Review
Schweden war nicht zu gefährden. Der zweite Platz der Schweiz war eine ziemliche Überraschung. Aber der dritte Platz der deutschen Team-Staffel im Langlauf der Frauen war auch ein echtes Tollstück. ZDF-Reporter Heiko Klasen ließ sich zu dem Satz hinreissen: "Coletta Rydzek, bu bist unsere Langlauf-Göttin!" Nebenbei - Passend dazu fällt mir der Spruch des Tages am gestrigen Dienstag ein, den ich ganz vergessen habe zu erwähnen. ARD-Reporter Eik Galley beim Siegeslauf von Bob-Ikone Johannes Lochner: "Sehen sie wie die Kurven, sich ganz leicht zu ihnen neigen, dem Hansi und dem Georg, wie sie ihnen applaudieren zu dieser fantastischen Leistung!" Schön oder schon cringe? Auf jeden Fall beinahe poetisch. Zurück zum Langlauf. Laura Gimmler und Coletta Rydzek fügten dem Erfolg in diesem Wettbewerb von vor vier Jahren mit der Goldmedaille von Katharina Hennig und Victoria Carl ein weiteres Glanzstück hinzu. Hochachtung! Das Wort "Hochachtung" reicht bei Johannes Hoesflot Klaebo an sich nicht mehr aus. Fünftes Rennen der Langlauf-Männer, fünfter Start von Klaebo, fünfte Goldmedaille für den Norweger. Über den langen Kanten (50km) am Samstag kann er sich mit einem weiteren Sieg die Langlauf-Krone aufsetzen.
Mikaela Schiffrin dominierte den Slalom der Frauen nach Belieben. Klare Bestzeit im ersten und die zweitbeste Zeit im zweiten Lauf bedeuteten am Ende einen Riesenvorsprung von eineinhalb Sekunden und den Olympiasieg. Sie WAR die beste im Weltcup, sie gewann zu recht die Goldmedaille in Mailand/Cortina. Die Schweiz jubelte über die erste Medaille für die alpinen Frauen durch Camille Rast und Ann-Swenn Larsson (SWE) holte sich Bronze. Weniger befriedigend verlief der letzte Wettbewerb für die Deutschen. Weder Emma Aicher, noch Lena Dürr standen am Ende auf dem Podest. Emma Aicher fuhr, vor allem im unteren Teil der Strecke, zu zaghaft und Lena Dürr...tja, tragisch, unglücklich oder dumm...nach dem ersten Lauf auf Rang 2 (wie im Riesenslalom) und dann IM ERSTEN Tor des 2. Durchgangs eingefädelt und raus! Wie kann man soetwas erklären? Es war ein Flüchtigkeitsfehler, der im Slalom immer, auch am ersten Tor, passieren kann. Dass es gerade beim olympischen Slalom geschieht ist...bitter!
Relativ unspektakulär verlief dagegen das Ausscheiden der deutschen Puckjäger. Schon im ersten Gruppenspiel gegen Dänemark hatte es sich angedeutet: Auf dem Eis stehen gute bis sehr gute Spieler - aber keine Mannschaft!. Zu diesem Zeitpunkt konnte man sich aber immer noch einreden, dass sich das Team im Laufe des Turniers schon noch finden würde. Man sollte auf keinen Fall auf diesem unseligen Satz von vor den Spielen: "Das beste deutsche Team aller Zeiten!" herumreiten. Ja, es wäre besser gewesen eine neutralere Bezeichnung wie z.B.: "Der qualitativ beste deutsche Spielerkader" zu verwenden. Natürlich weckte die Ausgangsposition Träume von einer Medaille. Nicht nur bei den Spielern. Das 2:6 heute gegen die Slowakei im Viertelfinale kam nicht überraschend, sondern erfolgte fast mit mathematisch und logisch genauer Präzision. Gründe für den Misserfolg?: Die kurze Vorbereitungszeit? (Ich weiß nicht wieviel Zeit die anderen Teams hatten). Falsche Maßnahmen der Trainer? Um das beurteilen zu können ist man zu weit vom Team entfernt. Die kleine Eisfläche? Naja, die war für die anderen Mannschaften ja auch nicht größer. Die längere Erholungszeit der Slowaken? Das ist sicher ein Punkt, aber ob er entscheidend war? Man kann im Viertelfinale gegen ein Team wie das der Slowakei ausscheiden, keine Frage. Was wirklich enttäuschend war, ist der Umstand, dass es vorher kein einziges Spiel gab, das der Qualität der Spieler im Kader gerecht geworden ist.
Bedingt durch den sportlichen Zeitplan, bekam auch der Konsument des ZDF-Hauptprogramms heute Eishockey satt zu sehen. Und das war gut so! Nach dem doch recht einseitigen ersten Viertelfinale Slowakei gegen Deutschland, folgten drei hinreissend spannende matches. Kanada glich kurz vor dem Ende gegen Tschechien aus und gewann in der Overtime 4:3. Die Schweiz führte sechs Minuten vor dem Ende sogar mit zwei Toren, musste dann doch den Anschluss- und Ausgleichstreffer der Finnen hinnehmen, die das Spiel dann in der OT mit 3:2 gewannen. Im dritten Spiel, USA gegen Schweden, wurde zwar mit Toren gegeizt - die USA führte mit 1:0 - aber je näher man der Schlusssirene kam, hatte man das Gefühl, nein irgendwie WUSSTE man: Es geht in Verlängerung. Und - das war dann auch so. Eineinhalb Minuten vor dem Ende glich Schweden zum 1:1 aus und - gewann das Spiel - nein, diesmal ging es anders herum! In diesem Spiel setzte sich das Team, das den Ausgleich hinnehmen musste durch. Die US-Boys gewannen 2:1.
Im ZDF gab´s früher immer an Heiligabend mal eine Sendung mit dem Namen "Wenn die andern feiern...". Es wurden Menschen gezeigt, die das Schicksal hatten den Heiligabend nicht mit der Familie oder den Freunden begehen zu können. Zumindest den Titel könnte man derzeit auf das deutsche Biathlon anwenden. Auch die Frauen-Staffel lief den drei führenden Nationen (Frankreich, Schweden und Norwegen), wie die Männer gestern, hinterher und landete ebenfalls nur auf Platz 4. Bei jeder Großveranstaltung gibt es tragische (wenn man dieses Wort im Sport überhaupt verwenden darf) Figuren. Bei diesen OS gehört sicherlich der Eiskunstläufer Ilia Malinin dazu, der - aus physischen oder/und psychischen Gründen - seiner hohen Favoritenrolle nicht gerecht werden konnte und ein Debakel erlebte. Ein Debakel ist es sicher nicht, aber ein wenig Tragik hat der Auftritt der deutschen Biathletin Franziska Preuß doch in sich. Sie wollte sich ihren Entschluss, mit dem Leistungssport nach dieser Saison aufzuhören, mit dem Gewinn einer Medaille in einem Einzelrennen bei olympischen Spielen etwas versüßen. Als Nummer zwei der deutschen Staffel laufend, brachte sie Deutschland nach dem Liegend-Schießen sogar in Führung. Aber dann kam ihr - wie in den Rennen zuvor auch - das vermaledeite Stehend-Schießen in die Quere. Vier Fehlschüsse und eine Strafrunde von Preuß kosteten der Mannschaft wahrscheinliche eine Medaille.
Nicht unerwähnt bleiben soll der vierte Platz von Annika Morgan im Slopestyle-Wettbewerb der Frauen im Snowboard. Die beste deutsche Platzierung in dieser Sportart bei diesen Spielen.
13. Wettkampftag - Do.19.02. - 7 Entscheidungen
Die Eishockey-Turniere gehen in die entscheidende Phase, auch die Curling-Teams beenden ihre Vorrunde und widmen sich den Play Offs. Die Vorläufe und Qualifikationen in den Sportarten nehmen langsam ab und Finals beherrschen Immer mehr den olympischen Tag. Man kann es nicht leugnen, wir gehen zweifellos schon wieder auf die Zielgerade der Olympischen Spiele. Sieben Wettkämpfe um Gold, Silber und Bronze sind für heute angesetzt.
Gaaaanz spannend (weil neu) - Ski-Bergsteigen! Eine, in die Olympischen Spiele, neu integrierte Sportart. Ich geb´ zu: Bis auf ein paar Erklär-Bär-Videos habe ich noch nie etwas von diesem Sport mitbekommen. Wie ich gelernt habe besitzt Deutschland mit Tatjana Paller die Drittplatzierte der letzten Weltmeisterschaften, die sich, nach eigener Aussage, als WM-Dritte auch gut eine Olympia-Medaille vorstellen kann. Also gut - ich lass´ mich mal gerne überraschen. Drei Diszplinen werden in Mailand und Cortina mit Medaillen bedacht. Heute sind es die sogenannten Sprints der Frauen und Männer. 13:55 Uhr / 14:15 Uhr.
Letzte Chance für die deutschen Kombinierer um ihr schwaches Ergebnis bisher aufzubessern. Auch hier wurde die traditionelle Staffel durch einen Zwei-Mann-Team-Sprint über jeweils 7,5km ersetzt. Halbierte Mannschaft, aber immerhin...Springen hat das IOC noch gestattet. 10:00 Uhr / 14:00 Uhr.
Nach den Olympiasiegen über 500m und 1.000m strebt das us-amerikanische Eisschnelllauf-Wunderkind Jordan Stolz heute seine dritte Goldmedaille an. Distanz: 1.500m. Start: 16:30 Uhr.
Mit der Kür der Frauen enden die Eiskunstlauf-Wettbewerbe. Nach dem Kurzprogramm unter den ersten vier: Drei Japanerinnen. Es führt Ami Nakai, vor Kaori Sakamoto, auf dem dritten Platz rangiert Alysa Liu aus den USA. Platz vier nimmt die dritte Japanerin Mone Chiba ein. 19:00 Uhr. Am Samstag findet noch die traditionelle Schaulauf-Gala der Medaillengewinner statt.
Alle Welt hat es vorausgesagt und schließlich ist es auch so gekommen. Im Endspiel des Eishockey-Turniers der Frauen stehen sich die USA und Kanada gegenüber. Face off: 19:10 Uhr. Um 14:40 Uhr kämpfen schon die Schweiz und Schweden um die Bronzemedaille.
Um 11:30 Uhr findet das Finale bei den Aerials der Männer im Ski Freestyle statt.
Im Curling schliessen Frauen und Männer die Vorrundenphase mit den letzten Spielen ab. Die Männer tragen um 19:05 Uhr dann schon die beiden Halbfinalbegegnungen aus. Das deutsche Team beendet die Olympischen Spiele mit der Begegnung gegen China. 9:05 Uhr.