Und da muss man bei einigen Siegen einfach anmerken, dass das wenig mit dem Fußball von Kovac sondern v.a. mit Glück zu tun hat. Exemplarisch kann man da auch dieses Spiel gegen Heidenheim anführen, dass -man muss das so deutlich sagen- im Ergebnis pures Glück war. Es kann kaum die taktischen Herangehensweise sein, dass man davon ausgeht, dass Heidenheim gleich mehrere 100%ige vergibt. Und wenn ich da mal so durch unsere Spiele scrolle, fallen mir locker drei, vier Spiele auf, bei denen die drei Punkte am Ende wirklich glücklich sind. Man muss auch gar nicht so weit zurückschauen. Man muss sich sicher nicht dafür entschuldigen, dass St. Pauli sich in der letzten Sekunde dumm anstellt und einen absolut unnötigen Elfer verursacht. Es hat aber eben auch nichts mit replizierbarem Erfolg aufgrund taktischer oder individueller Überlegenheit zu tun.
Was für mich eigentlich das große Wunder ist, ist dass es aktuell scheinbar keine Mentalitätsdebatte in Dortmund gibt. Das, was ich v.a. auch in der Vorgabe des Trainers vermisse, ist die Herangehensweise Spiele (klar) gewinnen zu wollen. Und genau das mündet dann eben auch in den völlig unnötigen Punktverluste, die man aufgrund der viel zu passiven Herangehensweise (ganz speziell auch nach Führungen) hinnehmen musste. Exemplarisch schaue man sich das Hinspiel gegen St. Pauli, den HSV, Stuttgart oder auch Juventus, Bodo oder Inter in der CL an.
Diese Spiele, bei denen man am Ende glücklich Punkte holt, sind kein neues Phänomen, das gab es auch unter Favre schon. Was es unter Kovac nicht mehr gibt, sind 1:5 Heimklatschen gegen Stuttgart.
Kovac hat vor einem Jahr eine absolute Trümmertruppe übernommen und es irgendwie geschafft, das Team in einem halben Jahr zu stablisieren und fit zu bekommen. Dafür sollten ihm alle BVB Fans dankbar sein.
Punktetechnisch holt Kovac in dieser Saison das Maximum dessen raus, was rauszuholen ist aus diesem Kader. Ich persönlich sehe lieber diesen Rumpelfußball mit einem 1:0 Sieg, als nach einer 1:4 Niederlage von Analysten vorgeschwärmt zu bekommen, wie toll doch das Pressing im Mittelfeld war in der ersten Viertelstunde.
Klar ist aber, dass das ganze nicht mehr langfristig funktionieren wird. Dieser Kader muss kernsaniert werden und der BVB muss wieder Spieler verpflichten, die das gewisse Etwas mitbringen. Und der wichtigste Schritt in diese Richtung wäre die Trennung von Sebastian Kehl, der in 3.5 Jahren keinerlei Arbeitsnachweis erbracht hat, dass er dieser Aufgabe gewachsen ist.
Wenn ich entscheiden müsste, sähe mein Plan so aus: Kehl jetzt entlassen und mit einem kompetenten Kaderplaner den Umbau angehen. Im Sommer dann Trennung von Kovac und ein neuer Trainer, dessen Spielweise zu dieser Kaderphilosophie passt.