, als er tatsächlich ist.


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    Die 49ers stehen angeblich kurz vor der Verpflichtung von CB Dre Kirkpatrick.

    Andy Reid hat sich in der heutigen Zoom-Pressekonferenz positiv über die O-Line geäußert und Lucas Niang ein Sonderlob ausgesprochen ("I was pretty impressed. Lucas Niang had probably the toughest job of all of them — and he [bore] down and pushed through. These are young, young guys in there — and a veteran group of defensive linemen.") Unter anderem meinte Reid, dass man individuell die Run-Blocks ordentlich hinbekommen habe, aber noch die Koordination untereinander sowie mit dem RB gefehlt habe. Diese Synchronisation wird einfach etwas Zeit brauchen.


    Ein Statement von Mahomes spricht dafür, dass ein ähnliches Synchronisationsproblem zwischen ihm und der O-Line auch der Grund für manchen QB-Pressure gewesen sein könnte (“There were times where I drifted to the back just a bit too far, and they were kind of getting those guys around the 10-yard area, so I had to step up pretty quickly. But we’ll continue to work on that. They’re doing a great job of being firm in the front and kind of edging those guys so I can still be in the pocket. They did a great job today against — like you said — a really good defensive line.”)


    Weiteres Sonderlob vom Headcoach gab es für die "Chemie" zwischen Mahomes und Hill einerseits sowie die individuellen Fähigkeiten von Hill andererseits (zu letzteren: “He just has a unique feel for the ball. He would have been a great centerfielder. He’s able to track the ball. He’s uncanny with that. He’s so fast that when he gets going, you’re spending a lot of effort to keep up with him, and he can stop on a dime, and you end up flying by, and he’s in position to make the play. So, he’s a unique character that way.”)


    Schließlich war Reid mit Nick Bolton zufrieden, wenn man berücksichtigt, dass er ein Rookie ist: "I thought Nick did a pretty good job. He had a couple real secure tackles that were important for us. It looked like mentally he was able to digest everything they threw at him, and if he did make a mistake, he fixed it the second time around. On defense, if you’re a repeat offender that can be a tough deal on the defense, so he’s been good with that and he was good with that in the game, too.”

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    Die Chiefs sind weiterhin auf der Suche nach TE-Talenten. Neuestes Mitglied auf der Practice Squad ist Mark Vital jr. (6'5, 250 lbs). Er war ein 4-Star-Recruit und half Baylor, die National Championship zu gewinnen ... im Basketball. Er wurde nicht gedraftet, war im Sommerteam der Portland Trail Blazers, entschied sich dann aber für einen Versuch als Football-TE. Nach einer Woche auf der Practice Squad bei den Seahawks schauen ihn sich nun die Chiefs an. Noch wurde nicht mitgeteilt, wer entlassen wurde, um für ihn Platz zu machen. Um für ihn Platz zu machen, wurde WR Maurice Ffrench gecuttet.

    Mein erster Eindruck: Das war ein quality win gegen einen starken Kontrahenten. Das Spiel hätte auch anders ausgehen können. Aber man konnte sehr viele gute Ansätze erkennen. Dass im ersten Spiel noch nicht alles funktioniert, liegt auf der Hand.


    QB: Mahomes hatte insgesamt einen guten Tag. Negativ ist mir in erster Linie ein zu kurz geratener Pass in Richtung von Demarcus Robinson in Erinnerung, der in der Endzone frei für einen TD gewesen wäre. Aber letztlich hat Magic Mahomes wieder die Kohlen aus dem Feuer geholt. 27/36 für 337 yards, 3 TD, 0 INT, nebenbei im 47. Spiel noch die NFL-Rekorde für Passing Yards und Passing TDs in den ersten 50 Spielen gebrochen. Man kann nicht wirklich meckern, zumal er auch weiterhin gut zu Fuß ist.


    RB: Edwards-Helaire hatte keinen sonderlich guten Tag. Noch ist schwer zu beurteilen, woran es konkret lag. Die Browns haben natürlich eine sehr gute Defense. Aber man hatte auch manchmal den Eindruck, dass aus den Läufen mehr herauszuholen gewesen wäre, wenn CEH anders (oder überhaupt) abgebogen wäre. Teilweise hat er geduldig hinter der O-Line auf Lücken gewartet, die sich nicht aufgetan haben.


    WR/TE: WR Hill (11 catches für 197 yards, TD) und TE Kelce (6 catches für 76 yards, 2 TD) waren wieder in All-Pro-Form. Leider hat man vom Rest nicht viel gesehen.


    OL: Hier gab es die (Zusatz-)Probleme, die bei 5 neuen Startern, davon 3 Frischlingen, einfach zu erwarten sind, nämlich Mängel in der Kommunikation/Koordination und punktuelle individuelle Fehler. Individuell etwas enttäuscht war ich von LT Brown, der wiederholt größere Probleme mit dem Passrush hatte, aber es gibt auch leichter zu kontrollierende Spieler als Myles Garrett. Ich bin aber weiterhin sehr optimistisch, dass die O-Line spätestens zur Saisonmitte hin gut sein wird. Schon die zweite Halbzeit war besser als die erste.


    DL: Jones hat seine ersten beiden Regular-Season-Sacks als DE eingefahren, wobei der zweite sehr wichtig war. Ansonsten kam noch etwas zu wenig Druck, und gegen den Lauf hatte man noch mehr Probleme als üblich. Aber da Frank Clark, der wohl spielen wollte, noch geschont wurde, und es das erste Spiel war, sehe ich keinen Grund zur Panik. Viel besseres Laufspiel als das der Browns werden wir wohl nicht sehen.


    LB: Natürlich haben auch die LB ihren Anteil am erfolgreichen Laufspiel der Browns. Aber in Anbetracht des Umstandes, dass Willie Gay verletzungsbedingt fehlt, lief es eigentlich recht gut. Rookie Bolton hatte einige gute Szenen, vor allem solide Tackles, und keine eklatanten Fehler. Hitchens war solide, hat die D-Line geordnet und den wichtigen Fumble hervorgerufen, den sich Niemann geschnappt hat.


    DB: Natürlich hat der Ausfall von Mathieu geschadet, wobei Andy Reid bestätigt hat, dass es eine von ihm getroffene Vorsichtsmaßnahme war. Aber hier war ich insgesamt sehr zufrieden. Sämtliche CBs und S Thornhill haben aus meiner Sicht einen guten Eindruck gemacht. Das mag verwundern, wenn man auf die Statistiken schaut, denn 19/25 für 298 yards (10,4 yards/pass) sind hervorragende Zahlen für Baker Mayfield. Aber Mayfield hatte aus meiner Sicht - mit Ausnahme der INT zum Abschluss des Spiels - einen exzellenten Tag. Die Chiefs-CBs waren fast durchweg eng an den Receivern dran, aber Mayfield hat die Pässe trotzdem angebracht. Hut ab, den perfekten Pass kann man - erst Recht, wenn die Receiver zuverlässig fangen - nicht verteidigen. Ein Sonderlob verdient CB Sneed, der sich in seiner eigentlichen Funktion so gelangweilt hat, dass er die Kollegen fleißig beim tackeln unterstützten konnte.


    ST: Butker hat alle PAT/FG getroffen. Ansonsten gab es ein geschenktes Big Play beim gegnerischen Punt, sonst nichts Spektakuläres.


    Sonstiges: Die Trickspielzüge haben zum Auftakt noch nicht sonderlich gut funktioniert.


    Fazit: Es war trotz des Ausfalls von DE Clark und S Mathieu ein wichtiger Sieg gegen einen starken Gegner. Letztlich haben die Big Plays (Fumble erobert; 75-yard-TD-Pass auf Hill; misslungener Puntversuch der Browns; INT zum Abschluss) das Spiel entschieden. Auch wenn erwartungsgemäß noch nicht alles rund lief, gibt es viel Grund für Optimismus.

    Es hat aber auch defintiv nichts mit Pech zu tun. Unsere absoluten Leistungsträger, wie Jimmy G, Ward, Tartt, Verrett, Deebo, Kittle, Ford, Mostert etc verpassen Jahr für Jahr Spiele. Ich kenne kein Team, was dermaßen verletzungsanfällige Spieler hat, wie die 49ers. Das muss mit dem Training gar nichts zu tun haben aber es gibt viele Spieler, die einfach nicht gesund bleiben können, weil ihr Körper nicht dafür gemacht ist oder sie entsprechend hart auf dem Spielfeld agieren und die 49ers sind da insb mit ihren Leistungsträgern absolute Spitze.

    Gratuliere zur Ferndiagnose ;)


    Im Ernst: Zufall ("Pech") ist wahrscheinlich die naheliegendste Erklärung für die meisten Korrelationen. Warum sollte das hier anders sein? Man kann auch nicht alle von Dir genannten Spieler über einen Kamm scheren. Es gibt sicher welche, hinsichtlich deren Verpflichtung man eine gewisse Verletzungsanfälligkeit in Betracht ziehen musste (z. B. Verrett, Ford), wobei man im Grunde fast immer erst hinterher weiß, ob der jeweilige Spieler für eine bestimmte Art von Verletzungen (z. B. ACL) anfällig ist, oder ob er einfach mal Pech hatte. Es ist ja nicht so, dass die 49ers Spieler nach drei Kreuzbandrissen in Folge verpflichtet hätten. Bei anderen waren die eingetretenen Verletzungen zum Zeitpunkt der Verpflichtung m. E. nicht absehbar. Bei Kittle sehe ich beispielsweise bis heute keine besondere Verletzungsanfälligkeit.


    ... Bei den Niners habe ich nicht den Eindruck, dass wir diese Saison in einer starken NFC West mithalten können. 2 Spiele gg Murray und Wilson. Da wird mir jetzt schon Angst und Bange, zumal wir ja nie sonderlich gut gegen laufende QB's ausgesehen haben. Und das es bei den Verletzungen von heute bei unseren Leistungsträgern bleibt, diese Hoffnung habe ich eh aufgegeben.

    Das klingt aber sehr nach "Overreaction Monday".

    Die 49ers fahren bei den Lions den erwartet lockeren Auftaktsieg ein. Oder so ähnlich. Eigentlich war das Spiel bei Halbzeit schon entschieden, aber am Ende wurde es dann doch noch einmal unnötig knapp.


    Viel bitterer ist freilich, dass schon wieder jede Menge 49ers angeschlagen/verletzt vom Platz mussten. Bei mindestens dreien muss man zittern:

    • RB Raheem Mostert musste nach tollem Beginn schon früh mit einer Knieverletzung raus. Hoffentlich ist das nichts Schlimmes. Nach Einschätzung der medizinischen Abteilung sieht es zumindest nicht nach einem Kreuzbandriss aus.
    • LB Dre Greenlaw hatte Probleme an der Leiste, aber das ist wohl zumindest nichts Gravierendes.
    • Dagegen sieht es bei CB Jason Verrett richtig bitter aus: Alles deutet auf einen Kreuzbandriss hin. Damit würde man den wohl besten Spieler auf der am dünnsten besetzten Position verlieren. Shanahan überlegt schon, ob man Richard Sherman verpflichten könnte.

    Inaktive für das Browns-Spiel:


    CB DeAndre Baker
    S Tyrann Mathieu
    DE Frank Clark
    OL Austin Blythe
    G Laurent Duvernay-Tardif
    WR Daurice Fountain


    Mathieu ist etwas überraschend, nachdem er gestern von der Covid-19-Liste aktiviert wurde, aber die Coaches wollten wohl nun doch kein Risiko eingehen. Das ist langfristig sicher vernünftig, aber der Ausfall eines der beiden Superstar-Verteidiger könnte für das Auftaktspiel eine erhebliche Schwächung darstellen. Das gilt mit deutlichen Abstrichen auch für den Ausfall von Clark. Blythe leidet noch an den Folgen einer Leistenbruch-OP, LDT an den Folgen einer gebrochenen Hand.

    Interessant ist, dass alle vier TEs und der gerade aktivierte Practice-Squad-Safety Zayne Anderson aktiv sind.

    Ich frage mich eher warum eine Winning-Season so unrealistisch sein soll. Wir waren letztes Jahr 8-8 und haben uns Im Grunde genommen nur verbessert. Woher also das schlechte abschneiden überall? Die Leute werden sich sehr wundern warum sie den Raiders diese Saison nichts zugetraut haben. Das kann ich dir hier unterschrieben mitgeben.

    Ich beobachte natürlich nicht hauptsächlich die Raiders und mag daher etwas übersehen. Aus meiner Sicht:


    Die Raiders haben sich in den letzten drei Jahren von 4-12 über 7-9 auf 8-8 verbessert. Das ist nicht grandios, aber immerhin die richtige Richtung, obwohl die Drafts eher unverständlich wirken. Im Vorjahr hatten die Raiders zudem großes Pech bei den Fumbles, so dass die Regression zum Mittelwert eine Verbesserung nahe legt. Das klingt erstmal nach positiver Perspektive, winning record und ggf. Playoffs.


    Aber auch auf die Gefahr hin, mich zu irren, erwarte ich vor allem in der Offense eher einen Rückschritt.

    Aus meiner Sicht hatten die Raiders und ihre Offense im Vorjahr als große Pluspunkte: QB Carr hatte für seine Verhältnisse eine super Saison mit sehr gute Zahlen, vor allem bei 3rd downs und bei tiefen Pässen. Zudem war die O-Line gut. Aufgrund der beiden Spiele gegen die Chiefs würde ich sagen, dass die Raiders so hervorragend mitgehalten haben, weil die Front 7 der Chiefs gegen die O-Line der Raiders kaum einen Stich bekommen hat. Vergleichbares ist den Chiefs - vielleicht abgesehen vom Superbowl - in keinem anderen Saisonspiel passiert. Die Wechselwirkung zwischen O-Line-Qualität und QB-Statistiken dürfte auf der Hand liegen.

    Insoweit rechne ich nicht mit einer Wiederholung:

    • Die O-Line wurde komplett zerhackt (Hudson zu den Cardinals, Jackson zu den Seahawks, Brown zu den Patriots)
    • Carr ist nicht für seine besonderen Improvisationsfähigkeiten bekannt
    • 3rd down passing ist eine schwankungsanfällige Komponente
    • Erfolg bei tiefen Pässen ist - abgesehen von wenigen Super-QBs - eine schwankungsanfällige Komponente
    • Carr war bis 2020 nicht gerade für sein tiefes Passspiel berühmt

    Insgesamt halte ich es daher für sehr wahrscheinlich, dass die Offense und insbesondere das Passspiel schwächer wird. Dafür spricht auch, dass Carr mit Nelson Agholor einen WR verloren hat, der 2020 sehr gute Zahlen produziert hat.

    Natürlich könnte es sein, dass der neu verpflichtete John Brown, der letztjährige Rookie Henry Ruggs oder auch Bryan Edwards plötzlich voll einschlagen. Aber darauf zu setzen wäre sehr optimistisch.


    Jetzt hat die bislang furchtbare Defense mit Gus Bradley einen neuen und vermutlich soliden DC, von dem aber konzeptionell keine großen Sprünge zu erwarten sind. Die Neuverpflichtungen in der Defense wirken nicht übel, aber auch etwas spekulativ. Edge-Rusher Ngakoue ist bei seinem vierten Team in zwei Jahren. Die Laufverteidigung dürfte durch die DTs Jefferson und Thomas verbessert sein, aber das ist in der heutigen NFL nicht die wichtigste Baustelle. CB Casey Hayward sollte ein Upgrade darstellen.

    Insgesamt rechne ich mit einer schwächeren Offense und einer verbesserten Defense. Im Optimalfall ist natürlich ein Wild Card Spot drin, aber dafür muss es schon gut laufen.

    Ich kenne die Zeiten leider auch. Aber ich bin einfach jede Saison positiv gestimmt. Haben ja sonst nix positives. Wenn ich in jede Saison so reingehen würde wie du dann hätte ich wahrscheinlich schon vor 10 Jahren aufgehört zu schauen :mrgreen::mrgreen:

    Wenn das bei Dir funktioniert ... Ich tendiere eher zu vorsichtigen Erwartungen, dann wird man wenigstens mal positiv überrascht.

    Neee die schönste war 2002 das Jahr 1 nach Gruden (bis auf den Super Bowl GEGEN Gruden),


    meine Fresse haben wir damals die anderen rumgeschubst. Ich erinnere mich an ein Spiel im Monsun gegen die Chiefs (Oaktown im Dezember), da sind wir 60mal gelaufen und haben sie buchstäblich plattgewalzt. Garner & Crockett....

    Ich erinnere mich mit Grausen. Allerdings haben die Chiefs unter Dick Vermeil auch alles Geld in die Offense gepumpt und quasi ohne Defense gespielt.


    "Kansas City scored 467 points (29.2 per game), but gave up 399 points (24.9 per game), the second most in the AFC and fifth-most in the NFL. Football Outsiders stated that the 2002 Chiefs have the second-largest Offense-Defense imbalance from 1992–2010" (aus der englischen Wikipedia)


    ---

    Ich halte viel von Mayock, aber als ich sein Playoff-Zitat gelesen habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Ich sehe bislang nicht, wo eine winning season der Raiders herkommen soll. Aber ich lasse mich gern (nein, in diesem Fall ausnahmsweise äußerst ungern, da die Raiders als Chiefs-/49ers-Fan mein Lieblings-Rivale sind) eines besseren belehren.

    Speziell zum injury report für das erste Spiel gegen die Browns:


    Backup-C Austin Blythe ist out (abdomen)

    DE Frank Clark (hamstring) und DT Derrick Nnadi (hip) haben diese Woche nur eingeschränkt trainiert und sind questionable.


    Abgesehen davon fallen natürlich RG Kyle Long (PUP) und LB Willie Gay (IR) für mehrere Wochen aus.

    Liebe Gemeinde ;) ,


    da die Preview-Abteilung hier leider fast vollständig in den Dornröschen-Schlaf verfallen ist, habe ich meine Saisonvorschau für die Chiefs dieses Mal in den Team-Thread (Postings #10 bis #26) eingestellt, so dass ich zur Vermeidung von Wiederholungen vorläufig darauf verweise.


    Sofern die Board-Leitung es wünscht, werde ich den Beitrag hier natürlich auch noch wiederholen.