#12 OVR Pick:
Kadyn Proctor, Offensive Lineman, Alabama
6'7", 352 lbs
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Fakten:
+ einer der jüngsten Spieler dieser Class (aktuell noch 20 Jahre alt)
+ war einer der höchstgerankten Highschool recruits seiner Class (5 stars, #5 Spieler nationwide)
+ 2023 sofort true Freshman Starter auf LT bei Alabama (so etwas gibt es bei Nick Saban eigentlich fast nie)
+ drei Jahre Starter auf LT in der SEC (insgesamt 40 Spiele)
+ hat in 3 Jahren am College nur 2 Spiele verpasst
+ 1st Team Academic All American 2025 lässt darauf schließen, dass er auch abseits des Sportplatzes noch Stärken hat
+ ein RAS score von 9,28 deutet auf einen sehr guten Athleten hin für seine Statur
+ prototypische Länge für einen OT in der NFL
+/- durchschnittliche Armlänge für einen NFL OT (33 3/8 inches)
+/- nach dem Karriereende von Nick Saban transferierte Proctor kurzfristig zu Iowa, um näher bei seiner Familie sein zu können. Er entschied sich allerdings schon nach wenigen Wochen um und kehrte nach Alabama zurück
- hatte am College teilweise Probleme damit, sein Gewicht unter Kontrolle zu haben. Kam mit 400 Pfund aus der Highschool und musste zunächst deutlich "abspecken"
- keinerlei Erfahrung auf anderen Positionen: Hat seit der High School immer nur LT gespielt (und wird in Miami eine andere Position spielen müssen)
Game Tape:
+ Power im Laufspiel: Wenn er seine Hände richtig platziert, wird der Verteidiger aus dem Gap bewegt.
+ athletisch genug, um auch ins 2nd level zu kommen, wo er regelmäßig Linebacker auf den Hintern wirft
+ kann seinen Gegenspieler an der LOS durch guten Handeinsatz kontrollieren
+ im Passblock ist er durch Bullrushes im Prinzip nicht zu bezwingen (wenn er seine Hände an den Verteidiger bekommt)
+ ungewöhnlich guter Getoff für einen Spieler seiner Statur
+ trotz seiner Masse sehr effektiv als Puller
+ "finishes plays", aber ohne dabei übermäßig unfair zu agieren
+ kaum Probleme mit Strafen: Seit 18 Spielen keine holding penalty gegen sich bekommen
- Probleme bei tieferen Pass Sets gegen Speed Rusher
- muss seinen Handeinsatz verbessern, bietet dem Verteidiger zu häufig die freie Brust als Angriffspunkt an
- muss deshalb manchmal nach außen überkompensieren und gibt dadurch unnötig die Innenbahn auf
- anfällig gegen Richtungswechsel und Counter Moves: Ist die Masse erst einmal unterwegs in eine Richtung, hat der Zug keine Bremse mehr
- gelegentlich hat er Probleme, Line Stunts richtig zu erkennen, bzw. nimmt gelegentlich den falschen Spieler auf
Rolle und NFL Comp:
Zuvor hat er ausschließlich LT gespielt, in der NFL sehe ich ihn eher als RT oder als Guard. Wenn er seine Probleme gegen outside speed beheben kann, sollte er mittelfristig auf RT seine Heimat finden. Falls nicht, dürfte ein Wechsel nach innen seinem Skillset entgegenkommen. NFL Comp ist schwer, da es so ganz viele Spieler mit seiner Statur nicht gibt. Mir würden Orlando Brown und Trent Brown einfallen, ein absolutes best-case Szenario wäre vermutlich Jordan Mailata.
Scheme Fit:
Diese Kategorie lasse ich dieses Jahr weg. Aufgrund des Regimewechsels ist sowohl in Offense als auch in Defense noch nicht klar, wie unser Scheme genau aussehen wird. Es gibt zwar Tendenzen, in welche Richtung es gehen dürfte, aber das ist mir ohne Vorerfahrung mit den jeweiligen Coaches zu schwammig.
Impact:
Ich gehe davon aus, dass Proctor direkt als Starter eingeplant ist. Ob er nun auf RT startet (und Austin Jackson auf Guard wechselt) oder ob Proctor erstmal für 1 Jahr Guard spielt und danach potenziell von Jackson (nur noch 1 Jahr Vertrag) übernimmt, lässt sich noch nicht absehen. Aber durch seine Spielweise sollte Proctor schon als Rookie eine Verstärkung im Laufspiel sein.
Need:
Wir haben seit Jahren immer wieder große Probleme in der O-Line. LT Paul und C Brewer gehören auf ihren Positionen zu den Besten der NFL, aber auf RT ist Jackson oft verletzt und beide Guard Positionen sind Dauerbaustellen. Das Need war kaum zu übersehen.
Value:
Auf dem consensus board steht Proctor an 18, wir haben ihn nach kleinem Downtrade an 12 gepickt. Wenn man ihn als reinen Guard einplanen sollte, sehe ich das als kleinen Reach. Sollte er mittelfristig Tackle spielen, kann ich mich mit dem Value schon eher anfreunden.
Was wäre mein Pick an der Stelle gewesen?
Als wir an #11 on the clock waren, waren mit Rueben Bain und Caleb Downs noch die #3 und #4 meines big boards zu haben. Den Trade mit den Cowboys habe ich gefeiert, weil ich dachte "ok, die nehmen einen der beiden, dann können wir den Anderen nehmen". Daher wäre mein Pick an der Stelle Rueben Bain gewesen. Wenn es unbedingt ein O-Liner an der Stelle hätte sein müssen, hätte ich OG Ioane noch vor Proctor auf dem Zettel gehabt, wobei Ioane natürlich nicht die T/G Flexibilität mitbringt.
Wie finde ich den Pick?
Ich kann nachvollziehen, warum Proctor an der Stelle gepickt wurde: Man will das Team "inside out" bauen und zunächst die Trenches verstärken. Alle jammern seit Jahren, dass das Team nicht physisch genug ist, also holt man einen physisch dominanten Spieler für die OL. Eindeutiger statement pick für das neue Regime. Außerdem gab es einen Run auf O-Line in Runde 1 (was absehbar war) und man hätte an 30 vermutlich keinen Spieler mehr bekommen von der Kategorie wie Proctor. Kann ich alles nachvollziehen. Aufgrund der noch vorhandenen Alternativen bin ich aber isoliert betrachtet kein allzu großer Fan dieses Picks. Ich "hasse" ihn nicht, aber ich bin der Meinung dass es mit Bain oder Downs bessere Alternativen gegeben hätte.